Dagmar Wöhrl über "Die Höhle der Löwen" „Solche Gründer nehmen anderen den Platz weg“

Die Neue bei "Die Höhle der Löwen": Dagmar Wöhrl führt mit ihrem Mann und Sohn ein Familienunternehmen.

Die Neue bei "Die Höhle der Löwen": Dagmar Wöhrl führt mit ihrem Mann und Sohn ein Familienunternehmen.© MG RTL D / Bernd-Michael Maurer.

Vom Bundestag in "Die Höhle der Löwen" - Dagmar Wöhrl ist die Neue unter den Investoren. Im impulse-Interview spricht sie über diesen ungewöhnlichen Wechsel, unfaire Kandidaten und ihr Familienunternehmen.

Als im Januar bekannt wurde, wer Jochen Schweizer in der „Höhle der Löwen“ nachfolgt, war die Überraschung groß: Dagmar Wöhrl, ehemalige Miss Germany, war bis dahin vor allem als CSU-Politikerin und langjährige Bundestagsabgeordnete bekannt gewesen – weniger als Unternehmerin. Doch Wöhrl führt mit Mann und Sohn – das betont sie in jeder Sendung – ein Familienunternehmen. Gemeinsam mit Carsten Maschmeyer investierte Wöhrl in „Die Höhle der Löwen“ in das bisher wohl beeindruckendste Gründer-Team der ganzen Show: Mutter Anna und Tochter Dindia Vonnemann haben MoveAid entwickelt, ein künstliches Gleichgewichtsorgan, mit dem die halbseitig gelähmte Dindia wieder laufen lernte. Ein Gespräch darüber, wie es mit MoveAid weitergeht, und wie Kandidaten die Show ausnutzen.

impulse: Frau Wöhrl, Sie sind vor allem als Politikerin bekannt. Ihren Mann dagegen kennt man als Unternehmer und Ihr Sohn führt eine Hotel-Kette. Standen die beiden als Juroren bei „Die Höhle der Löwen“ zur Debatte?

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Dagmar Wöhrl: Die Anfrage ging an mich – und das hat mich damals schon überrascht. Ich habe mich dann mit meinem Mann und meinem Sohn zusammengesetzt und sie gefragt, ob wir es machen sollen oder nicht. Es war von Anfang an klar, dass wir als Familienteam auftreten: Ich sitze zwar auf dem Stuhl, aber ich habe meinen Mann und meinen Sohn im Hintergrund.

In der Sendung hat man manchmal den Eindruck, dass einige Gründer Sie für ein Investment nicht in Betracht ziehen, sondern Angebote der anderen Löwen bevorzugen. Was glauben Sie: Woran könnte das liegen?

Viele hatten mich nicht auf dem Schirm. Wenn sie mich gegoogelt haben, haben sie natürlich die Politikerin Dagmar Wöhrl gefunden; unsere Firmengruppe war auf meiner Politikerhomepage und in meinen sozialen Netzwerken nicht dargestellt. Deswegen wussten bei den Dreharbeiten die wenigsten Gründer, welche Unternehmen hinter mir stehen. Ein Gründer, in den ich gern investiert hätte, hat mir später gesagt: „Frau Wöhrl, ich wusste leider nicht, was Sie machen.“

Sie sind ja auch breit aufgestellt mit Ihrem Familienunternehmen: Ihnen gehören Modehäuser und Hotels, Sie sind an Fluggesellschaften beteiligt. Vielleicht liegt es daran, dass niemand weiß, wofür Sie stehen.

Wir haben schon immer mit unserer Introinvest GmbH in ganz unterschiedliche Start-ups investiert, kreuz und quer. Egal ob Lebensmittelbereich, Dienstleistungen, IT-Firmen –  alles passt bei uns irgendwo hin. Ich habe keine Präferenzen für irgendwelche Branchen.

Laufen die Pitches bei „Die Höhle der Löwen“ anders ab, als wenn sich Gründer bei Ihrem Familienunternehmen um ein Investment bewerben?

