Gründung Studie widerlegt Vorurteile über Gründer mit Migrationshintergrund

Selbständige Migranten sind gut ausgebildet – und ihr Unternehmertum geht über das gastronomische Gewerbe hinaus. Eine Studie widerlegt zudem das Vorurteil, dass die Kundschaft von Migranten ausschließlich aus Landsleuten besteht.

Jede dritte Existenzgründung in Baden-Württemberg erfolgt durch eine Person mit ausländischen Wurzeln. Menschen mit Migrationshintergrund wagen zudem viel eher den Schritt in die Selbständigkeit als Deutsche ohne Migrationshintergrund. Zu diesem Schluss kommt eine Studie des Instituts für Mittelstandsforschung (ifm) der Universität Mannheim, die von 2008 bis 2010 durchgeführt wurde. Demnach entscheiden sich von 10.000 deutschen Angestellten 80 zu einer Unternehmensgründung – bei Migranten sind es 266. Gleichzeitig weisen Startups von Migranten ein fast drei Mal höheres Scheiterrisiko auf als einheimische Selbständige. So entsteht eine starke Fluktuation aus Markteintritten und Austritten. Laut ifm gibt es allerdings über die Jahre einen „Überschuss“ an jungen Unternehmen. Dieser ist vor allem abhängig von der Wettbewerbsintensität der jeweiligen Branche und dem Bildungshintergrund der Gründer.

Anzeige

Selbständige besser gebildet als andere Migranten

„Weniger als häufig angenommen sind die Triebkräfte ausländischen Unternehmertums in Deutschland in kulturellen Faktoren zu suchen, dafür stärker im mitgebrachten Wissen“, sagt René Leicht, Projektleiter der Studie. Selbständige Migranten sind besser gebildet als abhängig beschäftigte Migranten –haben allerdings im Durchschnitt eine schlechtere Ausbildung als deutsche Existenzgründer. Nur rund sieben Prozent der Migranten aus früheren Anwerbestaaten wie Italien, dem ehemaligen Jugoslawien und der Türkei haben einen Hochschulabschluss. Von den Unternehmern aus mittel- und osteuropäischen Ländern wie beispielsweise Polen haben 22 Prozent einen Hochschulabschluss.

Mehr als nur „Döner“

Die Zahl der Gründungen durch Migranten im gastronomischen Gewerbe ist laut ifm rückläufig. Auch die größte Migrationsgruppe in Baden Württemberg, die der türkischstämmigen Unternehmer, ist breiter aufgestellt als vielfach angenommen – die Studie betont, dass nicht etwa „Döner“ als Einkommensquelle dominiert. Insgesamt arbeiten 29 Prozent der selbstständigen Migranten in Baden-Württemberg im Gastgewerbe. 24 Prozent der Unternehmer mit Migrationshintergrund sind in wissensintensiven Dienstleistungen tätig, beispielsweise als Ärzte, Rechtsanwälte oder Steuerberater. Im Baugewerbe sind Migranten sogar genau so stark vertreten wie einheimische Unternehmer.

Die Studie widerlegt zudem das Vorurteil, dass die Kundschaft von Migranten ausschließlich aus Landsleuten besteht. So weisen Migranten, die sich an einem offenen Markt orientieren einen signifikant höheren unternehmerischen Erfolg auf als diejenigen, die sich mit ihrem Startup vor allem an die eigene ethnische Gruppe richten. Allein in den wissensintensiven Dienstleistungen sei interkulturelle Kompetenz noch elementar – um sprachliche wie kulturelle Barrieren zu überwinden.

Wenn Migranten Ausbildungsplätze stellen, dann ist ihre Ausbildungsintensität
– gemessen an der Zahl ihrer Beschäftigten – im jeweiligen Betrieb fast
genauso hoch wie in deutschen Firmen. Die Ausbildungsbeteiligung
der Selbständigen aus der Türkei und dem ehemaligen
Jugoslawien ist mit 21 Prozent am höchsten und liegt nur noch sechs Prozent
unter der von Deutschen. Sie erreicht zudem viele sogenannte Benachteiligte – beispielsweise Menschen mit Hauptschulabschluss.

Hinterlassen Sie einen Kommentar

(Kommentare werden von der Redaktion montags bis freitags von 10 bis 18 Uhr freigeschaltet)

Bitte beantworten Sie die Sicherheitsabfrage (Anti-Spam-Schutz): *Captcha loading...