Selbstverliebte Gründer Gründer sind selbstverliebt

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Viele Gründer verrechnen sich zu Anfang bei der Preiskalkulation. Beim Pricing beziehen sie oft nicht Nachfrageschwankungen und den eigenen Verdienst mit ein.© Minerva Studio / Fotolia.com

Narzissten gründen gerne und eher Unternehmen. Zu diesem Ergebnis kommt eine aktuelle Studie, welche von der British Academy of Management mit dem Best Paper Award im Bereich Entrepreneurship ausgezeichnet wurde.

Mit ihrem Song „Du musst ein Schwein sein“ scheint die deutsche Pop-Band „Die Prinzen“ zumindest in Bezug auf Unternehmensgründungen Recht zu haben. Wie Wissenschaftler der Universität Hohenheim, der Hochschule Reutlingen und der Deutschen Hochschule der Polizei in Münster nun in einer Studie herausgefunden haben, haben selbstverliebte Persönlichkeiten eine höhere Neigung Unternehmen zu gründen. Hochwertige Businesspläne stammen dagegen eher aus der Feder von Machiavellisten. Die Forscher untersuchten bei ihrer Arbeit den Einfluss der sogenannten „Dunklen Triade der Persönlichkeit“ in der Phase vor der Unternehmensgründung.

Narzissmus, Machiavellismus und unterschwellige Psychopathie: Verbunden werden diese Eigenschaften meist mit einer Reihe unbeliebter Merkmale wie Härte, Rücksichtslosigkeit, übersteigertes Selbstbewusstsein oder emotionaler Kälte. Gleichzeitig aber haben sie Merkmale wie etwa Risikoneigung, Machtstreben und den Drang nach Selbstbestätigung, die in Führungspositionen oft anzutreffen sind. In der Studie untersuchten die Wissenschaftler, wie sich diese „Dunkle Triade der Persönlichkeit“ auf die Gründungseignung und Leistung bei der Erstellung von Businessplänen auswirkt.

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Die Kehrseite der Unternehmer

Beate Cesinger, Mitarbeiterin am Stiftungslehrstuhl für Unternehmensgründungen und Unternehmertum (Entrepreneurship) der Universität Hohenheim, und Petra Gelléri von der Deutschen Hochschule der Polizei, erläutern:

„Bisherige Forschungsarbeiten haben sich immer nur mit positiven Charakterzügen beschäftigt. Unsere Ergebnisse zeigen: Auf den ersten Blick können negative Persönlichkeitseigenschaften wie Narzissmus und unterschwellige Psychopathie bei der Überlegung, selbst eine Firma zu gründen, förderlich sein.“

Der Grund: Narzissten und unterschwellige Psychopathen verfolgen wohl eher Geschäftsideen, da sie einerseits stärker nach Geld, Macht und Status streben als andere Menschen, und sie andererseits ihr stark übersteigertes Selbstbewusstsein an eigene, scheinbar überragende Fähigkeiten und Erfolg bei der Unternehmung glauben lässt.

Problematisch ist das deshalb, weil diese Fähigkeiten in der Realität nicht unbedingt immer vorhanden sind, warnen die Wissenschaftler. Vergleicht man die Leistungen von Narzissten und unterschwelligen Psychopathen etwa bei der Erstellung eines umfassenden Businessplans nämlich mit Machiavellisten, den „manipulativen Machtmenschen“, dann schneiden Narzissten signifikant schlechter ab. Während sich Machiavellisten durch eine eher realistische Weltsicht auszeichnen und sich auf ihr Ziel fokussieren, geben sich Narzissten keine sonderlich große Mühe, denn sie halten sich ohnehin für die Besten und meinen, im Wettbewerb keine großen Anstrengungen aufbringen zu müssen. Das Ergebnis sind signifikante Fehler, zum Beispiel bei der Preiskalkulation.

Die Untersuchungsergebnisse haben eine ganz konkrete Bedeutung für die Praxis: Gerade in der Beratung und Betreuung von Gründungsinteressierten oder bei Investmententscheidungen von Gründungsfinanziers ist es wichtig zu wissen, ob das Gründungsinteresse echtes Interesse oder nur die Ausprägung einer narzisstischen Persönlichkeit ist. Die Universität Hohenheim hat daher ein berufsbezogenes Verfahren zur Diagnostik der Dunklen-Triade-Eigenschaften entwickelt. Dominik Schwarzinger, Mitarbeiter am ehemaligen Lehrstuhl für Psychologie der Universität Hohenheim, erläutert:

„Das Verfahren soll Organisationen dabei unterstützen, die richtigen Menschen für die Positionen zu identifizieren, bei denen Chancen oder Risiken dunkler Persönlichkeitseigenschaften für den späteren Erfolg eine Rolle spielen.“

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