Gründung „Wir wollen das Fernsehen wieder sozialer machen“

Social-TV-Anbieter wie das deutsche Startup Couchfunk wollen den Fernsehabend wieder zum sozialen Event aufbauen. Wie das funktioniert und wo die Marktchancen liegen, verrät Couchfunk-Mitgründer Uz Kretzschmar im Interview.

impulse-gruenderzeit.de Was genau ist Couchfunk?

Uz Kretzschmar Couchfunk ist ein Social-TV-Anbieter. Das heißt, dass unsere Nutzer die Möglichkeit haben, sich mit ihren Freunden direkt über das aktuelle Fernsehprogramm zu unterhalten – als säßen sie gemeinsam auf der Couch. Wir wollen das Fernsehen wieder aktiver und sozialer machen

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Gibt es dafür nicht schon andere Plattformen, wie zum Beispiel Internetforen? Wozu eine App?

Kretzschmar All das, was Couchfunk als Basis nutzt, findet bereits im Internet statt. Die Zuschauer tauschen sich beispielsweise über das aktuelle Fernsehprogramm aus oder googlen Schauspieler. Social-TV ist aber viel mehr: wir möchten Fernsehen interaktiv angehen. Das ist auch das größte Potenzial, das sich dahinter verbirgt. Beim iPad wie auch bei Couchfunk steht das Genießen im Vordergrund. Es soll komfortabel sein, bequemer als ein Forum. Perspektivisch bietet es auch mehr Spielraum: Ich sehe sofort, was meine Freunde anschauen und ich kann bei einer Live-Sendung mit den Moderatoren interagieren.

Wann haben Sie Ihr Startup gegründet und wie hat es sich seitdem entwickelt?

Kretzschmar Die Idee zu Couchfunk ist Ende 2010 entstanden, die Gründung war im Oktober 2011. Frank Barth, mein Mitgründer, und ich haben das komplett auf eigene Faust umgesetzt. Wir haben beide vorher im Innovationsbereich eines großen IT-Unternehmens gearbeitet. Couchfunk hat sich seit der Gründung extrem positiv entwickelt. Wir sind jetzt schon mehr als zehn Mitarbeiter und wir wollen weiterhin kräftig wachsen.

Woher kam das Kapital für Ihr Startup?

Kretzschmar Zu Anfang kam das Startkapital komplett aus eigener Tasche. Es war wie bei jedem Startup: wir haben den ersten Prototyp entwickelt und versucht, ihn am Markt zu etablieren. Dann haben wir Kontakt zu Risikokapitalgebern aufgenommen. Der Technologiegründerfonds Sachsen, ein sehr aktiver Venture Capital Geber aus der Region Dresden, hat uns Anfang dieses Jahres mit einem signifikanten sechsstelligen Betrag gefördert.

Es gibt auch andere Anbieter von Social-TV wie Miso oder Get Glue. Was unterscheidet Couchfunk von diesen?

Kretzschmar Miso und Get Glue sind amerikanische Anbieter – und nicht auf die Eigenheiten des deutschen Zuschauers und das deutsche Programm zugeschnitten. Couchfunk ist der First Mover im Bereich Social-TV in Deutschland. Es gibt mittlerweile auch hierzulande Anbieter, die nachgezogen haben. Das zeigt, wie interessant der Markt ist. Die anderen deutschen Anbieter sind aber entweder sehr spät gestartet oder haben eine andere Ausrichtung als wir.

Was ist Ihr Alleinstellungsmerkmal?

Kretzschmar Couchfunk ist aktuell auf sehr vielen unterschiedlichen Plattformen verfügbar. Wir sind mit einer Anbindung für iPads gestartet, wenig später kam eine App für das iPhone sowie die Web-App hinzu und die Entwicklung unserer Android-App wird nicht mehr allzu lange dauern. Mit dieser Multi-Client-Strategie sind wir momentan die Einzigen im deutschen Raum. Zum anderen fokussieren wir uns auf plattformübergreifende Echtzeit-Gespräche und bauen alle weiteren Informationen und Funktionen drumherum. Das macht Couchfunk natürlich nicht nur für User interessant, sondern auch für Fernsehsender und Produktionsfirmen, die zunehmend interaktive Formate entwickeln.

Wie hoch ist Ihr Umsatz?

Kretzschmar Hier muss ich um Entschuldigung bitten, aber mit unserem Investor ist vereinbart, dass wir keine genauen Zahlen zu unserem Umsatz oder zum Kapital veröffentlichen. Unser Ziel ist jetzt, das Geschäftsmodell, die Community, in Deutschland zu etablieren und weitere Partner zu finden und mit diesen Social-TV auszubauen. Mit der aktuellen Entwicklung sind wir sehr zufrieden.

Ab wann machen Sie mit Couchfunk Gewinn?

Kretzschmar Nach den nächsten beiden Meilensteinen. Wir wollen eine bestimmte Anzahl an Usern erreichen, aktuelle Zahlen kommunizieren wir nicht. Social-TV ist ein neuer Markt, der sich natürlich erst beweisen muss. Uns geht es wie jedem anderen und Prognosen sind schwer möglich. Das Potenzial von Social-TV ist riesig, schon jetzt verdienen wir erstes Geld mit Displaywerbung. Die wirtschaftliche Bedeutung wird sich natürlich mit der Zeit zeigen. Wenn man allerdings bedenkt, wie schnell die Werbebranche ihre Budgets auf Online umgeschichtet hat, kann man sich vorstellen, wie schnell sie auch auf interaktivere Formate umsteigen könnte.

Können Sie schon von Ihrem Startup leben?

Kretzschmar Nein, deswegen ist es risikofinanziert. Es ist ein Geschäftsmodell, bei
dem wir und all unsere Investoren uns ein hohes Potenzial zurechnen.

Mit welchem Internetunternehmen können wir Sie in drei Jahren messen?

Kretzschmar Wir wissen jetzt schon: In drei Jahren werden wir Marktführer sein. Mit wem sie uns da messen können – das wird die Zukunft zeigen.

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