Gründung Kammerberufe fahren gut mit der Pflicht zur Rente

Selbständige, die einem der freiberuflichen Stände angehören, müssen in die Versorgungswerke ihrer Kollegen einzahlen. Und das ist gut so, denn die kapitalgedeckten Renten können sich sehen lassen.

Das Konzept

Ärzte, Anwälte und Steuerberater machen es genauso wie Architekten und Psychotherapeuten: Sie sichern sich über ihre berufsständischen Versorgungswerke ab. Die Zahlungen sind nicht freiwillig, sondern vielmehr Pflicht. Entsprechend den Beiträgen zur gesetzlichen Rentenversicherung für Arbeitnehmer müssen die Freiberufler in die Kasse ihrer Versorgungswerke einzahlen, maximal 1054,70 Euro pro Monat. Das Geld verschwindet im Gegensatz zur gesetzlichen Rente aber nicht augenblicklich per Umlagefinanzierung in einem Ausgabentopf. Vielmehr basiert die Freiberufler-Rente auf einem kapitalgedeckten System. Das heißt, die Beiträge werden langfristig investiert und erwirtschaften Zinsgewinne, die wiederum in die Altersvorsorge einfließen. Unternehmer bekommen später eine lebenslange Rente aus den eigenen Beiträgen. Die Höhe richtet sich nach dem Anlageerfolg des Versorgungswerks.

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Die Anbieter

Insgesamt gibt es in Deutschland 85 berufsständische Versorgungswerke. Sie sind länderweit organisiert, einige arbeiten zusammen. Auch wenn sie unabhängig voneinander und damit unterschiedlich gut wirtschaften, kommen selten Klagen. „Die berufsständischen Versorgungswerke haben einen guten Ruf“, sagt Bernd Katzenstein vom Deutschen Institut für Altersvorsorge (DIA) in Köln. Gerade deshalb werden immer wieder Stimmen laut, die berufsständischen Versorger in die gesetzliche Rente zu überführen. Grund für die Kammern,
möglichst wenig Wind um ihre Altersvorsorge zu machen, um solche Begehrlichkeiten nicht noch zu fördern.

Die Rendite

Die Versorgungswerke investieren die Gelder ihrer Mitglieder unterschiedlich. Entsprechend stark weicht auch die Performance ab. Verglichen mit der gesetzlichen Rente sieht aber jedes
Versorgungswerk gut aus. „Die Institute investieren in der Regel konservativ“, sagt DIA-Experte Katzenstein. Schließlich geht es auch Freiberuflern in erster Linie darum, die Rente zu sichern und sie nicht auf der Jagd nach schnellen Renditen zu verzocken. Zudem profitieren auch die Kammerberufe von einer steuerlichen Förderung. Beiträge sind bis 20 000 Euro steuerbegünstigt. Kleiner Unsicherheitsfaktor ist bei Architekten und Co. das Langlebigkeitsrisiko. Schließlich garantieren die Werke ihren Mitgliedern eine lebenslange Rente, und wenn die Kollegen immer älter werden, müssen auch die eingezahlten Mittel länger reichen.

Die Gewinner

Rund 665 000 Angehörige von Kammerberufen sichern ihre Altersvorsorge über Versorgungswerke ihrer Berufsstände ab (siehe Tabelle links). Freiberufler werden zwar zwangsbeglückt, können sich aber eigentlich nicht beklagen. Denn verglichen mit dem gesetzlichen Rentensystem fahren alle berufsständisch versicherten Chefs deutlich besser.
Wer sich dennoch an der Pflicht zur Beitragszahlung stört, dem bleibt ein kleiner Trost. Denn auch Freiberufler können in die Rürup-Rente einzahlen, wenn sie ihre steuerlichen Freibeträge noch nicht ausgeschöpft haben. Und damit ebenfalls von der staatlich geförderten Basisrente profitieren.

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