Gründung Startup-Know-how Teil 6: Wie finden Gründer passende Teampartner?

Die Zusammensetzung des Gründerteams gilt als Erfolgsfaktor für Startups. impulse.de hat bei Tobias Seikel nachgefragt, worauf es beim Teambuilding ankommt. Er ist Partner beim Hamburger Inkubator Hanse Ventures und Ansprechpartner für dessen Traineeprogramm. Sein Motto: Das Team muss als Ganzes funktionieren.

Das Videointerview zum Nachlesen:

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impulse: Worauf sollte ein Gründer beim Thema Teambuilding achten?

Tobias Seikel: Die Charakterzüge sind nicht unwichtig. Man sollte Leute haben, die verlässlich sind und Standhaftigkeit verkörpern. Es gibt in der Startup-Welt viele Ups and Downs und leider zeigt sich häufig vor allem während der Downs, wie verlässlich, loyal und standhaft jemand ist und welches Durchhaltevermögen er an den Tag legt. Das sind Charakterzüge, die man vorher einmal testen sollte.

Dann ist es sicherlich ratsam, auf komplementäre Fähigkeiten zu setzen. Ein technisches Thema sollte beispielsweise nicht nur von Betriebswirtschaftlern angegangen werden. Es ist hilfreich, auch jemanden mit Technik-Know-how an Board zu haben. Auch die Fähigkeiten oder die persönlichen Ausprägungen sollten komplementär sein. Es ist gut, jemanden im Team vertreten zu haben, der sich gerne nach außen richtet, der mit Präsentations- und Verkaufssituationen keine Probleme hat. Auf der anderen Seite ist es sicherlich auch wichtig, jemanden im Team zu haben, der gut nach innen wirken kann.

impulse: Wie finden Gründer passende Teampartner und Mitarbeiter?

Seikel: Am Anfang hat ein Gründer meistens Bedarf an Allroundern und Leuten, die sich nicht zu schade sind, überall anzupacken. Wie finde ich diese? Ein guter Tipp ist, sich in den persönlichen Netzwerken umzuhören. Persönliche Referenzen sind meistens am verlässlichsten.

Bei Hanse Ventures hat es uns immer geholfen, wenn wir eine Projektarbeit vereinbart und darüber Leute kennengelernt haben. Man tauscht sich in einer gewissen Phase aus und arbeitet dann gemeinsam an bestimmten Themen. Sicherlich sind auch die üblichen Netzwerk-Veranstaltungen zu empfehlen, zum Beispiel das Startup Weekend Hamburg, wo man immer wieder die Möglichkeit hat, Gleichgesinnte zu finden, Leute, die motiviert und interessiert die gleichen Themen angehen und die immer wieder Herausforderungen suchen. Das sind drei Wege, die ich sehe.

Was auch gut funktioniert – aber sicherlich zu einer späteren Phase – ist, wenn sich das Unternehmen selbst einen Mechanismus aufbaut, mit dem es Leute über einen gewissen Zeitraum kennenlernt.

impulse: Wie können Gründer langfristig für eine gute Teamatmosphäre sorgen?

Seikel: Wie man eine gute Teamatmosphäre herbeiführt, ist sehr subjektiv. Ich glaube, das ist in den seltensten Fällen nur eindimensional zu beantworten. Vielmehr ist es wahrscheinlich ein Blumenstrauß von Aktionen und kleinen Dingen, die man schaffen und auch pflegen muss.

Ganz oben steht sicherlich die Kommunikation. Offene Kommunikation mit Mitarbeitern und ein respektvoller Umgang miteinander, das wären die Grundvoraussetzungen. Man muss sich auch fragen, wen man wann und in welcher Form informieren möchte, das heißt die Frage nach dem Schaffen bestimmter Informationskreise.

Mein Ziel wäre immer, dass die Mitarbeiter alle gerne zur Arbeit kommen und dort Spaß haben. Das schaffen nicht nur die eben genannten Themen, sondern auch Dinge wie das Umfeld: Wie ist das Büro ausgestattet? Was habe ich vielleicht an Kleinigkeiten daneben, gibt es zum Beispiel einen Obstkorb oder habe ich Wasser zur Verfügung? Wir verbringen sehr viel Zeit im Büro, solche Dinge sind dann natürlich extrem wichtig für das tägliche Miteinander.

impulse: Was wird bei der Suche nach Teampartnern und Mitarbeitern Ihrer Erfahrung nach häufig unterschätzt?

