Gründung Hohes Tempo, große Pläne

impulse beobachtet drei Jungunternehmer aus drei Ländern. Eine Zwischenbilanz nach einem Jahr.

Typische Neulinge waren sie von Anfang an nicht. Als impulse vor einem Jahr drei Gründer aus drei unterschiedlichen Ländern besuchte, hin­terließen die chinesische Jungunternehmerin Fu Minyan, Ashwin Naik aus Indien und Karsten Jerschke aus Oberbayern schon bleibende Eindrücke unternehmerischer Professiona­lität. Um es vorwegzunehmen: Auch zwölf Monate später kennen ihre Karrieren nur eine Richtung – die nach oben. Der Umsatz steigt. Der Jobmotor läuft, branchenspezifisch natürlich mit unterschiedlicher Drehzahl.

Das wirtschaftliche Umfeld spielt allen dreien in die Hände. Nach wie vor wächst die chinesische Wirtschaft um mehr als zehn Prozent. Indiens Boom reißt nicht ab. Und sogar Deutschland erlebte 2007 schon fast nicht mehr für möglich gehaltene 2,5 Pro­zent Wachstum. Bei allem Rückenwind: Die Gründer beweisen sowohl Talent als auch Willenskraft.

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Es braucht nur ein Wort, um die Situation von Karsten Jerschke treffend zu charakterisieren: Tempo. Seine Firma 3C-Carbon aus Landsberg am Lech, die Leichtbauteile für Autohersteller und den Motorsport produziert, wächst seit der Gründung vor fünf Jahren rasant: Aktuell sind es
85 Mitarbeiter, 100 werden es wohl zum Ende dieses Jahres sein, und für 2009 rechnet der Chef gar mit einer Verdopplung. Die Firma verzeichnet eine zweistellige Umsatzrendite, „zwei erste Adressen aus dem Dax“ gewann Jerschke als neue Kunden hinzu.

Die Bremse sitzt anderswo. „Unser größtes Problem ist, qualifizierte Mitarbeiter zu finden, die auch mit unseren Performance- und Qualitätsansprüchen mithalten können“, so der Oberbayer. Die Standards treibt er selbst nach oben: 100 Wochenstunden sind Norm, Urlaub gab es im letzten Jahr ebenso wenig wie Privatleben. „Ich merke täglich, dass es noch ein weiter Weg bis ins ruhigere Fahrwasser ist“, sagt er. Globalisierungssorgen? „Nein, keine. Mit unserem Geschäftsfeld sind wir doch geradezu ideal­typisch auf den Standort Deutschland zugeschnitten. Die für unsere Kohlefaser notwendige Fertigungspräzision findet man nur hier.“

Erst Handel, dann Wandel

Die Bremse sitzt anderswo. „Unser größtes Problem ist, qualifizierte Mitarbeiter zu finden, die auch mit unseren Performance- und Qualitätsansprüchen mithalten können“, so der Oberbayer. Die Standards treibt er selbst nach oben: 100 Wochenstunden sind Norm, Urlaub gab es im letzten Jahr ebenso wenig wie Privatleben. „Ich merke täglich, dass es noch ein weiter Weg bis ins ruhigere Fahrwasser ist“, sagt er. Globalisierungssorgen? „Nein, keine. Mit unserem Geschäftsfeld sind wir doch geradezu ideal­typisch auf den Standort Deutschland zugeschnitten. Die für unsere Kohlefaser notwendige Fertigungspräzision findet man nur hier.“

In ruhigeren Gewässern scheint Fu Minyan angekommen zu sein. Der Alltag der Unternehmerin, deren Firma Shanghai Mindac Machinery Equipment mit Maschinen für die Stahl- und Kohleindustrie handelt, hat sich verändert. Sie arbeitet weniger und gönnt sich mehr Freizeit, findet Zeit zum Lesen, für die Musik und dafür, ihre Lieferanten und potenziellen Kunden zu besuchen. Die Rastlosigkeit und die unterschwellige Nervosität, die sie noch vor einem Jahr verbreitete, hat sie inzwischen abgelegt – ihr Hunger nach Erfolg ist geblieben. Dennoch musste sie Rückschläge hinnehmen. Ein entlassener Mitarbeiter hat pikante Firmendetails an den lokalen Rivalen verkauft. „Dieses Verhalten hat unsere Firma zurückgeworfen“, sagt sie.

Und doch brachte das Jahr 2007 Fu Minyan weiter nach vorn. Die 36-Jährige ist mittlerweile nicht mehr nur Händlerin, sondern auch Produzentin von Maschinen. Möglich machen das die Globalisierung sowie Fu Minyans Kenntnisse des deutschen Markts – schließlich war sie früher einmal bei der Auslandshandelskammer in Shanghai beschäftigt. Das Know-how für die eigene Herstellung kaufte sie von dem ostdeutschen Maschinenbauer Zemag, der 2005 pleite­­ging. Beinahe hätten chinesische Behörden den Deal noch verhindert. „Es war mit der hier herrschenden Bürokratie und den zahlreichen Vorschriften fast unmöglich, den Kontrakt in Euro abzuschließen“, erzählt Minyan und fügt sogleich hinzu: „Inzwischen sind die Währungsvorschriften zum Glück gelockert.“

Ashwin Naik aus Indien weiß ein Lied über das Leid mit den Bürokraten zu singen. So hat er es vor Monaten aufgegeben, neue Firmenräume für seine Vaatsalya Healthcare Management zu kaufen – denn noch immer ist der Eigentumserwerb ein extrem schwerfälliger Prozess in Indien. Nun ist er nur Mieter, um „endlich mit dem Geschäft voranzukommen“. Seit der Gründung 2004 treibt Naik den Ausbau des Netzes von Gesundheitszentren für die Landbevölkerung voran. 66 Mitarbeiter zählt sein Unternehmen jetzt, elf mehr als noch vor einem Jahr. Bislang wirft es zwar nur einen kleinen Profit ab. Aber die Tatsache, dass er endlich in den schwarzen Zahlen steht, bedeutet für ihn einen Meilenstein.

Über Monate hinweg hat Naik nach Investoren gesucht und nun endlich welche gefunden. „Auch im Boomland Indien springen die Geldgeber auf bewährte Geschäftsmodelle mit hoher Rendite auf – für neue Ideen muss man sie erst einmal begeistern“, sagt Naik. Nun kann er weiter expandieren. In zehn Jahren, so sein Plan, soll die Firma größtes Kliniknetzwerk in Indien sein und 2,5 Millionen Menschen versorgen.

Das Fazit nach einem Jahr Drei-Gründer-Vergleich: Die Unternehmer eint der unbeirrte Blick nach vorn und die Freude am eigenen Schaffen. Die Kinder der Globalisierung nutzen ihre Chance – mit Mut und ohne Angst.

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