Soundbrenner und "Die Höhle der Löwen" Das lief schief bei den Soundbrenner-Jungs

Start-up trifft Investoren: Soundbrenner-Gründer Florian Simmendinger (re.) und Julian Vogels (daneben) mit Georg Kofler, Dagmar Wöhrl und Ralf Dümmel (v.l.n.r.) in "Die Höhle der Löwen".

Start-up trifft Investoren: Soundbrenner-Gründer Florian Simmendinger (re.) und Julian Vogels (daneben) mit Georg Kofler, Dagmar Wöhrl und Ralf Dümmel (v.l.n.r.) in "Die Höhle der Löwen".© MG RTL D / Bernd-Michael Maurer

Ihr Plan platzte schon, als sie vor die Jury traten: Beim Auftritt von Soundbrenner in der "Höhle der Löwen" lief es nicht rund. Warum Gründer Florian Simmendinger auch ohne Deal glücklich zurück nach Hongkong flog.

Sie hatten sich akribisch vorbereitet. Julian Vogels, 29, und Florian Simmendinger, 28, Gründer von Soundbrenner, analysierten vor ihrem Auftritt in der „Höhle der Löwen“ die Investoren genau. Doch als sie vor die Jury traten, wussten sie: Sie müssen ihren Plan umwerfen. In der Sendung, die am Dienstagabend ausgestrahlt wurde, improvisierten die Gründer die wichtigsten Teile ihres Pitchs. Die Zuschauer bekamen davon kaum etwas mit.

Mit Soundbrenner haben die beiden Gründer ein Wearable für Musiker auf den Markt gebracht: ein Metronom für das Handgelenk. Musiker tragen den Taktgeber, der einen vibrierenden Impuls aussendet, wie eine Uhr. Der kleine Kasten, der Klick-Klack macht wie einst im Schulunterricht, ist damit Geschichte. Der Rhythmus wird per Smartphone-App gesteuert, die Daten analysiert und spezielle Übungen vorgeschlagen.“ Um am besten zu verstehen, wie nützlich unser Produkt ist, muss man selbst Musiker sein“, erzählt Florian Simmendinger. Deshalb wollten sich die Gründer von Anfang an auf Jurymitglied Judith Williams konzentrieren: Die Unternehmerin hat klassischen Gesang studiert und war viele Jahre Opernsängerin.

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Wo ist Judith Williams?

Die böse Überraschung vor Beginn der Aufzeichnung: Auf Judith Williams‘ Stuhl im TV-Studio sitzt ein anderer. Die Löwin war erkrankt und wurde kurzfristig durch den TV-Manager Georg Kofler ersetzt. „Das hat uns erstmal kalt erwischt“, sagt Simmendinger. „Wir dachten, wenn wir Judith Williams überzeugen, steckt sie die anderen Löwen mit ihrer Begeisterung an.“ Dazu kam: Das war nicht das einzige Problem.

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„Wir ahnten vorher, dass bestimmt die Frage kommen würde, warum es dafür ein extra Produkt braucht und man nicht einfach eine Smartwatch nehmen kann“, erzählt Simmendinger. Die Antwort auf die Kritik hatte er sich vorab zurechtgelegt: Der Impuls, den etwa die Apple Watch aussendet, ist viel schwächer als der von Soundbrenners Produkt Pulse. Um das zu demonstrieren, wollte er die Löwen beide Produkte live testen lassen. Doch um keine Apple-Werbung zu machen, habe die TV-Produktionsfirma nur eine andere Smartwatch für die Sendung zugelassen. Deren Batterie aber war bei Beginn der Aufzeichnung tot. So ging auch das in die Hose.

Stolzer Preis: 1,5 Millionen für zehn Prozent

Am Ende gab es kein Investment. Allerdings hatten die Soundbrenner-Gründer mit 1,5 Millionen Euro für zehn Prozent der Anteile auch einen vergleichsweise hohen Preis gefordert, den keine Löwe zahlen wollte. Doof gelaufen also?

Einige Monate nach der Aufzeichnung macht Florian Simmendinger nicht den Eindruck, als habe ihn der Pleiten-Pech-und-Pannen-Auftritt bei Vox traumatisiert. Beim Gespräch mit impulse in Hongkong, wo das Start-up seinen Hauptsitz hat, ist er bester Dinge. Pünktlich zum Sendetermin hat sein Team die Server des Start-ups hochgerüstet. So soll die Website dem Besucheransturm, der während jeder Sendung auf den Webseiten der teilnehmenden Start-ups zu erwarten ist, standhalten. Drei Dinge sind es, die Simmendinger zufrieden stimmen:

Die Aufmerksamkeit: Vox hatte extra ein Kamerateam nach Hongkong geschickt, um die Gründer an ihrem Standort in Fernost zu filmen. Der Aufwand verwandelte sich in Extraminuten Sendezeit. So viel kostenlose Werbung ist ein Traum für jedes junge Unternehmen und für immer mehr Teilnehmer der Vox-Show der Hauptgrund, in die Sendung zu gehen. Ein mögliches Investment der Löwen wird so oft zur Nebensache. Soundbrenner etwa hat bereits zwei Millionen Euro von asiatischen Investoren eingesammelt und plant gerade die Series-A-Runde für das kommende Jahr. Geld war also auch schon vor der Sendung genug da.

Das Feedback der Löwen: Auch ohne Opernsängerin Williams als Musikexpertin waren die Löwen angetan von Soundbrenners Produktidee. Der Ritterschlag von Frank Thelen freute Simmendinger besonders: Der Start-up-Experte lobte den Mut der beiden deutschen Gründer, direkt nach Asien zu gehen, um ihr Produkt schneller auf den Markt bringen zu können. „Alles richtig gemacht“, sagte Thelen. Denn von Hongkong aus ist es nur ein kurzer Weg nach Shenzhen, die Elektronik-Hauptstadt der Welt. Dort lässt das Start-up mit deutschen Wurzeln von Anfang an produzieren. „In Deutschland hätte es fünf Jahre gedauert, hier haben wir es in zwei geschafft“, sagt Simmendinger.

Die eigene Entwicklung: Für Soundbrenner war der Ausflug ins TV ein Marketing-Baustein, um in Deutschland bekannter zu werden. Nicht weniger, aber eben auch nicht mehr. Längst wird der Pulse rund um den Globus verkauft, in den USA auch von einer großen Kette für Musikinstrumente. Bis September 2017 hatte Soundbrenner schon mehr abgesetzt als im ganzen Vorjahr – und das wichtige vierte Quartal mit dem Weihnachtsgeschäft kommt erst noch. Gleichzeitig wächst das rund 20 Mitarbeiter große Team weiter. Gerade heuern die jungen Gründer einen erfahrenen Chief Operations Officer an, der die Expansion steuern soll.

Kleines Start-up, große Pläne

Für das nächste Jahr plant Soundbrenner, eine neue Variante seines Geräts auf den Markt zu bringen. Außerdem arbeiten die Gründer daran, den mehr als hunderttausend aktiven Nutzern der App zusätzliche Dienste zu verkaufen, um so den Umsatz unabhängiger vom Hardware-Verkauf zu machen. Die Zeichen stehen also auf Wachstum – und der Auftritt in der „Höhle der Löwen“ dürfte die Entwicklung auf dem deutschen Heimatmarkt noch beschleunigen.

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