Gründung Neue Firmenförderung

Mit oft attraktiven Konditionen wollen die Förder­institute Unternehmer locken. impulse gründerzeit sorgt für Durchblick im Finanzierungsdschungel.

Drei Monate lang musste Ines Karl warten, bis die beantragte Förderung über eine Million Euro endlich von der KfW bewilligt wurde. „In der Zwischenzeit mussten wir ein gutes Dutzend Formulare detailgenau ausfüllen und unzählige Unterlagen zusammenstellen – ohne einen versierten Berater hätte es wahrscheinlich noch länger bis zur Gutschrift gedauert“, so die Geschäftsleiterin der Perfecta Fenster Montage und Vertriebs GmbH aus Wes­tendorf.

Doch weitere Zeitverzögerungen hätten sich die Bayern nicht leisten können. Denn mit dem zinsgünstigen Kredit wollte sich das Familienunternehmen eine neuartige Produktions­maschine kaufen. Der Liefer- und damit auch der Zahlungstermin stand bereits fest – und eine kurzfristige Zwischen­finanzierung hätte sich die Bank mit hohen Zinsen vergüten lassen.

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Am Ende hat sich der bürokratische Aufwand jedoch gelohnt. Perfecta kann dank der neuen Maschine ihrem Kunden ein weltweit einzigartiges Angebot machen: Fenster- und Türrahmen mit einer Auflage aus farbigem oder beleuchtetem Glas anstatt aus Aluminium.

Fördermittel wie zum Beispiel zinsgünstige Nachrangdarlehen, Zuschüsse oder Eigenkapitalspritzen sind inzwischen für viele Unternehmer eine inte­ressante Alternative zur klassischen Bankfinanzierung. „Nahezu für jeden Investitionszweck gibt es das passende Programm“, sagt Michael D. G. Wandt, Leiter des Wabeco Subventionslotsen. Rund 3200 Kapitalquellen existieren nach seinen Schätzungen deutschlandweit. „An einem einzigen Standort können mindestens 300 Fördertöpfe angezapft werden“, so der Finanzierungs­experte aus Gießen.

Diese Vielfalt bringt jedoch auch Probleme für die Betriebe mit sich: Jedes Programm weist andere Fristen, Finanzierungsvoraussetzungen oder Kombinationsmöglichkeiten auf – in diesem Angebotsdschungel den Überblick zu behalten, fällt schwer. impulse stellt deshalb auf diesen Seiten die lukrativsten Offerten für Gründer und mittelständische Unternehmen vor.

Förderung auf Rekordniveau

Um Unternehmern die Auswahl künftig zu erleichtern, reagierten in den letzten Monaten auch die Finanziers. Sie sortieren ihre Förderprogramme neu. Allen voran die KfW. Das Institut nahm zum Jahreswechsel das „Kapital für Wachstum“ aus dem Portfolio und stärkte im Gegenzug zwei andere Förderungen. „Wir wollen die Komplexität unserer Programme reduzieren.

Banken und Firmen werden es leichter haben“, sagt der KfW-Vorstandsvorsitzende Ulrich Schröder. Immerhin: Im vergangenen Jahr sagt die KfW im Rahmen ihrer Mittelstandsprogramme Finanzierungen in Höhe von rund 12,7 Milliarden Euro zu. Zum Vergleich: Im bisherigen Rekordjahr 2007 waren es 14,1 Milliarden Euro.

Die Frankfurter Finanzierungsexperten wollen mit den eingeleiteten Maßnahmen aber nicht nur übersichtlicher, sondern auch aktueller werden: Seitdem die weltweite Finanzkrise die Bankenbranche beherrscht, dreht die KfW nahezu im 14-Tages-Rhythmus an der Konditionenschraube und passt die Verzinsung ihrer Darlehen und Beteiligungen den jeweiligen Marktentwicklungen an. „In der aktuellen schwierigen Situation wollen wir die Firmen mit noch niedrigeren Zinsen unterstützen“, so Schröder.

Damit reagiert seine Bank wesentlich schneller auf die Vorgaben der Europäischen Zentralbank als die meisten anderen Kreditinstitute. „Wegen der niedrigen Zinsen sind die Fördermittel so günstig wie nie zuvor“, bestätigt Andreas Idelmann, Finanzierungsexperte von der IMC Unternehmensberatung in Bochum und Betreiber des Webportals Foerdermittel-Experte.de.

Einige weitere attraktive Neuerungen, welche die deutschen Firmen der Finanzkrise zu verdanken haben, beinhaltet das KfW-Sonderprogramm 2009. Zum Beispiel: „Die Betriebe können verschiedene Fördermittel unmittelbar hintereinander beantragen – zuvor mussten sie eine Frist von mindestens einem halben Jahr einhalten, ehe sie in den Genuss einer weiteren Finanzspritze beim selben Institut kommen konnten“, sagt Fachmann Wandt.

Ärger mit den Anträgen

Neu ist auch die recht hohe Haftungsfreistellung der Hausbanken: Sie beträgt 90 Prozent statt der bisher üblichen 50 oder höchstens 80 Prozent. Zudem können die Unternehmen für ein und dasselbe Vorhaben Anträge bei mehreren Banken stellen. In der Vergangenheit mussten die Institute immer einen so­genannten Sicherheitspool bilden, sich untereinander abstimmen und einen sogenannten Leadinvestor aus dem eigenen Kreis wählen, der mit den Förderinitiatoren Kontakt hielt. „Sehr umständlich, sehr zeitaufwendig und oft zum Scheitern verurteilt“, so Wandts Urteil zum alten Verfahren.

