Gründung Verschenktes Potenzial der Zuwanderer

Zugewanderte in Deutschland gründen nur selten in wichtigen Schlüsselbranchen. Und wenn sie es tun, haben sie es deutlich schwerer als deutsche Jungunternehmer. Wohlstandsverluste für die gesamte Gesellschaft sind die Folge - fürchtet das Zentrum für Europäische Wirtschaftsforschung (ZEW).

Der Friseur, der Lebensmittelhändler, die Gastronomin – alles typische Branchen, in denen Gründer mit Migrationshintergrund häufig aktiv werden. Dass sie auch in so genannten wissensintensiven Segmenten wie etwa dem Maschinenbau den Schritt in die Selbstständigkeit wagen, kommt eher selten vor.

So beziffert das Mannheimer ZEW die Wahrscheinlichkeit, dass Menschen mit Migrationshintergrund in diesen Bereichen gründen, im Vergleich zu deutschen Jungunternehmern als nur halb so hoch. Wer sich von den Migranten dennoch in eine der wissensintensiven Branchen vorwagt, hat beim Start weniger Beschäftigte als die Firmen deutscher Gründer vorzuweisen und scheitert eher als seine deutschen Kollegen.

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Elisabeth Müller, Professorin an der Frankfurt School of Finance & Management, führt das auf die Bildungsunterschiede zwischen Zuwanderern und Deutschen zurück und fordert, diese Lücke zu schließen: „Damit Deutschland sein volles Innovationspotenzial nutzen kann, ist es wichtig, dass mehr Unternehmer mit Migrationshintergrund in wissensintensiven Branchen gründen.“ Anderenfalls kann die Bundesrepublik das vorhandene Wachstumspotenzial nicht voll ausschöpfen und Wohlstandsverluste für alle Deutschen drohen.

Die ZEW-Studie, die auf Informationen von mehr als 140.000 Start-ups basiert, zeigt zudem: Die Zusammenarbeit von Firmenchefs mit und ohne Migrationshintergrund zahlt sich aus. So haben die Betriebe, die von einem internationalen Team geführt werden, mindestens ebenso so viele Beschäftigte und weisen etwa im verarbeitenden Gewerbe eine vergleichbare Überlebenswahrscheinlichkeit auf, wie Unternehmen, die ausschließlich von Deutschen gegründet wurden.

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