Das ist eine ganz andere Situation. Bei der Introinvest GmbH wissen wir vorher genau, wer zu uns kommt, können Material sichten, haben Zeit. Bei „Höhle der Löwen“ ist das jedes Mal eine absolute Überraschung: Wer ist der Gründer? Was kommt für eine Idee? Du musst dir in kürzester Zeit ein Bild machen und entscheiden: Gebe ich Geld und vor allem Zeit?

Wie man einen erfolgreichen Elevator Pitch aufbaut, lesen Sie in unserer Schritt-für-Schritt-Anleitung.

Gibt es noch mehr Unterschiede?

Es kommt öfter vor, dass mehrere Löwen an einem Produkt, an einem Gründer interessiert sind. Für mich ist neu, dass ich mich als Investorin dann selbst verkaufen muss. Nicht nach dem Motto: Der Gründer will etwas von dir, sondern: Sieh zu, dass der Gründer dich will.

Welche Voraussetzungen müssen Gründer mitbringen, damit Sie bereit sind zu investieren?

Auf der einen Seite ist das eine rein rationale unternehmerische Frage: Taugt das Produkt, gibt es dafür einen Markt? Aber das Wichtigste ist für mich der Instinkt, das Bauchgefühl: Ist der Mensch, der hinter dem Produkt steht, sympathisch, passt er zu mir? Brennt er wirklich für seine Idee?

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Welche Gründer haben Sie am meisten beeindruckt?

Das waren die Gründer von MoveAid, Frau Vonnemann mit ihrer Tochter. Dieser Pitch war sehr emotional und ich finde die Frau wirklich beeindruckend. Sie brennt für Ihr Produkt. Es ist einfach fantastisch, dass sie ihrer Tochter geholfen hat und nun auch tausenden anderen Menschen helfen wird, wenn das Produkt auf den Markt kommt.

Wie sehen die nächsten Schritte für MoveAid aus?

Wir müssen die Hardware weiterentwickeln, im medizinischen Bereich gibt es da sehr viele Vorschriften. Und wir brauchen die medizinische Zulassung. Wenn alles gut läuft, kommen wir Mitte nächsten Jahres auf den Markt. Wir sind auf einem guten Weg.

Aber längst nicht jeder Auftritt in der „Höhle der Löwen“ ist so beeindruckend wie dieser.

Mir gefällt es nicht, wenn Gründer eigentlich gar keinen Investor suchen, sondern einfach nur im Fernsehen auftreten wollen. Nach dem Motto: Wir waren im Fernsehen, und jetzt suchen wir uns einen  Investor, der vielleicht weniger Prozente will als die Löwen und mehr bezahlt. Deswegen kommt der eine oder andere Deal dann doch nicht zustande. Solche Gründer nehmen anderen den Platz weg, die wirklich einen Löwen als Investor suchen. Das ist unfair.

Wie viele Deals haben Sie insgesamt in dieser Staffel abgeschlossen?

Acht.

Ist der Deal der letzten Sendung mit Grace Flowerbox zu Stande gekommen?

Der hat geklappt. Wir mussten schnell handeln, die Gründer waren noch sehr klein aufgestellt: Es musste mehr Personal eingestellt werden, größere Lagerhallen wurden notwendig, die Vorproduktion musste finanziert werden, die Internetseite überarbeitet. Die Gründer kamen mit Lieferschwierigkeiten in die Sendung. Jetzt läuft alles reibungslos, nicht nur in ihrem eigenen Onlineshop, sondern auch bei Ludwig Beck, dem Kaufhaus in München, und bei Wöhrl.

Sind Sie bei der nächsten Staffel „Höhle der Löwen“ wieder dabei?

Ich bin im Gespräch mit Vox. Ich würde mich freuen, wenn es klappt.

Und wenn es nicht klappt?

Ich werde nicht zu Hause sitzen und Däumchen drehen. Wie auch jetzt schon werde ich mich um meine karitative Arbeit kümmern und diese ausbauen. Die Stiftung, die nach meinem verstorbenen Sohn benannt ist, wird mehr in den Mittelpunkt rücken. Ich habe einiges vor. Freizeit war noch nie meine olympische Disziplin.

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