Gründung Scheitern ist positiv: Gründer müssen mehr Risiko wagen!

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Wandern mit Konstantin Guericke.

Wandern mit Konstantin Guericke.© Gunnar Berning

Eine Woche lang waren 100 deutsche Startup-Unternehmer mit Wirtschaftsminister Philipp Rösler im Silicon Valley. Was wird bleiben von der Reise? Gründer Gunnar Berning zieht im Silicon Vally Blog sein persönliches Fazit. Welche Eindrücke die US-Firmen und auch die Journalisten hinterlassen haben, lesen Sie hier.

 

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Es hat viel gebracht. Die Idee der Reise ist sehr gut gewesen, die Unterstützung des Wirtschaftsministers für die Startups sehr hilfreich und von den Erfahrungen werden die mitgereisten Unternehmer noch lange profitieren. Großen Sinn gemacht hat auch, den Entscheidern im Silicon Valley die Aufbruchstimmung in Deutschland zu vermitteln. Die Startup-Unternehmer haben ihr persönliches Netzwerk massiv erweitert. Die Erfahrung, dass im Silicon Valley auch nur mit Wasser gekocht wird, war für einige Besucher offensichtlich und dennoch neu.

Es bleibt vor allem die Tatsache, dass die Denkweise der US-Firmen und US-Investoren anders ist – positiver ist. „Go for game changers“, das Zielen auf die Welt verändernde Ideen und Innovationen, ist eine der grossen Erfahrungen, die deutsche Unternehmer nach Hause mitnehmen. Erfahrungen aus erster Hand zu erlangen, wie eine Finanzierungsrunde von US-Investoren zu gewinnen ist, oder wie im Valley global agierende Firmen in Rekordzeit aufgebaut werden, war für viele Startups ein sehr wichtiges Learning. Es wird ein bisschen brauchen, bis die Vielzahl der Eindrücke verarbeitet und in der einen oder anderen Strategie-Änderung gemündet sind.

Darüber hinaus bleiben eine Vielzahl persönlicher Eindrücke. Etwa der, dass LinkedIn-Mitgründer Konstantin Guericke seine Meetings und Gespräche an 3-4 Tagen sehr gesundheitsbewusst während Wanderungen in den Hügeln des Valley abhält.

Ich habe viel über die Doppelmoral von Teilen der mitgereisten Journalisten gelernt. Es war schon interessant zu beobachten, wenn Journalisten in chicen, braunen Strassenschuhen und Teilweise mit Sakko statt Sportbekleidung mit dem Minister joggen gehen. Sich dann für ein Erinnerungsfoto mit ihm ablichten zu lassen und gleichzeitig auf den öffentlichen dpa-Fotos nicht erscheinen zu wollen.

Eine Nähe zwischen Journalisten und Politik, die nur wenige Stunden später im Fall der überaus freundlichen Umarmung von Philipp Rösler und Bild-Chefredakteur Kai Diekmann natürlich aufs Heftigste kritisiert wurde. Das war meiner Meinung nach nicht authentischer als der Wirtschaftsminister, dem sie genau dies vorgeworfen haben. Die Journalisten haben sich genauso vor den Karren des Wirtschaftsministers spannen lassen wie die mitlaufenden Startup-Unternehmer auch.

Rösler mit Gründern und Journalisten Rösler mit Gründern und Journalisten, ©Gunnar Berning

Ich habe auch gelernt, dass 13 Minuten Jogging kein Sport ist. Wenn man öffentlichkeitswirksame Bilder mit der Golden Gate-Bridge im Hintergrund haben möchte, sollte man das nicht als „Sport machen“ verkaufen, sondern einfach einen entsprechenden Foto-Termin einplanen. Das würde viel authentischer wirken. Und nur wer authentisch ist, wird auch bei Wahlen erfolgreich sein.

Bleibt der Gedanke, was als nächstes kommt. Politik und Startups müssen versuchen, Deutschland, den hiesigen Investoren und seinen erstklassigen Unternehmern in Startups und Mittelstand die Denkweise des Silicon Valley näher zu bringen. Wir müssen Schritt für Schritt helfen, die alleinige Kultur der Risiko-Vermeidung in eine Kultur des bewussten Risiko-Eingehens zu verändern. Scheitern ist positiv! Die Politik kann helfen, Rahmenbedingungen zu schaffen, damit wirkliche Innovationen in Deutschland möglich sind. Damit wir es schaffen, die nächste SAP zu bauen.

Deutschland hat die Talente, „The Next Big Thing“ zu kreieren. Der Grundstein ist gelegt. Let’s do it.

 

Lesen Sie mehr: Der Silicon Valley Blog
Gunnar Berning

Über den Autor: Gunnar Berning (39) ist Entrepreneur und Gründer des Berliner IT-Startups twago. Er bloggt eine Woche von der Delegationsreise von Wirtschaftsminister Philipp Rösler (FDP) ins Silicon Valley. Bevor twago 2010 startete, arbeitete Berning als Top-Management-Berater für Siemens. Sein Studium finanzierte er sich als Sportfotograf für Bongarts (heute Getty Images) und coverte Olympische Spiele und Fussball-Grossturniere, unter anderem für den Spiegel und den Stern. Gunnar auf Twitter folgen.

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