Gründung Unternehmergeist in Norddeutschland besonders stark

Die Hansestadt Lüneburg. In den ehemaligen Hanse-Gebieten ist der Unternehmergeist noch immer groß.

Die Hansestadt Lüneburg. In den ehemaligen Hanse-Gebieten ist der Unternehmergeist noch immer groß. © _Lüneburg Marketing GmbH

Ein Unternehmen zu gründen, erfordert Umtriebigkeit und Mut. Doch nicht jeder ist dafür gemacht, und nicht überall in Deutschland ist der Unternehmergeist bei den Menschen gleichermaßen ausgeprägt, wie eine neue Untersuchung von Psychologen zeigt.


Unternehmergeist ist in Deutschland regional sehr unterschiedlich verteilt. Während Berlin und Hamburg die Rangliste der Bundesländer laut einer Studie zur Verteilung unternehmerischer Persönlichkeitsstruktur anführen, bilden Brandenburg und Sachsen die Schlusslichter. Andere norddeutsche Länder wie Schleswig-Holstein und Mecklenburg-Vorpommern belegen ebenso vordere Plätze. «Dort scheint nach wie vor der hanseatische Geist stark ausgeprägt zu sein», sagte der Psychologe Martin Obschonka von der Universität Jena im Gespräch mit der Nachrichtenagentur dpa. Thüringen landet dabei im Mittelfeld auf Platz acht vor wirtschaftlich starken Ländern wie Baden-Württemberg (11) und Hessen (12).

Anzeige

Unterschiede schwer zu erklären
Mit Kollegen hat Obschonka eigenen Angaben zufolge erstmals Karten erstellt, wie Persönlichkeitsmerkmale, die den Schritt in die Selbstständigkeit begünstigen, in Deutschland, Großbritannien und den USA verteilt sind. «Bestimmte Eigenschaften wie Gewissenhaftigkeit, Offenheit für neue Erfahrungen und Extrovertiertheit sind wichtig für eine unternehmerische Persönlichkeitsstruktur», erklärte Obschonka.
Daher haben die Forscher untersucht, wie diese regional verteilt sind und dazu Daten von rund 20 000 Deutschen ausgewertet. Die Ergebnisse sind den Angaben zufolge auf Bundesländerebene repräsentativ.
Über die genauen Ursachen der regionalen Unterschiede können die Forscher nur Vermutungen anstellen. Oftmals sei es wohl «ein Schatten der Vergangenheit», erklärte Obschonka. «Unsere Befunde aus den USA, wo wir Persönlichkeitsdaten von mehr als einer halben Million Menschen analysiert haben, deuten darauf hin, dass großindustrielle Strukturen mit Massenproduktion nicht-unternehmerische Persönlichkeitseigenschaften zu fördern scheinen.»
Auch Zu- und Abwanderung spielten eine Rolle. Hier vermute er die Ursachen für das schlechte Abschneiden der Länder Brandenburg und Sachsen. «Viele Unternehmer sind nach dem Zweiten Weltkrieg von dort weggegangen und haben Betriebe in Westdeutschland aufgebaut.» Auch nach der Wiedervereinigung seien viele Menschen mit Sinn für Unternehmertum dortweggegangen, um woanders ihr Glück zu suchen.

Die Familie prägt
Die Herausbildung von Unternehmergeist sei ein Zusammenspiel mehrerer Faktoren wie Persönlichkeit, Erziehungsstil und inwieweit es Rollenvorbilder etwa in der Familie gebe, erklärte der Psychologe. Studien hätten gezeigt, dass eine leistungsorientierte Erziehung, die dennoch Wärme vermittle, die Entwicklung von Unternehmer-Persönlichkeiten begünstige. «Für einen Gründerboom reicht es nicht, die äußeren Bedingungen für Existenzgründer zu verbessern», resümierte Obschonka. Allerdings seien solche regionalen  Persönlichkeitsstrukturen schwerer zu ändern und wirkten sicherlich über Jahrzehnte fort.

Hinterlassen Sie einen Kommentar

(Kommentare werden von der Redaktion montags bis freitags von 10 bis 18 Uhr freigeschaltet)

Bitte beantworten Sie die Sicherheitsabfrage (Anti-Spam-Schutz): *Captcha loading...