Gründung Schneller ans Geld

Die Wirtschaftskrise bedeutet für immer mehr Firmen leere Kassen. Grund: Viele Kunden begleichen die offenen Rechnungen zu spät.

Knapp neun Tage verzögern Schuldner im Durchschnitt ihre Zahlungen – über die ohnehin eingeräumten Fristen hinaus. Dies fand das Inkassounternehmen D&B Deutschland GmbH bei einer Auswertung von mehr als 540 Millionen Rechnungen heraus. Ein weiteres Ergebnis der Studie: Auch wer innerhalb der vereinbarten Zahlungsziele bleibt, verzögert die Abbuchungen bis zum letzten Tag.

Vor allem in den angeschlagenen Branchen wie etwa der Automobilindustrie und deren Zulieferern nutzen die Betriebe zunehmend die eingeräumten Lieferantenkredite vollständig aus, um die eigene Liquidität zu schonen.

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Wer die eigenen Forderungen schneller und sicher eintreiben will, sollte deshalb von Anfang an auf ein professionelles Forderungsmanagement setzen. Gründer müssen jedoch nicht gleich einen Experten mit der Überwachung oder Eintreibung der Außenstände beauftragen. Mit folgenden Tipps sichern Sie langfristig Ihre eigene Zahlungsfähigkeit ab.

Vor dem Vertragsabschluss:

  • Bonität prüfen: Nur guten Kunden, mit denen das Unternehmen bereits Erfahrungen gemacht hat, wird überhaupt ein Lieferantenkredit eingeräumt. Gründer sollten genau überlegen, welchem Geschäftspartner sie welches Zahlungsziel einräumen. Die Vereinbarungen müssen regelmäßig überprüft und an aktuelle Entwicklung angepasst werden. Mehr über die Bonität von neuen und alten Kunden erfahren Firmenchef bei Auskunfteien wie Creditreform, Bürgel oder D&B.
  • Datenpools nutzen: Eine weitere Möglichkeit, sich über das Zahlungsverhalten neuer Kunden und dem Durchschnitt der Branche zu informieren. Das System funktioniert nach dem Prinzip „Geben und Nehmen“: Alle angeschlossenen Firmen aktualisieren regelmäßig die Angaben zu ihrem Kundenstamm – und erhalten im Gegenzug Einblick in die Erfahrungen der anderen Betriebe. Datenpools werden ebenfalls von den großen Wirtschaftsauskunfteien angeboten.
  • Barzahlung belohnen: Kunden, die noch im Laden offene Rechnungen begleichen, belohnen Sie mit Skonti. Nach dem Mott: Je schneller das Geld auf dem Firmenkonto eingeht, desto höher ist der mögliche Rabatt.
  • Waren sichern: Firmenchefs sollten zu Beginn der Geschäftsbeziehung oder bei schlechter Auskunft grundsätzlich nur gegen Vorkasse liefern. Bei Großaufträgen können sie auch Garantien oder Bürgschaften vereinbaren. In jedem Fall schriftlich den Eigentumsvorbehalt bis zu vollständigen Bezahlung der Ware sichern.

Nach der Rechnungsstellung:

  • Mahnwesen optimieren: Die Rechnung sollte unmittelbar nach Lieferung oder erbrachter Leistung in die Post gehen. Im Schreiben detailgenau die Bezeichnung des Auftrags, das Lieferdatum, die Rechnungsnummer, das Zahlungsziel mit konkretem Datum und die Bankverbindung angeben. Zahlt der Kunde nach Ablauf der Frist nicht, erhält er eine Zahlungserinnerung, die deutlich mit „1. Mahnung“ gekennzeichnet ist. Das neue Zahlungsziel: fünf bis maximal zehn Tage. In der letzten Mahnung, die deutlich als solche gekennzeichnet ist, sollten Sie zudem gerichtliche Schritte ankündigen.
  • Gericht einschalten: Zahlt der Schuldner auch nach der letzten Mahnung nicht, beantragt der Gläubiger beim zuständigen Amtsgericht einen Mahnbescheid. Entsprechende Vordrucke verkauft der Schreibwarenhandel. Bleiben jedoch dieser und der folgende Vollstreckungsbescheid ohne Erfolg, stellt das Gericht einen so genannten Titel aus. Er berechtigt zur Pfändung der ausstehenden Gelder.

Unternehmer, die einen Teil des Forderungsmanagements externen Profis überlassen wollen, sollten ein Inkassobüro beauftragen. Adressen von entsprechenden Gesellschaften gibt es beim Bundesverband Deutscher Inkasso-Unternehmen e.V..

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