Gründung Hamburger Startup will mit „privater Cloud“ punkten

Dienste aus der Internet-Wolke sind bequem und aus dem Online-Alltag nicht mehr wegzudenken. Doch wem gehören dann die Daten und wer kann sie mitlesen? Ein Startup aus Hamburg will mit einem Konzept punkten, das die Cloud sicherer machen soll.

Vier Jahre lang haben die beiden Hamburger Jung-Unternehmer Ali Jelveh (33) und Christopher Blum (28) an ihrer Vision des „einfachsten Servers der Welt“ gearbeitet. Die modische Box, die nun an die ersten Kunden ausgeliefert wird, soll die Vorteile der modernen Dienste in der „Internet-Wolke“ wie Google Docs, Dropbox oder Skype mit der Datensicherheit eines eigenen Servers verbinden. Das gewaltige Interesse am Marktstart des Startups Protonet lässt sich aber nicht alleine durch das ausgefallene Design oder das technische Konzept der Hamburger erklären.

„Seit den Berichten über die Spionage der anglo-amerikanischen Geheimdienste, von denen besonders Cloud-Dienste betroffen sind, klingelt das Telefon bei uns viel öfter als zuvor“, sagt Protonet-Mitbegründer Ali Jelveh. Beim ursprünglichen Entwurf des Mini-Servers stand für Jelveh allerdings nicht die Angst vor NSA, BND oder GCHQ im Vordergrund, sondern das „komische Bauchgefühl“ bei der Nutzung von herkömmlichen Internet-Diensten: „Die Cloud ist cool und bequem. Aber wem gehören die Daten dann, wenn sie dort liegen? Das ist bei den meisten Anbietern ein System, das ich nicht durchschauen kann.“

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Zwei Drahtlos-Netzwerke

Die Box von Protonet verschwindet nicht in einem dunklen Server-Schrank, sondern wird bei den Kunden mitten im Büro wie ein Designobjekt positioniert. Über zwei Antennen baut der Server im aufwendigen Alu-Gehäuse zwei Drahtlos-Netze auf, ein sicheres internes Netz und ein öffentliches WLAN für Gäste. Über die Box können die Anwender intern und extern chatten, Dateien austauschen, gemeinsam Dokumente bearbeiten oder Termine und ToDo-Listen verwalten – ohne dass ein externer Dienstleister die Daten zu Gesicht bekommt. „Wir glauben nicht, dass es notwendig ist, irgendwelchen Anbietern Vollzugriff auf wichtige Unternehmensdaten zu geben, nur um etwas Komfort zu gewinnen.“

Wer für ein Backup externe Cloud-Angebote nutzen möchte, kann dort hart verschlüsselt Daten ablegen. Der Server sei jederzeit und von überall aus erreichbar, verspricht Protonet. Außerdem bedürfe es keiner IT-Kenntnisse, um die Kiste in Betrieb zu nehmen.

Finanzierung über Crowdfunding

Um ihre Idee einer „eigenen Cloud für Privatpersonen und Unternehmen“ umzusetzen, fragten Jelveh und Blum nicht herkömmliche Risikokapitalgeber oder Geschäftsbanken. Sie starteten im November 2012 eine erste Finanzierungsrunde über die Crowdfundig-Plattform SeedMatch. Innerhalb von 48 Minuten kam das Geld für das angestrebte Finanzierungsziel von 50.000 Euro zusammen. Insgesamt konnten dort 200.000 Euro eingesammelt werden, genug um in der eigenen Werkstatt in Hamburg-Altona mit dem Bau der nicht ausspähbarer Mini-Server zu starten. In einer zweiten Finanzierungsrunde, an der sich der Jung-Unternehmer Tarek Müller, die Gründer der Agentur Kolle Rebbe sowie die Hamburger Innovationsstiftung beteiligten, kamen weitere 900.000 Euro auf das Firmenkonto.

Mit Mitteln der Hamburger Innovationsstiftung gehen die beiden Unternehmensgründer nun im September ins kalifornische Silicon Valley. Dort werden sie unter anderen an der Konferenz „Disrupt“ teilnehmen, die von dem einflussreichen Technologieblog TechCrunch organisiert wird. „Die USA sind der entscheidende Player, wenn es um Innovationen im Internet-Umfeld geht. Wir wollen dort eine Flagge auf der Karte hissen“, betont Jelveh.

Unterdessen verlassen die ersten Boxen in der Größe eines Schuhkartons die Werkstatt in Hamburg-Altona. Nachdem ein zunächst angedachtes Mietmodell bei potenziellen Kunden auf wenig Gegenliebe stieß, verkauft Protonet die Miniserver nun ab 3270 Euro (inkl. Mehrwertsteuer). Firmenmitbegründer Jelveh kann sich auch deutlich preiswertere Geräte für den privaten Anwender vorstellen. „Unsere Software kann im Prinzip auch auf einem PC laufen, der für wenige hundert Euro zu haben ist. Die Boxen müssen nicht von uns kommen.“ Ohnehin gehe es nicht vor allem um die Hardware. „Wir verkaufen nicht Boxen, sondern Unabhängigkeit und Auswahl.“

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