Gründung Pizzakrieg im Internet

Zwei Online-Bestellplattformen aus Berlin führen einen virtuellen Krieg, der nun auch real geworden ist. Lieferando wirft Lieferheld Sabotage vor. Nun ermittelt die Staatsanwaltschaft. Der Fall wirft die Frage auf: Wie können sich Internetgründer vor Hackerangriffen schützen?

Auf dem virtuellen Pizzamarkt in Deutschland geht es fast so heiß her wie in den Pizzarestaurants italienischer Touristenhochburgen: Der Markt boomt, die Konkurrenz ist hart und es wird mit allen Mitteln um Kundschaft gekämpft.
Nun sollen die Grenzen des Legalen überschritten worden sein. Die Protagonisten: die beiden konkurrierenden Internet-Bestellplattformen Lieferheld und Lieferando. Lieferando beschuldigte Lieferheld der Computersabotage. Wiederholt seien im vergangenen Jahr die Server von Lieferando zusammengebrochen, sodass der Service seine Kunden nicht erreichen konnte. Den Bestellvermittler erreichten so viele gefälschte Anfragen, dass der Server zusammenbrach – und für Lieferando Umsatz im siebenstelligen Bereich ausblieb. Lieferando vermutet den Konkurrenten Lieferheld hinter den Webattacken. So habe Lieferando die Adresse der Angreifer analysiert und sei zu einem Server gelangt, der von Lieferheld gemietet wird. Das Startup bekam daraufhin Besuch von der Polizei – und streitet alle Vorwürfe ab. „Lieferheld hat keine Hackerangriffe auf Lieferando oder andere Websiten durchgeführt“, sagt Lieferheld-Chef Fabian Siegel.

Zum Einsatz gekommen seien lediglich Webcrawler – Programme, die automatisch Internetseiten durchsuchen und analysieren. Und wenn die eingesetzten Webcrawler bei Lieferando zu einem Systemausfall führen „haben die ihre Technik nicht im Griff“, so Siegel weiter. Das in der Tat übliche Mittel ist nicht illegal. Beispielsweise nutzt auch der Internetgigant Google zahlreiche Crawler um sein Suchangebot stets aktuell zu halten. Aber ob nun etwas an den Hackervorwürfen dran ist oder nicht – wie können sich Startups vor solchen Angriffen schützen?

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„Es ist schwierig, sich vor gezielt kriminellen Angriffen zu schützen. Allerdings spielt IT-Sicherheit nach wie vor gerade in kleinen Unternehmen eine untergeordnete Rolle“ sagt Frank Timmermann vom Institut für Internetsicherheit der FH Gelsenkirchen gegenüber impulse.de. „Es gibt mehrere Ebenen auf denen sich Unternehmen mit dem Thema auseinander setzen müssen.“ Neben Sicherheitssoftware auf allen Computern sei es wichtig, ein gemeinsames Bewusstsein für IT-Sicherheit innerhalb des Unternehmens zu etablieren. Timmermann und sein Team bieten deshalb Live-Hackings an – „um spielerisch zu vermitteln, welche Sicherheitsrisiken im Umgang mit dem Internet zu beachten sind.“

Viel Luft um nichts?

Im Fall von Lieferheld und Lieferando ermittelt nun die Berliner Staatsanwaltschaft.
Der Cyberkrieg der beiden Startups beschäftigt die Internetwelt derzeit massiv. In Foren wird spekuliert, dass hinter der öffentlichkeitswirksamen Beschuldigung von Lieferado nur PR steckt – so gäbe es seit längerer Zeit Gerüchte, dass die Gründer ihr Startup aufgrund der großen Konkurrenz in der Branche ohnehin verkaufen wollen. Ist der Medienwirbel also nur eine Aktion, um den Preis in die Höhe zu treiben? Das Fazit von Jörg Gerbig, Mitbegründer von Lieferando: „Es herrscht kein Krieg im Liefersegment. Es ist eher ein ambitionierter Wettkampf.”

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