Gründung Wenn der Fiskus zuschnappt

Gründer haben Tausend Dinge auf dem Zettel, die es zu erledigen gilt. Und vergessen dabei nicht selten, dass das Finanzamt vom ersten Tag an Geld erwartet. Das wird teuer.

Den lästigen Steuerkram hatte der
Jungunternehmer erfolgreich verdrängt.
Wovon auch Steuern zahlen?
Noch verdiente der selbstständige
Veranstaltungstechniker so gut wie
nichts, und einem nackten Mann kann man ja
bekanntlich
nicht in die Tasche greifen.

Das
Finanzamt
war da ganz anderer Meinung. Es
teilte dem Gründer aus dem Ruhrgebiet eines
Tages
schriftlich mit, er habe 50.000 Euro
Steuerschulden.
Da er nie eine Steuererklärung
abgegeben
hatte, war sein Umsatz kurzerhand
geschätzt worden – und das nicht gerade
zurückhaltend. Selbst als er den Beamten seine
desolate finanzielle Lage offenbarte, pochten
sie auf Nachzahlung. Der Gründer steht vor
dem Ruin, deswegen will er seinen Namen
nicht veröffentlichen. Immerhin prüft das
Finanzamt
seinen Fall derzeit erneut.

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Anfänger können beim Finanzamt nicht auf
Nachsicht hoffen; mangelnde Erfahrung und
Unwissenheit werden nicht als steuermindernde
Gründe anerkannt. Und Stolperfallen gibt
es viele. Wer sich selbstständig macht, sollte sich deshalb so früh wie möglich darüber informieren,
welche
Steuern er wann zahlen muss.

Um welche Abgaben kein Gründer herumkommt, lesen Sie auf der nächsten Seite.

Einkommensteuer
Diese Steuer müssen Einzelunternehmer
und Gesellschafter von Personengesellschaften
entrichten. Wie hoch sie ausfällt,
hängt ab von der Höhe des Einkommens,
fällig wird die Einkommensteuer ab einem
Verdienst von mehr als 8004 Euro pro
Jahr (Grundfreibetrag). Schätzen Gründer
ihren
Gewinn für das Eröffnungsjahr
verhältnismäßig
hoch ein, kann das
Finanzamt
von Beginn an vierteljährliche
Vorauszahlungen festsetzen. Diese sind
dann jeweils zum 10. März, 10. Juni, 10.
September und 10. Dezember fällig.
Zahlt ein Unternehmer die Einkommensteuer
nicht rechtzeitig, drohen Säumniszuschläge
von einem Prozent. Diese Regel
gilt auch für alle übrigen Steuern.

Körperschaftsteuer
Kapitalgesellschaften (also GmbHs und
AGs) und Genossenschaften kommen
nicht um die Körperschaftsteuer herum.
Sie bemisst sich nach dem zu versteuernden
Einkommen des Unternehmens. Der
Steuersatz beträgt 15 Prozent. Einen
Grundfreibetrag gibt es nicht. Die Termine
für Vorauszahlungen entsprechen jenen
der Einkommensteuer.

Gewerbesteuer
Sie fällt für alle Unternehmen an, die bei
der Kommune ein Gewerbe anmelden
müssen (das betrifft jeden, der in
Deutschland Waren und Dienstleistungen
verkauft oder damit handelt). Freiberufler
wie Ärzte, Zahnärzte, Rechtsanwälte, Steuerberater,
Künstler oder Journalisten fallen
nicht darunter. Als Bemessungsgrundlage
dient der Gewinn des Unternehmens.
Bei Einzelunternehmen und -personen
kann die Gewerbesteuer größtenteils auf
die Einkommensteuer angerechnet werden
und belastet den Betrieb zusätzlich
kaum, bei Körperschaften ist das nicht der
Fall. Die Sätze, die für die Gewerbesteuer
erhoben werden, unterscheiden sich stark
von Kommune zu Kommune. Vorauszahlungen
finden zum 15. Februar, 15. Mai, 15.
August und 15. November statt.

Umsatzsteuer
In den ersten zwei Kalenderjahren nach
der Gründung muss jeder Betrieb seine
Umsatzsteuervoranmeldung monatlich
abgeben. Stichtag ist immer der Zehnte
des Folgemonats. Achtung: Nur wenn der
Bruttoumsatz im vergangenen Jahr 17.500
Euro nicht überschritten hat und im laufenden
Jahr nicht mehr als 50.000 Euro
betragen wird, gilt eine Firma als Kleinunternehmer
und ist von der Umsatzsteuer
befreit.

Arbeitnehmerabgaben und Steuern
Wer in seiner Firma feste Mitarbeiter beschäftigt,
muss deren Lohnsteuer bis zum
Zehnten des Folgemonats ans Finanzamt
überweisen. Sozialversicherungsbeiträge
(für die Renten-, Arbeitslosen-, Krankenund
Pflegeversicherung) wiederum gehen
direkt an die zuständige Kasse. Zahlt der
Arbeitgeber die jeweiligen Steuern und
Abgaben nicht, muss er mit Säumniszuschlägen
von einem
Prozent pro Monat
rechnen. Knausern
Unternehmer vorsätzlich,
drohen
sogar Geldstrafen und bis zu
fünf Jahre Gefängnis. Da vor allem die Berechnung
der Sozialversicherungsbeiträge
extrem
kompliziert ist, sollten sich Gründer
hier von Fachleuten helfen lassen.

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