Gründung Hip oder effizient: 2 Firmenmodelle, ein Silicon Valley

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Kneipe oder Büro? Der Github-Firmensitz.

Kneipe oder Büro? Der Github-Firmensitz.© Gunnar Berning

Was für ein Gegensatz: Auf der einen Seite eine alte Fabrikhalle, Ledersofas, Billiardtische und Mitarbeiter, die im Park arbeiten. Auf der anderen Seite: der 23. Stock eines Hochhauses, voll mit 3-Quadratmeter-Arbeitsboxen inklusive Sichtschutz zum Kollegen. Wie unterschiedlich die Firmenmodelle in den USA sind, beschreibt Gunnar Berning im Silicon Valley Blog.

 

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Staunende Augen bekamen die mitgereisten deutschen Unternehmer und Venture-Capital-Investoren beim Besuch von Github. Das Startup, ebenso wie AirBnB nicht im Silicon Valley direkt sondern in San Francisco beheimatet, hat seinen Sitz in einer alten Fabrikhalle. Das gesamte Büro ist unter dem Motto „Kneipe“ eingerichtet. Theke, 8 Meter breite Ledersofas, Executive Lounge, Billiard-Tisch sind nur einige der Dinge, die man nicht eben in einem Büro erwarten würde. Github hat 145 Mitarbeiter weltweit, nur ein Drittel davon arbeitet im Office, der Rest weltweit „remote“.

Obwohl nach Oliver-Samwer-Maßstäben noch reichlich Platz wäre, liegen die Umzugspläne schon aus. „Heute sind nicht viele Mitarbeiter im Office. Es ist doch schönes Wetter. Die arbeiten irgendwo in einem der Parks in San Francisco“ erklärt die GitHub Mitarbeiterin den verdutzten Besuchern. Obwohl Marissa Mayer, Yahoo-CEO, bekanntermaßen den entgegengesetzten Weg geht und wieder alle Mitarbeiter vom Büro aus arbeiten lassen will, funktioniert die Remote-Arbeit bei Github augenscheinlich sehr gut. Ein grosser Teil der (festen) Mitarbeiter arbeitet weltweit verstreut, alle Systeme sind auf die Zusammenarbeit über Ländergrenzen hin optimiert.

GithubDas Github Office: Eine alte Fabrikhalle, ©Gunnar Berning

Wo in Deutschland eher noch ein Untermieter gesucht wird, weil noch ein paar Quadratmeter Bürofläche ungenutzt sind, ziehen (manche) Firmen im Valley eher schon wieder in ein grösseres Büro. Githab erhielt kürzlich ein 100 Mio. Dollar Investment von Andreessen Horowitz, der Investmentfirma des Netscape-Mitgründers Marc Andreessen.

Github ist aber nur eines der vielen Gesichter des Silicon Valley. Einen anderen Ansatz verfolgt das Startup Marin Software. Marin Software bedient die Werbetreibenden und digitalen Marketing Agenturen mit einer webbasierten Plattform zur Optimierung von Umsatz-Akquise durch Online-Werbekampagnen. Die klassischen amerikanischen Cubicles, hässliche, drei Quadratmeter grosse Boxen mit Sichtschutz zum nächsten Mitarbeiter, sind unübersehbar im 23. Stock des Hochhauses mit Blick auf die San Francisco Bay.

CTO und Mitgründer Joseph Chang sieht dadurch nicht nur Nachteile. Sehr authentisch erzählt er, dass nicht jeder Mensch bei einem hippen, jungen Startup arbeiten möchte. „Wir wollen nicht jemand vorgeben, der wir nicht sind. Unsere Gründer sind nicht mehr jünger als 30 Jahre alt und wir haben von Beginn an größten Wert auf Effizienz und niedrige Kosten gelegt“, so Chang.

Trotzdem ein sehr erfolgreiches Startup. Vor kurzem erfolgreich an die New York Stock Exchange gegangen. 105 Mio. USD flossen der Firma durch den Börsengang zu bei einer Bewertung von 425 Mio. Dollar. Soweit nicht sonderlich außergewöhnlich.

"Gruppenfoto Kurzer Stop für ein Gruppenfoto, ©Gunnar Berning

Der Unterschied zu Deutschland wird mit ein paar zusätzlichen Informationen deutlich: Marin Software machte im vergangenen Jahr 50 Mio. Dollar Umsatz und ist bislang nicht profitabel. Mit einem 8,5-fachen Umsatz-Multiple als unprofitable Firma einen Börsengang machen? In Deutschland eher unmöglich. Philipp Röslers Ziel, wieder mehr Börsengänge in Deutschland im Bereich von 5 bis 50 Mio. Euro Bewertung zu ermöglichen, ist richtig, um das Startup-Ecosystem noch besser in Schwung zu bringen. „Wir brauchen einen neuen Anlauf für eine Börse, einen Neustart nach dem Jahr 2000, das ist jetzt mehr als 10 Jahre her“, meinte Rösler im Rahmen der Reise vor Gründern.

Manch einer denkt, die Reise ist eine Klassenfahrt, auch einige der mitgereisten Journalisten. Die vergessen, dass smarte Menschen sich weiterentwickeln wollen, links und rechts schauen um besser zu werden. Nur so kann man was Außergewöhnliches schaffen, „The Next Big Thing“.

Weiter geht die Reise durchs Valley mit stauenden Politkern. Als nächstes steht ein Besuch bei Sheryl Sandberg von Facebook auf dem Programm. Mehr dazu im nächsten BlogPost.

Lesen Sie mehr: Der Silicon Valley Blog

 

Gunnar Berning

Über den Autor: Gunnar Berning (39) ist Entrepreneur und Gründer des Berliner IT-Startups twago. Er bloggt eine Woche von der Delegationsreise von Wirtschaftsminister Philipp Rösler (FDP) ins Silicon Valley. Bevor twago 2010 startete, arbeitete Berning als Top-Management-Berater für Siemens. Sein Studium finanzierte er sich als Sportfotograf für Bongarts (heute Getty Images) und coverte Olympische Spiele und Fussball-Grossturniere, unter anderem für den Spiegel und den Stern. Gunnar auf Twitter folgen.

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