Gründung Männlich, ledig – Topverdiener?

Selbst bei akribischer Vorbereitung ist die Gründung einer Firma häufig ein Wagnis. Doch der Schritt macht sich für die meisten Deutschen bezahlt. Einer Studie zufolge verdienen Gründer nach drei Jahren deutlich mehr als Angestellte. Die Untersuchung zeichnet zudem ein genaues Profil der Entrepreneure.

Der Schritt in die Selbstständigkeit lohnt sich für die meisten Deutschen. Drei Jahre nach der Gründung ihrer Firma haben 38 Prozent der Entrepreneure ein höheres Einkommen als zuvor in abhängiger Beschäftigung. Das ist ein Ergebnis einer Studie des Instituts der deutschen Wirtschaft, die auf Zahlen aus den Jahren 1991 bis 2009 basiert. Nur 17 Prozent der Gründer verfügen nach drei Jahren über ein geringeres Einkommen als zuvor. DIW-Experte Alexander Kritikos sagt: „Vieles spricht dafür, dass sich in den letzten 20 Jahren eine unternehmerische Kultur verstärkt etablieren konnte.“

Insgesamt waren 2009 in Deutschland rund elf Prozent der erwerbsfähigen Personen im Vollerwerb als Gründer tätig. Der Anteil ist gegenüber 1991 um drei Prozent gestiegen. Im Zeitraum 1991 bis 2009 ist der Anteil sogar um 40 Prozent gestiegen. Laut OECD stagniert in vielen anderen europäischen Volkswirtschaften dagegen die Selbstständigkeit oder geht sogar zurück.

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Der typische Gründer ist laut der Studie männlich, zwischen 25 und 44 Jahren alt und baut ein Dienstleistungsunternehmen in Ostdeutschland auf. Der Anteil der Gründungen in den neuen Bundesländern steigt nämlich seit 1997 stärker an als in den alten Bundesländern. 2005 überstieg die Anzahl an neuen Start-Ups in den neuen Bundesländern die ihrer alten Bundesländer sogar. Mit einer Selbständigenrate von aktuell fast 12 Prozent liegen sie etwa zwei Prozent vor den Gründern in den alten Bundesländern.

Obwohl der Anteil an Gründerinnen deutlich wächst, wagen nur etwa sieben Prozent aller erwerbstätigen Frauen den Schritt in die Selbstständigkeit – was etwa die Hälfte des entsprechenden Wertes für Männer ausmacht. Singles stellen mit 52,5 Prozent die eindeutige Mehrheit bei den Gründern dar.

Der allgemeine Strukturwandel in Deutschland spiegelt sich auch in den Start-Up-Unternehmen wider: Jeder zweite Selbstständige ist im Jahr 2009 im Dienstleistungssektor tätig. Ausschlaggebend hierfür ist vermutlich, dass diese Branche relativ niedrige Hürden aufweist und auch eine geringe Mitarbeiterzahl für das junge Unternehmen den Optimalfall darstellt. Der einzige weitere Sektor, der einen signifikanten positiven Zuwachs an Gründern aufweist, ist das Baugewerbe.

Im Handel und Gastgewerbe ist die Zahl der Start-Up-Unternehmen rückläufig – betrachtet man ausschließlich deutsche Selbständige. Unter den ausländischen Unternehmern in Deutschland hingegen boomt die Branche entgegen dem allgemeinen Trend. Fast 50 Prozent aller neuen Firmen im Handel und Gastgewerbe werden durch Ausländer gegründet.

Generell sind viele nichtdeutsche Entrepreneure in Deutschland wesentlich geneigter, selbständig zu werden als die Deutschen: Seit 1996 liegt die Gründungsrate unter ausländischen Erwerbstätigen deutlich über dem entsprechenden Wert für Deutsche. 2009 erreichte sie 12,1 Prozent wohingegen die durchschnittliche Gründungsrate in Gesamtdeutschland bei 10,8 Prozent lag.

Zwar machen Personen mit einer abgeschlossenen Berufsausbildung noch den größten Anteil unter den Gründer aus, allerdings steigt der Anteil der Hochschulabsolventen stark an. Hatten 1991 nur 18 Prozent aller Gründer eine Hochschulausbildung, lag der Anteil 2009 schon bei 30 Prozent.

Die wirtschaftliche Lage von Gründern ist in der Öffentlichkeit kontrovers diskutiert worden.
Aus einer aktuellen Studie des Bonner Instituts für Mittelstandsforschung etwa ging hervor, dass „ein Viertel der 4,3 Millionen Selbständigen in Deutschland zuletzt ein monatliches Nettoeinkommen von weniger als 1100 Euro hatten“. Die DIW-Studie bestätigt diese Zahlen, allerdings zeigt sich, dass im Vergleich der Verdienste bei den Angestellten der Anteil der Geringverdiener sehr viel höher liegt, nämlich bei 34 Prozent.

Zudem hat ein sehr viel höherer Anteil an Selbständigen – knapp 37 Prozent – ein Einkommen von mehr als 2300 Euro im Monat, welches nur von rund 17 Prozent der abhängig Beschäftigten erreicht wird. Weiteres attraktives Argument für Gründer: Der DIW-Studie zufolge verdienen nach drei Jahren die oberen 30 Prozent der Start-Up-Unternehmer mehr als die oberen 30 Prozent der abhängig Beschäftigten.

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