Seikel: Bei der Personalplanung wird häufig unterschätzt, dass viele Leute, die man sich für das eigene Team wünscht, überhaupt gar nicht verfügbar sind. Man denkt, man braucht einen Programmierer, holt sich den und in spätestens zwei Wochen fängt er an zu arbeiten – ein Beispiel, an dem auch wir uns mal die Hörner abgestoßen haben. Das läuft überhaupt nicht so. Viele werden da ein böses Erwachsen haben, die mit dieser Erwartungshaltung an die Suche herangehen. In den seltensten Fällen findet man das Personal, das man sucht, einfach und schnell. Das heißt, der Aufwand, den man betreiben muss, um den Trichter an möglichen Kandidaten und Kandidatinnen zu füllen, ist doch sehr hoch. Gerade wenn man auch nachhaltig immer wieder interessantes Personal finden möchte. Das ist sicherlich ein Punkt, der unterschätzt wird.

Was man außerdem nicht unterschätzen sollte ist auch, dass das Team als Ganzes funktionieren muss. Ich muss mir als Gründer vorher überlegen, wie ich das gesamte Team einmal aufbauen möchte, wo ich hin möchte, wer diejenigen sind, die das Ganze auch mal leiten werden, die die eigene Philosophie mit verkörpern und auch immer weiter in das Team hineintragen.

Bei der Planung wird gerne unterschätzt, wie eigene Dynamiken entstehen: Wenn das Team größer wird, bilden sich Grüppchen. Da ist Kommunikation wieder ein ganz wichtiges Thema, das gerne in der Anfangszeit bei Startups links liegen gelassen wird, weil wenig Zeit vorhanden ist. Ich glaube, das ist einer der größten Fehler. Man sollte dafür sorgen, dass die Kommunikation immer an erster Stelle steht und sich jeder mitgenommen und abgeholt fühlt.

impulse: Welchen Tipp geben Sie Gründern in Bezug auf Teambuilding und Personalplanung mit auf den Weg?

Seikel: Ich glaube, dass gerade Personen, die ganz neu anfangen und zum ersten Mal gründen, gut beraten sind, sich jemanden zu Rate zu ziehen, der das schon häufiger gemacht hat. Da würde ich in diesem Fall natürlich Werbung für Hanse Ventures machen wollen. Aber im Grunde genommen ist man schon sehr gut beraten, wenn man offen und authentisch mit den Leuten umgeht und sie immer respektvoll behandelt. Dann kommen auch keine Überraschungen bzw. es werden keine Erwartungen geweckt, die hinterher nicht erfüllt werden können.

Vor dem Hintergrund: Ohren offenhalten, freundlich, aber eben auch authentisch sein, klar kommunizieren, das, was man selbst anbietet, nicht übertrieben darstellen. Das sind die Grundvoraussetzungen, damit man ein spannendes und erfolgreiches Team aufbauen kann.

impulse: Vielen Dank für das Gespräch.

 

Unterm Strich Beim Teambuilding ist es wichtig, auf komplementäre Fähigkeiten und Persönlichkeiten zu setzen. Ein gegenseitiges Kennenlernen bietet sich während einer gemeinsamen Projektarbeit an. Um langfristig eine gute Atmosphäre im Team zu schaffen, ist offene und respektvolle Kommunikation sowie eine klare Informationskultur gefragt.
Tobias Seikel

Tobias Seikel verantwortet als Partner bei Hanse Ventures die operative Führung und das übergreifende Projektmanagement des Inkubators. Außerdem leitet er das Business Development und ist erster Ansprechpartner für das Traineeprogramm Entrepreneur in Residence (EiR).

Hanse Ventures entwickelt eigene Geschäftskonzepte im Bereich Internet und Mobile und setzt diese mit Gründerteams um. In den Startlöchern steht derzeit Rebelle – ein neues Fashion-Startup, das den Trend Re-Commerce/Preloved Fashion mit dem wachsenden Luxussegment verbindet.

 

Im siebten Teil unserer Startup-Serie sehen Sie: Worauf sollten Gründer bei der Personalauswahl achten?

(Anmerkung: Die Videos der Serie wurden via Skype aufgenommen und können sich je nach Bandbreite in der Qualität unterscheiden.)

 

2 Kommentare
  • Kilic 6. Dezember 2013 03:52

    Sehr umfangreicher bericht. Hat mir total gefallen und aufjeden fall weitergeholfen. Nur habe ich noch eine frage. Wie siehts eigentlich mit dem vertrag aus. Wie sollte man es am besten machen.

    Mfg
    Kilic

    • impulse 6. Dezember 2013 17:29

      Wir freuen uns sehr über das Lob! Herzliche Grüße aus der Redaktion

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