Metiba „Oft sind es Kleinigkeiten, die einen aufhalten“

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Metiba-Gründer Sascha Klein weiß heute, dass Durchhaltevermögen, Disziplin und der Glaube an den eigenen Erfolg wichtiger sind als die Idee.

Metiba-Gründer Sascha Klein weiß heute, dass Durchhaltevermögen, Disziplin und der Glaube an den eigenen Erfolg wichtiger sind als die Idee.© Stefan Koch / impulse

Metiba stellt Trittpedale her, mit denen sich Türen per Fuß öffnen lassen. Doch bis das Produkt marktreif war, dauerte es vier Jahre – achtmal so lang wie geplant. Über einen Start mit Hindernissen.

Die besten Geschäftsideen entstehen manchmal in der Kneipe. Als Dachdeckermeister Sascha Klein auf der Herrentoilette sieht, wie ein Mann die Türklinke umständlich mit seinem dreckigen Schuh betätigt, denkt er sich: Das muss doch eleganter und hygienischer gehen – und tüftelt über Jahre nach Feierabend an einem Trittpedal, mit dem sich Türen bequem per Fuß öffnen lassen. Heute kommt Kleins Erfindung unter anderem in Krankenhäusern zum Einsatz.

impulse: Herr Klein, Sie haben mit Ihrem Produkt etwa vier Jahre zur Marktreife gebraucht. Warum?

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Sascha Klein: Ich habe Metiba neben meiner Dachdeckerei gegründet. Und mein Vorhaben war deutlich komplizierter als zu Beginn erwartet. Anfangs dachte ich, ich brauche vielleicht ein halbes Jahr, bis das Produkt marktreif ist. Das war völlig unrealistisch!

Warum?

Auch wenn meine Idee simpel klingt, muss man sehr viel beachten: Welche Materialien passen zusammen? Wie können wir die Produktionskosten in einem vernünftigen Rahmen halten? Weil unser Produkt neu ist, mussten wir alles selbst machen und etwa Gussformen für die Serienfertigung entwickeln. Oft sind es dann Kleinigkeiten, die einen aufhalten. Wir bieten zum Beispiel verschiedene Farben an. Rot deckt aber nicht so gut und muss mehrfach aufgespritzt werden. Dadurch hat wiederum ein Bauteil nicht mehr gepasst. Solche Probleme rauben viel Zeit – und Nerven.

Ende 2014 war es dann fast so weit. Sie haben den Verkauf aber wieder gestoppt. Warum?

Ja, das war ein harter Schlag! Wir hatten den Türöffner vorher bei Messen vorgestellt und mit einer speziellen Anlage unter hoher Belastung getestet. Nie gab es Probleme. Dann haben wir die ersten Exemplare in Krankenhäusern eingesetzt und nach zwei Tagen waren die Öffner kaputt. Wir waren fassungslos! Im Nachhinein hat sich herausgestellt, dass die Patienten das Pedal nicht richtig betätigt hatten. Die Nutzung war also noch nicht intuitiv genug. Uns blieb nichts anderes übrig, als die Konstruktion komplett zu überarbeiten.

Das klingt nach einer teuren Angelegenheit. Wie hoch waren die Entwicklungskosten?

Viel höher als geplant. Allein für die Patente haben wir gut 200.000 Euro ausgegeben. Wir haben unser Produkt in rund 60 Ländern schützen lassen. Sonst wäre die Gefahr zu groß gewesen, dass es jemand nachbaut. Das Teuerste waren aber die Entwicklungskosten: Eine Gussform für ein einziges Bauteil unseres Türöffners kostet etwa 10.000 Euro. Und wir brauchten zehn davon. Insgesamt haben wir mehr als 800.000 Euro in Konstruktion und Entwicklung gesteckt. Ich selbst habe meine privaten Ersparnisse, einen niedrigeren sechsstelligen Betrag, dazugegeben.

Wie haben Sie den Rest finanziert?

Ich habe zu meinem großen Glück weder einen Bankkredit aufgenommen, noch hatten wir einen renditegetriebenen Privatinvestor im Nacken. Sonst hätte ich auch unmöglich so lange weitermachen können. Ich hatte Metiba zuerst mit fest angestellten Bekannten vorangetrieben, die mich auch finanziell unterstützt haben. Nach und nach sind aber alle abgesprungen. Um so einen Prozess durchzuhalten, muss man wirklich überzeugt sein. Über die Wirtschaftsförderung Hannover habe ich dann meinen jetzigen Geschäftspartner und Gesellschafter Dieter Bartels kennengelernt. Er ist selbst Unternehmer und glaubt an die Sache. Inzwischen ist die Entwicklung abgeschlossen, und unser Ziel ist es, in diesem Jahr die direkten Kosten durch Erträge auffangen zu können.

Sie sind selbst Unternehmer, können rechnen. Warum war es so schwierig, den technischen Aufwand und die Kosten richtig einzuschätzen?

Ich bin Handwerker. Und als Handwerker können Sie immer noch Dinge ausbessern. Eine Serienfertigung funktioniert anders. Da muss von Anfang an alles perfekt passen, und man muss sicher sein, dass das fertige Produkt vom Markt angenommen wird. Bis ein Produkt so weit ist, dauert es. Das war ein interessanter Lernprozess.

Mittlerweile ist die Produktion angelaufen. Was haben Sie jetzt vor?

Die ersten Krankenhäuser in Niedersachsen nutzen unsere Türöffner bereits. In diesem Jahr stehen außerdem mehrere Messen an, die wir nutzen möchten, um bekannter zu werden. Wenn wir in einem halben Jahr etwa 100 Türöffner für jeweils 350 Euro verbaut haben, wäre das ein toller Erfolg. Langfristig sehen wir neben Krankenhäusern vor allem die Gastronomie als potenziellen Markt. Für Kellner, die oft schwer tragen, ist es praktisch, Türen mit dem Fuß zu öffnen. Aber eins nach dem anderen. Ich hab mittlerweile gelernt: Wer etwas mehr Geduld hat und Dinge von Anfang an sorgfältig aufbaut, kommt oft schneller an sein Ziel.

Ein Artikel aus der impulse-Ausgabe 02/2017

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