Gründung Warum Gründer scheitern

Finanzierung, Marketing, persönliche Defizite - dies sind die häufigsten Ursachen, weshalb eine Geschäftsidee nicht erfolgreich am Markt bestehen kann. Das Forum Kiedrich nennt fünf Grundregeln für einen erfolgreichen Start in die Selbstständigkeit.

Seit mehr als einem Dutzend Jahren unterstützt die Gründerinitiative Forum Kiedrich angehende und junge Firmenchefs – mit knapp 200 Mentoren und Business Angels, einem umfassenden Netzwerk und praxisnahen Workshops.

Immerhin: „Mehr als 380 Unternehmen sind aus der Initiative hervorgegangen“, sagt Geschäftsführerin Claudia Erben. Rund 130 Geschäftsideen wurden bislang noch nicht zur Marktreife geführt – und etwas mehr als 90 Konzepte gaben entweder in der Startphase oder kurz nach der Unternehmenseröffnung auf.

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Die Fachhochschule Trier hat nun untersucht, auf welche Ursachen das Scheitern der letzten Gruppe zurückzuführen ist und befragte rund 850 Gründungsberater. Das Ergebnis: Mehr als die Hälfte der Start-Ups muss auf Grund von Finanzierungsschwierigkeiten die Tore wieder schließen.

Gründe für das Scheitern Häufigkeit
Finanzierungsprobleme 57 %
Marketing und Umfeldanalyse fehlerhaft 39 %
Persönliche Defizite 38 %
Kaufmännische Defizite 31 %
Fehler bei Konzept, Vorbereitung, Idee 30 %

Das Forum Kiedrich nahm diese Einschätzung zum Anlass, die Ursachen genauer unter die Lupe zu nehmen: Im Dialog mit Gründern und Mentoren der Initiative konnten die Fehleinschätzungen konkretisiert werden:

Finanzierung: Viele Firmen starten mit einer zu geringen Eigenkapitalbasis. Zudem sind die Fix- und Finanzierungskosten zu hoch und die vorgenommenen Investitionen zu groß ausgefallen. Zum operativen Geschäft wird angegeben, dass manche Start-Ups in große Abhängigkeit von einigen wenigen Kunden geraten. Eine nachlässige Führung des Rechnungswesens und die schlechte Zahlungsmoral der Kunden vor allem in Krisenzeiten sorgen für zusätzliche Liquiditätsengpässe. In Einzelfällen kommt es vor, dass Gründer zu spät die Hilfsangebote von Kammern, der KfW Mittelstandsbank oder der Hausbank wahrnehmen. Und wer auf der Suche nach einem professionellen Geldgeber wie etwa einem stillen Teilhaber, einem Business Angel oder einer Venture-Capital-Gesellschaft ist, hat oft Probleme, deren Erwartungen und Zielvorgaben richtig einzuschätzen.

Marketing: Potenzielle Markteintrittsbarrieren und spätere Wachstumsmöglichkeiten werden nicht erkannt. Nicht selten überschätzen die Gründer das Geschäftsvolumen ihrer Idee oder meinen, überstürzt als Erster in einen Markt starten zu müssen, ohne ihn ausreichend zu kennen.

Persönlichkeit: Jungunternehmen scheitern, weil es ihnen am Durchhaltevermögen und Selbstbewusstsein fehlt. In Teamgründungen mangelt es häufig an einer ausreichend breiten Fachexpertise. Persönliche Streitigkeiten zwischen den Beteiligten sind ebenfalls eine große Klippe. Insbesondere für angehende Unternehmerinnen gilt: Ihr Arbeitseinsatz grenzte an Selbstausbeutung.

Auf Basis der Analyse stellte das Forum Kiedrich fünf Grundregeln für einen erfolgreichen Unternehmensstart auf.

Fünf Grundregeln für einen erfolgreichen Firmenstart

1. Gründer sollten ihre maximale Arbeitszeit beschränken und sich in diesen Stunden auf ihr Geschäft konzentrieren – dazu gehören auch die Kontaktpflege zu anderen Unternehmen oder Lieferanten und die Kundenakquise.

2. Ohne eine externe Bewertung der Geschäftsidee, einen Vergleich des Gründerunternehmens mit gleichartigen und gleichwertigen Betrieben der Branche im selben Einzugsgebiet sowie eine fundierte Marktanalyse sollte niemand den Schritt in die Selbstständigkeit wagen.

3. Anschaffungen zum falschen Zeitpunkt oder in der falschen Höhe erfordern einen unnötigen Kapitalbedarf. Es schädigte nicht das Image der Firma, wenn zum Beispiel die Büroausstattung, der Firmenwagen oder die Produktionsmaschine gebraucht erworben werden.

4. Finanzierungsfehler beginnen dort, wo ein Gründer sich scheut, im privaten Umfeld nach einem Niedrig-Zins Darlehen zu fragen. Eine fundierte und zeitnahe Kalkulation für jede Investition ist unentbehrlich.

5. Verwandte, Freunde und Nachbarn sind keine seriösen Ratgeber – nur auf Tipps von ausgewiesenen Experten hören.

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