Gründung Sechs wichtige Tipps zum Start in die Selbständigkeit

Ob Grafiker, Architekten, Dolmetscher, Physiotherapeuten: Rund eine Million Gründer arbeiten derzeit als Freiberufler. Was sie auf dem Weg zum Chefsein beachten sollten.

impulse-gruenderzeit.de nennt die wichtigsten Aspekte rund um den Start in die Freiberuflichkeit.

1. Selbständig oder Scheinselbständig?

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Häufig ist der Gründer als freier Mitarbeiter für größere Firmen tätig. Er erhält zum Beispiel im Rahmen von Werk- oder Dienstverträgen ein bestimmtes Kontingent an Aufträgen. Doch Achtung: Wenn diese Vereinbarungen seine Entscheidungsbefugnisse stark einschränken, gilt er schnell als scheinselbständig. Mit drastischen Folgen: Seine Beiträge zur gesetzlichen Renten-, Kranken-, Pflege- und Arbeitslosenversicherung müssen nun gemeinsam von ihm und seinem Auftraggeber gezahlt werden, eventuelle sind sogar Nachzahlungen erforderlich.

Selbständig ist demnach nur, wer

  • ein eigenes Unternehmerrisiko auf sich nimmt,
  • über die eigene Arbeitskraft frei verfügt und
  • seine Arbeitszeit und -tätigkeit im Wesentlichen selbst gestaltet.

Dazu gehört zum Beispiel, dass er seine Honorare selbst festsetzt, allein über die Einstellung zusätzlicher Mitarbeiter entscheidet oder für die eigene Firma auf Visitenkarten und Briefköpfen wirbt. Wer seine Situation eindeutig klären will, wendet sich am besten an den Deutschen Rentenversicherung Bund.

2. Die Kammer

Für einige Berufe ist die Mitgliedschaft in der zuständigen Kammer Pflicht. Dazu gehören zum Beispiel Ärzte, Rechtsanwälte, beratende Ingenieure oder Wirtschaftsprüfer. Die Kammern vertreten die Interessen der Mitglieder und stellen sicher, dass diese ihren Beruf ordnungsgemäß ausüben. Zudem bieten viele Seminare zur fachlichen und betriebswirtschaftlichen Weiterbildung an und organisieren Branchentreffen.

Vorsicht: Für freie Berufe, die eine Kammermitgliedschaft voraussetzen, gelten Beschränkungen bei der Werbung. So dürfen Zeitungsanzeigen nur geschaltet werden, wenn sie in „unmittelbarem Zusammenhang mit der Tätigkeit stehen“ – also zum Beispiel bei Gründung oder Urlaub.

Welche Werbeform erlaubt ist, hat das Institut für Freie Berufe zusammengestellt.

3. Die Förderung

Auch für Freiberufler gibt es zahlreiche Förderprogramme, zu sehen beispielsweise unter www.foerderdatenbank.de. Sie können zum Beispiel Start-Geld beantragen, erhalten Zuschüsse zu Kosten für Beratungen, Informations- und Schulungsveranstaltungen oder zinsgünstige Darlehen von der KfW.

4. Die Vorsorge

Ein großer Teil der Freiberufler ist Pflichtmitglied in der gesetzlichen Rentenversicherung. Ärzte, Heilpraktiker oder Rechtsanwälte können sich hiervon befreien lassen – müssen dann aber selbständig für ihren Ruhestand vorsorgen.

Künstler und Publizisten wiederum sind angehalten, sich über die Künstlersozialkasse eine Renten-, Kranken- und Pflegeversicherung zuzulegen. Das Besondere daran: Der Versicherte zahlt wie ein herkömmlicher Arbeitnehmer nur 50 Prozent des Beitrags an die Einrichtung. Die andere Hälfte übernehmen der Bund sowie die Auftraggeber wie zum Beispiel Galerien, Verlage oder Konzertveranstalter. Über die Künstlersozialversicherung können die Freiberufler auch einen Zuschuss zur privaten Rentenversicherung, die so genannte Rister-Rente, beantragen.

5. Die Rechtsform

Arbeiten mehrere Freiberufler zusammen, können sie ganz unbürokratisch eine Büro- beziehungsweise Praxisgemeinschaft bilden. Sie bietet die größtmögliche Freiheit für den Einzelnen. Mindestkapital ist nicht erforderlich, jeder Beteiligte übernimmt nur für seine Angelegenheiten die Haftung. Das wichtigste Ziel hierbei ist es, Kosten für Miete, Telefon und ähnliches einzusparen.

Auch die Gesellschaft bürgerlichen Rechts (GbR) wird nicht in das Handelsregister eingetragen. Da jeder Mitgesellschafter einschließlich seines Privatvermögens haftet, genießt diese Rechtsform ein besseres Ansehen bei Banken und Geschäftspartnern als die Bürogemeinschaft.
Eine Eintragung beim Amtsgericht ist dagegen für die Partnerschaftsgesellschaft (PartG) notwendig. Hier treten die Teilhaber mit ihrem Gesellschafts- und Privatvermögen im Ernstfall ein. Für Fehler in der Berufsausübung haftet allerdings jeder selbst.

6. Die Steuern

Freiberufler müssen ihre Tätigkeit beim Finanzamt melden. Dort erhalten sie eine Steuernummer. Sie unterliegen zwar dem normalen Einkommensteuertarif, zahlen aber keine Gewerbesteuer und müssen auch keine Umsatzsteuer abführen, wenn sie im Gründungsjahr weniger als 17.500 Euro Gesamtumsatz zählen und im folgenden Geschäftsjahr die 50.000-Euro-Grenze voraussichtlich nicht überschreiten.

Auch in Sachen Buchführung genießen sie Erleichterungen: Sie sind zum Beispiel nicht zur doppelten Buchhaltung verpflichtet, auch eine Inventur zum Ende des Geschäftsjahres entfällt. Vielmehr ermitteln sie den Gewinn nach der Einnahmen-Überschuss-Rechnung. Für Gründer, die weniger als 17.500 Euro jährlich an Betriebseinnahmen erzielen, genügt die einfache Auflistung der Einnahmen und Ausgaben. Anderenfalls ist ein entsprechendes Formular (EÜR) auszufüllen.

Buchtipp

Kompetente Hilfe verspricht der Ratgeber „Freiberufler-Atlas“ von Martin Massow. Für zwölf Euro erhält der Leser auf mehr als 450 Seiten zahlreiche praxisnahe Hinweise zur Planung, zur Kundenfindung, zum Vertragswesen, zur Kalkulation, zu Versicherungen, zur Altervorsorge und zur Finanzierung (ISBN 978-3-548-36915-0, Ullsteinverlag).

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