Gründung Unternehmenskultur – Amerika will die Welt verbessern, Deutschland will kein Risiko eingehen

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Gunnar Berning auf dem Google-Gelände im Silicon Valley

Gunnar Berning auf dem Google-Gelände im Silicon Valley© Gunnar Berning

Von 100 Ideen, die bei Google entwickelt werden, schaffen es nur zwei bis drei in den Projektstatus. 98 Prozent landen buchstäblich „in der Tonne“. Warum deutsche Startups sich an dieser Herangehensweise ein Beispiel nehmen sollten, erklärt Gunnar Berning im Silicon Valley Blog.

 

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Stau. Der Hallo-Wach-Ruf, dass auch im Silicon Valley nicht „Gold ist, was glänzt“, kommt auf dem Weg zu Google. Tausende Autos quälen sich über den Highway von San Francisco ins Valley mit seinen hunderten bekannten und tausenden unbekannten Startups.

Die Fahrt dauert heute morgen „nur“ eineinhalb Stunden. Mittlerweile gibt es zwei Zentren hier in der Bay-Area. Einmal das klassische Valley mit Orten wie Palo Alto, Mountain View und San Jose und daneben wird San Francisco Downtown immer beliebter für neue Startups, so auch für AirBnB, Salesforce oder GitHub. Die Zeit zum Pendeln und damit Attraktivität für die viel umworbenen Top-Mitarbeiter ist sicher einer der Gründe.

Philipp Rösler freute sich schon gestern auf Google Glasses, die neuartige, von Google entwickelte Brille, die oben rechts oberhalb des Sichtfelds dem Nutzer wertvolle Informationen wie den richtigen Weg zum Zielpunkt oder auch Informationen zu Sehenswürdigkeiten im Blickfeld einblendet. „Wenn wir die mal testen könnten, das wäre cool“, freute sich Philipp spitzbübisch. Und Google hat ihm – natürlich – den Gefallen getan.

Philipp Rösler mit Google Glasses, © Gunnar Berning

Larry Page oder Sergej Brin haben die deutschen Gründer um Philipp Rösler nicht empfangen, dafür gab Google einen Einblick in die Art und Weise, wie wichtig Entrepreneurship für Google ist. Die bedeutendsten, möglicherweise die Welt verändernden Projekte nennt Google „Moonshot Projects“ (Mond-Missionen). Das Google X-Team arbeitet augenblicklich an zwei grossen Themen: Google Car, einem selbstfahrenden Auto, und Google Glasses, die schon beschriebene Brille, die dem Nutzer im Alltag helfen soll.

Wichtigster Tipp für die deutschen Gründer: 2/3 der Diskussionen zwischen Teammitgliedern enden mit der Aussage „Ja, und…“, nur 1/3 der Diskussionen enden mit dem eher für Deutschland typischen „Ja, aber…“. Optimistische Denkweisen wie diese sind nach Aussage von Google X-Leiterin Obi Felten entscheidend für radikale neue Ideen.

Leitmotto des Google Zukunftslabors ist, ein Produkt oder eine Idee um das zehnfache zu verbessern, nicht um 10 Prozent. Dies erfordert vollkommen andere Herangehens- und Denkweisen. Von 100 Ideen, die von Obi Felten und ihren Entwicklern ausgetüftelt werden, gelangen nur 50 in das Prototypen-Stadium. Das Prädikat des Projektstatus erhalten nur 2-3 der 100 Ideen, diese haben aber aus Sicht von Google das Potential, „The Next Big Thing“ (das nächste, weltverbessernde Produkt oder Service) zu werden.

Hier liegt einer der Hauptunterschiede zwischen der deutschen Kultur und der Kultur im Silicon Valley. Während man bei uns versucht, Risiken und Verluste zu vermeiden, nehmen Firmen wie Google in Kauf, dass 98 Prozent der Ideen buchstäblich „in der Tonne“ landen, solange die verbleibenden zwei Prozent der Ideen die Welt verändern.

Google-Glasses-Prototypen im Zeitverlauf, © Gunnar Berning

Google’s Herangehensweise wird von den grossen Risikoinvestoren im Valley mit Investments unterstützt, deutsche Investoren mit ihrer teilweise eher Risiko minimierenden Strategie haben hier Nachholbedarf im Vergleich zu den USA. Dieser Wandel ist notwendig, um das Berliner Startup-Ecosystem nachhaltig erfolgreich und mit dem Valley vergleichbar zu machen. Risiko minimierend das nächste grosse Ding (The Next Big Thing) zu entwickeln wird nicht funktionieren.

Ich nächsten Blogpost werde ich schreiben, was man mit 100 Millionen US-Dollar Investment so alles machen kann und wie hier auch umprofitable Firmen erfolgreich an die Börse gebracht werden.

Lesen Sie mehr: Der Silicon Valley Blog

 

Gunnar Berning

Über den Autor: Gunnar Berning (39) ist Entrepreneur und Gründer des Berliner IT-Startups twago. Er bloggt eine Woche von der Delegationsreise von Wirtschaftsminister Philipp Rösler (FDP) ins Silicon Valley. Bevor twago 2010 startete, arbeitete Berning als Top-Management-Berater für Siemens. Sein Studium finanzierte er sich als Sportfotograf für Bongarts (heute Getty Images) und coverte Olympische Spiele und Fussball-Grossturniere, unter anderem für den Spiegel und den Stern. Gunnar auf Twitter folgen.

1 Kommentar
  • […] „Von 100 Ideen, die bei Google entwickelt werden, schaffen es nur zwei bis drei in den Projektstatus. 98 Prozent landen buchstäblich “in der Tonne”. Warum deutsche Startups sich an dieser Herangehensweise ein Beispiel nehmen sollten, erklärt Gunnar Berning im Silicon Valley Blog.“ Impulse […]

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