Gründung „Nur wenige hundert Euro fehlen“

Markus Zabel (Foto) ist Mitgründer der Crowd-Funding-Plattform mySherpas.com. Auf dieser Website können Gründer nach Finanziers für ihre Geschäftsidee suchen - ohne Zinsen zu zahlen oder Anteile abgeben zu müssen.

Herr Zabel, wie sind Sie auf die Idee zu mySherpas gekommen?

Ich habe vor einigen Jahren bereits ein Web-Unternehmen gegründet. Das Problem das dabei viele haben: Man wird von den Banken oftmals nicht unterstützt und auch die Ersparnisse im Familienkreis reichen meist nicht aus, um den Kapitalbedarf zu decken. Dann habe ich von Kickstarter.com gehört und fand das Modell sehr interessant und eventuell auch attraktiv für meine Ideen. Das US-Unternehmen ist die weltweit größte Finanzierungsbörse für kreative Ideen. So gaben zum Beispiel rund 13.500 Sponsoren Geld für das Ipod-Nano-Armband Tik-Tok, obwohl der Erfinder nur Skizzen vorweisen konnte. Innerhalb von wenigen Wochen kamen mehr als 900.000 US-Dollar zusammen. Ein wahnsinniger Erfolg! Der Nachteil war, dass man für Kickstarter ein amerikanisches Bankkonto benötigt. Auf der Suche nach einem Pendant in Europa habe ich dann festgestellt: So etwas gibt es hier noch nicht.

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Aber es existieren doch Online-Kreditbörsen wie Smava oder Auxmoney.

Das ist richtig, aber bei mySherpas erhalten Sie keinen Kredit. Sie werden von Geldgebern unterstützt, die weder Zinsen noch Anteile an der Firma erwarten. Dabei handelt es sich um kleinere und größere Beträge, denn bereits ab 10€ kann man ein Projekt unterstützen. In der Regel handelt es sich bei den Sponsoren um Bekannte oder einfach nur um Leute, die von der neuen Projektidee begeistert sind und ihren Teil dazu beitragen möchten, um diese zu realisieren.

Absolut ohne Gegenleistung?

Nein, die Kapitalsuchenden bieten Prämien an. Zum Beispiel eine kleine Rolle in einem Film, der finanziert werden soll. Oder eine exklusive App für das Smartphone. Oder das Produkt, das später produziert werden soll.

Und wie verdient mySherpas daran?

Zunächst einmal: Das Einstellen des Projekts, inklusive Text und Präsentationsvideo, ist kostenlos. Und auch die Finanziers zahlen nichts für ihre Mitwirkung. mySherpas bekommt zehn Prozent der erreichten Summe – allerdings nur, wenn die Idee tatsächlich vollständig innerhalb der vorgegebenen Zeit finanziert wurde.

Seit Ende Oktober 2010 sind Sie online – wie lässt sich das Portal an?

Sehr gut. Bisher konnten wir bereits acht Projekte erfolgreich finanzieren. Für ein gutes Dutzend werden derzeit Geldgeber gesucht und die Zahl steigt stetig an. Dabei handelt es sich um sehr unterschiedliche Vorhaben: Soziale Ideen, die umgesetzt werden sollen, Film- oder Musikprojekte, aber auch die Entwicklung von Software.

mySherpas ist Ihre zweite Firmengründung – haben Sie einen Tipp für unsere Leser?

Ja, stellen Sie das Team so breit wie möglich auf! Wir sind insgesamt sechs Gründer, darunter zum Beispiel auch ein Rechtsanwalt, ein PR-Experte und eine Texterin. Diese Kompetenzen stehen unserem Unternehmen nun kostenlos, jederzeit und vor allem schnell zur Verfügung. Das spart in der heißen Startphase viel Geld, Zeit und Nerven.

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