Gründung Umgangsformen für Unternehmerinnen

Perfektes Auftreten im Job ist die Grundlage für den Erfolg. Frauen in Führungspositionen werden besonders kritisch beäugt. Persönlichkeitsberaterin Susanne Helbach-Grosser gibt Tipps, mit denen Sie ganz sicher unfallfrei durch den Firmenalltag kommen.

Die Business-Garderobe

  • Für das Geschäftsleben wählen Sie die Kleidung so, dass Kunden sich mit Ihnen wohl fühlen. Elegante, klassische Schnitte und Stoffe von hoher Qualität sind nie verkehrt.
  • Die stilvollsten Farben der Grundgarderobe fürs Business sind: Dunkel- bis Marineblau (diese Farben signalisieren Zuverlässigkeit und Seriosität), Anthrazit, Grau, Schwarz. Im Sommer auch Hellblau, Beige und Crème.
  • Wer als Vorgesetzte nachlässig und unvorteilhaft gekleidet Vorbildfunktion wahrnimmt, muss sich nicht wundern, wenn es die Mitarbeiter auch nicht so genau nehmen.
  • Autoritätsverlust droht bei tiefen Ausschnitten, bauchfreien, hautengen oder transparenten Shirts und Blusen, Tops und Kleidern mit Spaghetti-Trägern, Miniröcken, Schlauchkleidern. Wie luftig-leicht die Garderobe ausfallen darf, hängt von der Branche ab. Aber auch die Kleidung sollte nicht zu trendy sein. Sie müssen nicht jeden Modeunsinn mitmachen, auch nicht den Massengeschmack der gehobenen Kreise.
  • Auf Geschäftsreise legen Sie sich in Ihrer Freizeit besser nicht zu knapp bekleidet an den Hotelpool – Sie wissen nie, wer vorbei kommt.
  • Machen Sie Ihre Mitarbeiter unter vier Augen darauf aufmerksam, wenn mit ihrer Kleidung oder Hygiene etwas nicht stimmt. Das ist Chefinnensache.

Geschäftsessen

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  • Wann immer Sie Gastgeberin sind, sollten Sie persönlich die Regie übernehmen.
  • Als Gastgeberin eröffnen Sie das Essen, indem Sie die Serviette aufnehmen (Jetzt wird serviert!), das Brot in Umlauf bringen und zum Besteck greifen (Jetzt essen wir!). Sind Sie alleinige Einladende, geben sie auch die Getränke frei – ausgenommen Wasser, darüber bestimmt jeder selbst.
  • Sie heben die Tafel auch wieder auf und stellen sicher, dass Ihre Gäste gut nach Hause kommen.
  • Geben Sie Ihrem Tischnachbarn Gelegenheit, seine guten Manieren zu zeigen: Kündigen Sie zum Beispiel an, dass Sie gleich aufstehen werden, wenn Sie den Tisch zwischendurch verlassen müssen. Etwa mit dem Hinweis: „Entschuldigen Sie mich bitte einen Moment.“ So kann ER sich elegant zu erheben, um Ihnen mit Ihrem Stuhl behilflich zu sein. Frauen erwarten heute im Geschäftsleben zwar keine Galanterie mehr, können jedoch zuvorkommendes Verhalten selbstverständlich auch einfach annehmen.
  • In manchen östlichen Ländern muss die Businessfrau die Quadratur des Kreises schaffen: Immer schön alles mitmachen und trotzdem weiblich (nüchtern) bleiben. Also, nur nippen, das Glas beiseite schieben und mit Saft anstoßen oder wenigstens klare Spirituosen wie Obstbrände oder Wodka bestellen. Manchmal ist es im Ausland (beispielsweise in Russland) auch sinnvoller, einen Mitarbeiter im Restaurant zahlen zu lassen und dies als Gastgeberin nicht selbst zu erledigen.
  • Bei Betriebsfeiern gilt: Auch wenn es noch so lustig und feucht-fröhlich zugeht, Ihre Wirkung nach außen sollte weiter stimmig sein. Berücksichtigen Sie Ihre jetzige Position im Unternehmen. Ein Rollenwechsel in puncto Kleidung, Kommunikation und Zutraulichkeit kann einiges zerstören.

Der Umgang im Alltag

  • Kritisieren Sie nie Abwesende, denn Wände haben bekanntlich Ohren und Gerede wirft kein gutes Licht auf Sie. Genau hingucken und nachfragen ist Pflicht bei Irritationen.
  • Danken Sie in Schreiben oder Mails an die Mitarbeiter und Mitarbeiterinnen für deren tatkräftige Unterstützung.
  • Loben Sie auch. Und zwar aus ehrlicher Überzeugung und in der richtigen Dosis. Das motiviert, wie Sie wissen, ungemein und steigert Ihren eigenen Sympathiebonus. Nicht wenige Vorgesetzte versagen ihrem Team die verdiente Anerkennung in der Befürchtung, dass diese dann gleich mit der Forderung nach einer Gehaltserhöhung auf der Matte stehen. Die Lobverweigerer schaden sich selbst, denn Menschen ohne positives Feedback arbeiten weniger beflügelt als die Anerkannten.
  • Sind Sie selbst die Empfängerin einer kleinen Lobeshymne, dann wehren Sie das Kompliment nicht in gespielter Bescheidenheit ab. Mit einem strahlenden Lächeln und einem „Danke“ belohnen Sie den Lobenden für seine Liebenswürdigkeit.
  • Umgekehrt gilt: Wer auch mal einen Fehler unumwunden eingestehen kann, zeigt Selbstvertrauen und Souveränität.
  • Geben Sie allen Mitarbeitern Ihre spürbare Wertschätzung. Dies bedeutet: Keine grußlosen, unfreundlichen Antworten per E-Mail oder SMS und wenigstens ein ok, ja oder nein als schnelle Reaktion.
  • Nehmen Sie an Ihren Betriebsfeiern teil – kneifen gilt nicht.
  • Pünktlichkeit ist immer ein Zeichen von Wertschätzung.
  • Beantworten Sie selbst Ihre privaten Einladungen und Geburtstagsgrüße – lassen Sie nicht über Ihre Sekretärin danken. Greifen Sie auch eigenhändig zum Hörer, um ein privates Gespräch zu führen.

