Gründung Mit Sicherheit zur Starthilfe

Firmengründer sollten erst dann zur Hausbank gehen, wenn der Businessplan stimmt und sie über Fördermittel informiert sind. Auch eine Bürgschaft kann nötig sein.

Für Maja Halver war es im Juni so weit: Die Hamburgerin eröffnete ihr eigenes Unternehmen. Ajax Loktechnik repariert und hält Diesellokomotiven instand. Das technische Wissen und die nötige Berufserfahrung brachte Halver mit. Und Tipps zur Gründung bekam sie von der Handwerkskammer Hamburg und einem ehemaligen Kollegen, der einen ähnlichen Service für Elektroloks anbietet.

Das einzige Hindernis: Halver benötigte 700.000 Euro für Ersatzteile, Werkzeuge und Servicefahrzeuge, mit denen die Techniker zu ihren Kunden fahren. Deshalb schickte sie im Januar einen Businessplan an mehrere Banken in der Hansestadt, um sich bei der Suche nach geförderten Krediten unterstützen zu lassen. Einige Banken antworteten gar nicht. Andere gaben veraltete Informationen weiter. Und bei manchen sollte die Gründerin erst einen dicken Stapel Unterlagen ausfüllen. „Nicht gerade die Rückmeldung, die ich mir erhofft hatte“, sagt Halver. „Ich habe schnell gemerkt, bei welcher Bank Gründungsfinanzierung zum Tagesgeschäft gehört und bei welcher nicht.“

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Interesse der Banken hält sich oft in Grenzen

Wie der Hamburgerin geht es vielen Gründern. Sie erwarten Hilfe von Banken, doch deren Interesse hält sich oft in Grenzen. Das ist meist kein böser Wille, sondern Banken haben gute Gründe: Die Risiken einer Geschäftsgründung sind kaum absehbar. Zudem fehlen häufig Sicherheiten. Hinzu kommt: Welche Art der Finanzierung überhaupt geeignet ist, ist zunächst meist offen.

Grundsätzlich gibt es drei Möglichkeiten: Ein Kredit der Bank, ein geförderter Kredit einer Staatsbank wie KfW sowie Zuschüsse von Bund, Land und anderen Institutionen. Die geförderten Kredite leiten Banken oft nur weiter und verdienen kaum daran. „Viele Banken sehen nur den Aufwand“, sagt Stefanie Pump, Leiterin des Gründerzentrums der Hamburger Sparkasse (Haspa).

Realistisches Konzept entscheidend

Gründer müssen deshalb äußerst überzeugend sein, um Unterstützung von der Bank zu bekommen. „Der Gründer muss seine Idee verkaufen können“, sagt sie. Denn den Businessplan nehmen Bankberater genau unter die Lupe. Viele Banken wollen die Pläne bereits vor dem ersten Termin sehen, um ausreichend Zeit für die Prüfung zu haben. „Das Konzept muss realistisch sein“, sagt Pump. Vor allen anderen Aspekten ist die Bonität entscheidend für die Frage, ob Gründer und Bank ins Geschäft kommen. „Wir lehnen diejenigen ab, die ein langes Schufaregister haben oder schon zuvor nicht mit Geld umgehen konnten“, erklärt sie.

„Vorbereitung ist alles, wenn man an Geld kommen will“, sagt Michael Wandt, der mit seiner Firma Wabeco Subventionslotse Unternehmer zum Thema Fördermittel berät. „Die Aufgabe des Gründers ist es, seine Chancen zu verbessern, indem er seine Geschäftsidee klar erklärt oder bereits mögliche Förderungen und ihre Bedingungen kennt.“

Wer keine Sicherheiten für einen Kredit vorweisen kann, sollte sich schon vor dem Gang zur Bank eine Garantie beschaffen. „Gerade junge Unternehmer haben oft kein Vermögen und können keine Sicherheiten bieten“, sagt Stephan Jansen, Geschäftsführer des Verbands Deutscher Bürgschaftsbanken (VDB). Die Bürgschaftsbanken der Länder übernehmen bis zu 80 Prozent des Ausfallrisikos für Kredite. Die Garantie kostet Existenzgründer jährlich ein Prozent des Kreditbetrags.

Für Gründer ist das Programm Bürgschaft ohne Bank (BoB) besonders interessant. Bürgschaftsbanken prüfen ohne Einschaltung einer Bank den Businessplan. „Im besten Fall können Gründer bereits mit einer Sicherheit zur Bank gehen“, sagt Jansen. Ansonsten erfahren sie durch die Absage, wo sie nacharbeiten müssen. „Man bekommt also einen Vorabcheck, ohne dass die Hausbank davon wissen muss“, sagt Wandt.

Information über Förderprogramme

Er gibt zu bedenken: „Es gibt tausende verschiedene Fördermöglichkeiten, und nicht immer geht der Weg über eine Bank.“ Kreditinstitute helfen oft nur dann, wenn Gründer wirklich einen Kredit benötigen. Zur Vorbereitung gehöre eben auch, sich im Vorfeld über Förderprogramme zu informieren. Die rund 1000 Richtlinien und fast 3000 Programme mit immer neuen Antragsterminen, Ausschreibungsfristen und Veränderungen erschweren die Suche nach dem besten Angebot. Hilfe bietet die Förderdatenbank des Bundesministeriums für Wirtschaft und Technologie im Internet. „Damit bekommen Gründer einen Überblick über alle Fördertöpfe“, sagt Wandt.

Für Unternehmerin Halver hat sich die Vorbereitung ausgezahlt. Das Gros der benötigten 700.000 Euro hat sie aus Fördermitteln finanziert, die ihre Hausbank kombiniert hat. Halver bekam Kapital von der Beteiligungsgesellschaft Hamburg, eine Bürgschaft der Bürgschaftsgemeinschaft Hamburg und einen KfW-Unternehmerkredit. Außerdem bezuschusste die EU ihre Gründung. „Kredite wären zu teuer gewesen, und bei einer anderen Art von Beteiligung wie Private Equity hätten zu kurzfristige Ziele im Vordergrund gestanden“, sagt sie. Und ihr Konzept scheint aufzugehen: „Die ersten möglichen Kunden haben bereits Interesse gezeigt.“

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