Gründung Vernetzt in die Selbstständigkeit

Zu emotional oder zu durchsetzungsschwach: Wenn Frauen ein Startup stemmen, begegnen sie vielen Vorurteilen. Netzwerke unterstützen junge Unternehmerinnen dabei, zu beweisen, was sie wirklich drauf haben.

Frauennetzwerke sind für Gründerinnen so wichtig wie nie zuvor, gerade in Zeiten der Krise. Ihre Zahl steigt kontinuierlich, mehr als 300 gibt es mittlerweile bundesweit. Das Potenzial ist groß. Denn bislang sind gerade mal 31 Prozent aller Selbstständigen weiblich. Nur sieben Prozent der erwerbstätigen Frauen wagen den Sprung ins Unternehmertum, bei den Männern sind es doppelt so viele. Doch es tut sich etwas: Die Selbstständigenquote von Frauen steigt jedes Jahr um einen halben Prozentpunkt.

Das Problem: „Häufig fühlen sie sich weder von ihrem privaten noch von dem Business-Umfeld mit ihrem Vorhaben ernst genommen“, sagt Christiane Funken, Soziologieprofessorin an der Technischen Universität Berlin. Die Wissenschaftlerin hat in einer vom Aktionsprogramm „Power für Gründerinnen“ geförderten Studie die Motive und Probleme von angehenden Unternehmerinnen untersucht. Fazit: Von ihren Familien werden Gründerinnen oft nur wenig unterstützt, von den Banken unterschätzt, Gründerwettbewerbe mit Machern auf dem Bewerbungsflyer haben sie kaum im Visier.

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Doppelfunktion der Netzwerke

„Insofern ­erfüllen Frauennetzwerke eine Doppelfunktion“, sagt Funken. „Sie dienen einerseits dem Informationsaustausch und der Kontaktanbahnung, andererseits der Relativierung: Ich bin kein Sonderfall, andere Gründerinnen haben mit den­selben Problemen zu kämpfen.“

Carolin Schmidt ist durch Zufall zu einem Frauennetzwerk gekommen. Eines Morgens legte ihr die Mutter einen Zeitungsartikel aus der „Magdeburger Volksstimme“ auf den Tisch. „Nachwuchsunternehmerin des Jahres gesucht“. „Bewirb dich doch einfach, verlieren kannst du nichts“, sagte die Mutter. Da hatte Carolin Schmidt gerade ihre Ausbildung an der privaten Modeschule in Halle hinter sich. Hatte reichlich Kleider für Abiturfeiern, Jugendweihen und Hochzeiten entworfen und genäht. Hatte einen Kurs für Existenzgründer, das kleine Einmaleins in Marketing, Buchhaltung und Selbstmanagement abgeschlossen. Carolin Schmidt bewarb sich. Und gewann. Das brachte ihr 1000 Euro Preisgeld ein und eine Gründungsberatung über zwölf Monate bei der Netzwerkerin Traudel Gemmer vom Arbeitskreis Magdeburger Unternehmerinnen (AMU).

Adressen: Hilfreiche Netzwerke für Frauen

Noch steht die 22-jährige Nachwuchsunternehmerin am Anfang. Ihre Kleider schneidert sie auf dem Dachboden der Eltern, im alten Kinderzimmer ihres Bruder empfängt Schmidt die Kunden und trainiert mit ihrer Modelgruppe „Carolin X“, die sie vor ein paar Jahren auf die Beine gestellt hat. Das ist Teil ihres Geschäftskonzepts („Ich biete ein Gesamtpaket“) und Teil ihrer Überzeugung („Ich möchte Models, die mir gefallen und natürlich sind“). Von dem Preisgeld hat sie sich ihr Label patentieren lassen: „Lady Caro Lynn“. Durch das Netzwerk der AMU ist die junge Gründerin ein gutes Stück weitergekommen: neue Aufträge, viele Kontakte. Zum Beispiel zu einer Eventagentur und zum Verband Bauindustrie Sachsen und Sachsen-Anhalt, die sie für eine Modenschau gebucht haben.

Nächte an der Nähmaschine

Einmal im Monat trifft Schmidt ihre Mentorin Gemmer. Was kann sie besser machen? Welche Kontakte könnten ihr noch nützen? Manchmal besprechen die Frauen Steuerfragen, mal entwickeln sie Strategien für eine effektivere Öffentlichkeitsarbeit. „Wie wär’s mit dem MDR?“ fragte Gemmer im Frühling. „Da kenne ich jemanden.“ Im Juni war Schmidt auf Sendung.

Gern würde die Gründerin auch zum AMU-Stammtisch kommen. Doch sie hat einfach keine Zeit, auf ihrem Schreibtisch stapeln sich die Aufträge, sie verbringt viele Nächte an der Nähmaschine. „Schade“, sagt Schmidt und seufzt. „Denn bei den Frauen im Netzwerk fühle ich mich gut aufgehoben. Sie sind erfahren und stellen sich auf mich ein.“ Schmidt weiß, dass sie ihr neues Netzwerk pflegen muss. Deshalb hat sie die Vormittage reserviert für Telefonate, E-Mails, Netzwerken online. Dort knüpft sie auch Kontakte zu anderen, wie etwa der Gruppe „Magdeburger Köpfe“ auf der Business-Plattform Xing. Dass sich dort genauso Männer tummeln, stört sie nicht. „Es ist gut, nach mehreren Seiten offen zu sein. Und schließlich kommen meine Kollektionen bei männlichen Auftraggebern auch gut an.“

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