Gründung Mittelstand so zufrieden wie nie

Ein hohes Ausbildungsniveau, eine gute Infrastruktur und Flexibilität: die mittelständischen deutschen Unternehmen sind mit der Bundespolitik so zufrieden wie nie. Doch so gut die Bedingungen für etablierte Firmen sind, so sehr hat Deutschland in Bezug auf Gründungen noch Nachholbedarf.

87 Prozent der Mittelständler bewerten die Bundespolitik positiv, zeigt eine Umfrage der Prüfungs- und Beratungsorganisation Ernest & Young unter 3000 mittelständischen Unternehmen. Nicht nur die Bundesregierung erhält von der Mehrheit der Befragten Lob für ihre Arbeit, auch die Zufriedenheit mit den Rahmenbedingungen in den einzelnen Bundesländern ist sehr hoch. Aus Sicht der Unternehmer ist derzeit Baden-Württemberg der beste Standort für mittelständische Unternehmen. Besonders gute Noten erhalten in diesem Jahr außerdem das Saarland und Bayern.

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Ein Drittel der Unternehmer ist uneingeschränkt zufrieden

Ganze 30 Prozent äußern sich sogar uneingeschränkt zufrieden. Zum Vergleich: Im Jahr 2005 fällten nur 10 Prozent der Befragten ein positives Urteil, und noch 2008 lag die Zustimmungsquote erst bei 34 Prozent. Seitdem sind die Noten immer besser geworden – so lobten 2011 bereits 77 Prozent die Standortpolitik der Bundesregierung.

„Deutschland hat sich nach der Wirtschaftskrise in beeindruckender Weise zurückgemeldet und ist heute eindeutig die dynamischste und wettbewerbsfähigste Volkswirtschaft Europas“, sagt Peter Englisch, Partner bei Ernst & Young. Dass Deutschland heute vergleichsweise gut dasteht, sei zwar zuallererst das Verdienst der hier ansässigen Unternehmen. Im Vergleich zu anderen europäischen Ländern punkte Deutschland mit dem hohen Ausbildungsniveau, der guten Infrastruktur, dem gesunden Branchenmix und der hohen Flexibilität. Die zunehmenden Spannungen innerhalb der Europäischen Union wertet Englisch als Kehrseite dieser Entwicklung.
Ein erhebliches Problem sowohl für heimische Mittelständler als auch für ausländische Investoren bleibt die deutsche Bürokratie. 88 Prozent der Unternehmer fordern einen Abbau bürokratischer Hürden. Kritik wird außerdem in Bezug auf die Unternehmenskosten geübt: so fordern 88 Prozent der Mittelständler eine Senkung der Lohnnebenkosten, 83 Prozent sprechen sich für Steuerentlastungen aus.

Positive Ergebnisse in den Ländern

Nicht nur die Bundesregierung erhält insgesamt bessere Noten als in den Vorjahren – auch auf der Ebene der einzelnen Bundesländer steigt die Zustimmung deutlich. Besonders gut schneidet in diesem Jahr Baden-Württemberg ab, das in drei von fünf Kategorien den ersten und in den übrigen beiden den zweiten Platz belegt. Neben Baden-Württemberg belegen auch Bayern und das Saarland besonders häufig vordere Ränge in der Umfrage.
Insgesamt bewerten 90 Prozent der Mittelständler die Rahmenbedingungen in ihrem Bundesland positiv – im Vorjahr lag die Zustimmungsquote mit 89 Prozent etwa auf dem gleichen Niveau. Der längerfristige Vergleich zeigt aber, wie stark in den letzten Jahren die Zufriedenheit der Unternehmen gestiegen ist. Im Jahr 2005 zeigten sich nur 55 Prozent der Unternehmer die Bedingungen in ihrem Bundesland zufrieden.
Ganz oben im Ranking stehen Bayern, Thüringen und Baden-Württemberg, am wenigsten zufrieden sind die Unternehmen in Mecklenburg-Vorpommern und Bremen.

Gute Bedingungen für Unternehmer, schlechte für Gründer

Auch wenn die Unternehmen mit den Rahmenbedingungen in Deutschland größtenteils zufrieden sind, zeichnet sich für Gründer eine andere Tendenz ab. Die Zufriedenheit mit dem Gründungsstandort Deutschland ist unter den jungen Unternehmern noch verbesserungswürdig. Kritisiert werden hohe Kosten bei Gründung und – wie von mittelständischen Unternehmen auch – bürokratische Hürden. Zudem fordern Gründer mehr steuerliche Entlastungen. Hinzu kommt, dass mit den Kürzungen beim Gründungszuschuss die staatlichen Förderungsmaßnahmen stark eingeschränkt wurden. Wenngleich der Mittelstand in Deutschland sehr zufrieden ist, müssen die Gründungsbedingungen verbessert werden.

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