Grüßen, begrüßen, siezen und duzen

  • Im Geschäftsleben kommt es beim Grüßen allein auf die Rangordnung an. Das heißt, selbst eine jüngere Chefin wird von älteren Mitarbeitern zuerst gegrüßt, die Gruppe sagt vor dem Geschäftsführer „Guten Tag“, Männer grüßen Kolleginnen als Erste. Souveräne Führungskräfte vergeben sich aber nichts, wenn sie die Initiative ergreifen.
  • Ein Du ist kaum wieder in ein Sie umzuwandeln. Gehen Sie also nicht zu verschwenderisch mit dieser vertraulichen Anrede um. Werden Sie plötzlich Chefin und alle duzen Sie, wirkt das nicht professionell. Und falls Sie gleich als Chefin einsteigen, empfiehlt sich noch mehr Zurückhaltung. Vereinzeltes Duzen könnte sonst leicht als Kungelei und Bevorzugung ausgelegt werden.
  • Konferieren Sie mit Kollegen, die zu Freunden geworden sind, sollten Sie sich darauf einigen, vor Außenstehenden/Kunden temporär ins Sie zu wechseln. Dann ist die Kluft nicht so groß und der Eindruck, man habe sich verbündet oder verschworen, wird vermieden.

Konferenzen

  • Bei Meetings und Konferenzen erfordert es die Höflichkeit, sie so umsichtig vorzubereiten, dass alle Beteiligten wissen, worum es geht, und keine Zeit verschwenden müssen.
  • Damit die Treffen effektiv und erfolgreich sind, sollten Sie die Sitzordnung bestimmen. Lassen Sie ranghöhere Personen (auch Männer) auf Ihrer rechten Seite sitzen, denn rechts war und ist die stärkere, ehrenswerte und schützenswertere Seite. Ein wunderbares Stilmittel.
  • Mit der richtigen Platzierung können Sie auch drohende Konfliktsituationen und bevorstehende Machtkämpfe entschärfen. Sie sollten daher möglichst früh im Konferenzraum erscheinen und den eintreffenden Teilnehmern einen passenden Platz empfehlen.
  • Setzt sich jemand auf den Chefstuhl, weisen Sie ihn freundlich darauf hin, dass dieser Platz für die Meetingleiterin bestimmt ist. Am besten überlegen Sie sich schon vorher, welche Platzierung in diesem bestimmten Fall am günstigsten ist.

Geschäftsreise

  • Sicherlich wollen Sie die Reisekosten begrenzen. Trotzdem sollten Sie Ihren Mitarbeitern keine wesentlich schlechteren Verkehrsmittel und Hotels zumuten als sich selbst.
  • Reisen Sie gemeinsam mit Mitarbeitern in öffentlichen Verkehrsmitteln, nennen Sie keine Namen, wenn Sie über Kunden und Vorgänge sprechen. Sie wissen nie, wer mithört.
  • Das Lesen vertraulicher Unterlagen oder die Bearbeitung von E-Mails gestalten Sie so, dass kein anderer Passagier mitlesen kann.
  • Gegen Anmache ist keine Frau gefeit. In manchen Ländern ist es ratsam, in der Öffentlichkeit eine (ausnahmsweise verspiegelte) Sonnenbrille zu tragen, um Blickkontakt zu umgehen. Schutz bietet auch ein Ring an der rechten Hand.
  • Im Auto gilt: Fahren Sie als Chefin selbst, sitzt der ranghöchste Gast neben Ihnen, mit Fahrer nehmen Sie hinten gemeinsam Platz. Natürlich berücksichtigen Sie Sitzgewohnheiten und Vorlieben Ihrer Fahrgäste.
  • Beim Gastgeber: Bleiben Sie stehen, wenn Sie angemeldet wurden und warten müssen, das bringt Sie in eine vorteilhafte Lage. Am besten, Sie nehmen Tasche und Unterlagen vor dem Betreten des Konferenzraums in die linke Hand – kurz vor dem Handschlag zu wechseln wirkt unbeholfen.
  • Zu guter Letzt: Eine Lady isst und raucht nicht auf der Straße.

Die Expertin: Susanne Helbach-Grosser gründete 1993 das Seminar-Institut Takt & Stil in Schwäbisch Gmünd. Seitdem vermittelt sie als selbständige Persönlichkeits-Trainerin, Referentin und Coach die aktuellen gesellschaftlichen Spielregeln für ein Leben mit Stil. Sie ist Mitautorin des Buchs „Business-Etikette für Frauen – Professionelle Umgangsformen im Job“ (Verlag: Orell Füssli).

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