Ein anderes Manko der deutschen Förderpraxis konnte aber auch das KfW-Sonderprogramm 2009 nicht aus dem Weg räumen: das Hausbankprinzip. „Anträge auf Fördermittel müssen in den meisten Fällen über die Geschäftsbank der Firma an den Kapitalgeber weitergeleitet werden“, berichtet IMC-Experte Idelmann. Diese Verfahren haben in der Vergangenheit immer wieder für Ärger gesorgt. Formulare wurden fehlerhaft ausgefüllt, blieben wochenlang auf dem Schreibtisch des Sachbearbeiters liegen, landeten im Papierkorb. Oder der zuständige Ansprechpartner beim Kreditinstitut hatte keinen vollständigen Überblick über die günstigsten Finanzierungsvarianten und die einzelnen Bedingungen.

Dem letztgenannten Problem wäre auch beinahe der bayerische Fenster- und Türenbauer Perfecta zum Opfer gefallen: Zwar hatte sich Unternehmerin Karl gründlich vorbereitet und ein Geschäftskonzept inklusive Investitions- und Finanzplanung erstellt. Doch plötzlich meldete ihre Hausbank, dass die KfW das ausgewählte Förderprogramm eingestellt habe. „Ich habe kurzerhand selbst zum Telefonhörer gegriffen und in Frankfurt angerufen“, so Karl.

Das Ergebnis ihrer Eigeninitiative: Das ERP-Investitionsprogramm war weiterhin im Angebot – Perfecta musste lediglich einige Dokumente nachreichen. „Sobald es ins Detail geht, kennt sich der Banker nicht mehr aus“, urteilt Karl. Berater Idelmann ergänzt: „Die Vermittlung von Fördergeldern gehört eben nicht zum Kerngeschäft der Kreditgeber und ist für sie sehr unlukrativ.“

Geld nach zwei Wochen Wartezeit

Ob die eigene Hausbank sich in Sachen öffentliche Gelder gut auskennt, können Chefs schnell feststellen: „Die Bearbeitungszeit der Anträge dauert bei der KfW nur wenige Tage“, sagt Vorstand Schröder. Wochen oder Monate, die darüber hinaus verstreichen, gehen zumeist auf das Konto der Kreditgesellschaften. Kritisch sollte man auch werden, wenn die Bank dazu rät, schon mit der Investition zu beginnen. „In diesen Fällen wird der Antrag sehr oft abgelehnt“, sagt Wandt von Wabeco.

Denn bei den nicht auf Kredit basierenden Förderungen gilt: Der Antrag muss genehmigt werden, bevor der Startschuss fällt. „Anderenfalls geht der Kapitalgeber davon aus, dass der Betrieb auch ohne die finanzielle Unterstützung auskommen kann.“

Eine unübersichtliche Fülle an Angeboten, unzureichend informierte oder unwillige Berater bei den Hausbanken – bei solch hohen Hürden kann froh sein, wer an eine kompetente Beratungsstelle gelangt. Wie zum Beispiel Felix Heck. Im Herbst 2007 startete der Münchner in die Selbständigkeit. Rund 30.000 Euro Startkapital benötigte der Industrie­designer, um sein eigenes Studio aufzubauen.

Das Münchner Existenzgründerbüro, eine Initiative der örtlichen IHK, die Gründer in der Regel kostenlos unterstützt, riet ihm zu einem Förderkredit aus dem regionalen München-Fonds. „Damit habe ich meine Gründungs­kosten beglichen – zum Beispiel für die Hard- und Software, die Büromöbel, den Steuerberater und den Anwalt“, so der 36-Jährige, der für den koreanischen Unterhaltungskonzern Samsung Consumer-Produkte entwirft. Bankenübliche Sicherheiten musste Heck für die Kapitalspritze nicht stellen.

Gerade einmal sechs Wochen dauerte es, bis er das Geld in Händen hielt – von dem Bestellen der notwendigen Antrags­formulare über die Formulierung seines Geschäftsplans bis hin zum persön­lichen Gespräch mit zwei för­derkundigen Mitarbeitern aus dem Existenzgründungs-Center der Stadtsparkasse München. „Durch die gewissenhafte Vorbereitung auf das Antrags­prozedere habe ich mich noch einmal detailliert mit meinem Konzept und meinen Planungen auseinandergesetzt“, beschreibt Heck den Nebeneffekt der Finanzierungsrunde.

Bis jetzt liegt der Münchner voll im Soll: Ende 2009 will der Jungunternehmer den Kredit komplett zurückgezahlt haben. „Bis dahin möchte ich Designer einstellen, um mich neben der Gestaltung von Consumer Electronics auch anderen Branchen widmen zu können“, so Heck zur weiteren Entwicklung seines Designstudios. Ob und gegebenenfalls welche Förderprogramme er künftig anzapfen wird, weiß Heck noch nicht: „Die Angebots­palette ändert sich so schnell – die Auswahl der günstigsten Quelle überlasse ich wieder den Profis.“

Zuschuss für Experten

Als gestandener Unternehmer wird Heck dann allerdings für die Inanspruchnahme eines versierten Fördermittelberaters zahlen müssen. So wie Ines Karl von Perfecta. Rund 5000 Euro zahlte die Geschäftsleiterin des Westendorfer Handwerkbetriebs für die externe Unterstützung. „Alles halb so wild“, winkt die Chefin der 48 Mitarbeiter starken Firma schnell ab. „Schließlich gibt es ja auch für diese Ausgaben staatliche Unterstützung.“ Und zwar in Form eines Beratungszuschusses von der KfW. „Das Institut hat immerhin die Hälfte des Honorars übernommen“, freut sich Karl.

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