Gründung Zwang zur Meisterschaft?

Einen Handwerksbetrieb können Gründer inzwischen oft auch ohne Meisterbrief eröffnen. Im Jahr 2004 fiel der Meisterzwang für 53 von 94 zuvor geschützten Berufen.

Bevor Stefan Böhm die elterliche
Schlosserei übernehmen konnte,
hieß es für den studierten Betriebswirt:
jahrelang büffeln. Zuerst ließ
sich der Akademiker in einem anderen
Betrieb zum Metallbauer ausbilden,
so heißt das Schlosserhandwerk
inzwischen offiziell. Nach der
Gesellenprüfung fing er dann als
Assistent
beim Vater an – und legte
nebenher
die Meisterprüfung ab.
Der Metallbau zählt bis heute zu den
41 Kernhandwerksberufen, in denen
der Chef Meister sein muss – genau
wie zum Beispiel bei Tischlereibetrieben,
Malern, Bäckern und bei
Friseuren.

Umwege für Kerngewerke

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Alternativ hätte Schlosser Böhm
sechs Jahre warten können: Mit so
viel Berufserfahrung – vier davon in
leitender Stellung – hätte die Kammer
ihm vermutlich als „qualifiziertem
Gesellen“ ebenfalls den Weg in
die Selbstständigkeit geöffnet. Weitere
Möglichkeit: Böhm hätte einen
anderen Meister zum Technischen
Betriebsleiter bestellt. Das dürfen
Chefs ohne Meisterbrief inzwischen
in fast allen Handwerksberufen.

Sabine Hesse, Geschäftsführerin
von Hessedruck, hat eine Ausbildung
zur Schriftsetzerin absolviert,
danach studierte sie in Wuppertal
Kommunikationstechnologie Druck.
Der Uniabschluss wurde von der
Handwerkskammer als Alternative
zu einer Meisterprüfung anerkannt.
Auf diesem Weg können Hochschulabsolventen,
im Betrieb ausgebildete
Ingenieure und staatlich geprüfte
Techniker sich inzwischen in fast allen
41 Kerngewerken um den
Meisterbrief bewerben – oft mit
Erfolg.

Zulassungsfreie Berufe

Unternehmerin Sabine Hesse hätte
den Meisterbrief eigentlich gar nicht
mehr gebraucht, Druckereien wurden
2004 vom Meisterzwang entbunden.
Zu den 53 zulassungsfreien
Berufen zählen auch Uhrmacher,
Schuhmacher und Gebäudereiniger.

Hesse ist der Brief trotzdem wichtig:
Erstens dient er als Qualitätsausweis
gegenüber Kunden, die Produkte
aus Meisterhand besonders schätzen.
Zweitens will sie in ihrem Betrieb
selbst junge Drucker, Schriftsetzer
und Buchbinder ausbilden.
Dafür muss man auch in den zulassungsfreien
Berufen Meister sein.

Handwerksähnliche Berufe

„Bestatter – vom Handwerk geprüft.“
Stolz führt Andreas Maurer
dieses Markenzeichen seines Berufsverbands
im Logo der Firma. Ein
freiwilliges Zeichen – denn einen
Zwang zu irgendeiner Standesprüfung
gibt es für Bestatter nicht
mehr.

Praktisch jeder Unternehmer
kann sich einen entsprechenden
Gewerbeschein
besorgen und sich
Bestatter nennen. Auch Maurer, der
in einer
Schreinerei und Zimmerei
gelernt hat, ist nur geprüfter Bestatter,
kein Bestattermeister. Sein Beruf
hat sich in den letzten Jahren zunehmend
von einem Handwerk zu einer
Dienstleistung gewandelt. Zu den
57 handwerksähnlichen Berufen, die
es heute gibt, gehören auch Bodenleger,
Rohrreiniger und Änderungsschneider.

Alle Berufe mit Meisterzwang hat das Unternehmermagazin impulse für Sie in einer Liste zusammengestellt.

2 Kommentare
  • Undine Arndt 4. September 2013 12:20

    Bitte die Liste der Berufe mit Meisterzwang zusenden. Danke!

    • Verena Bast 5. September 2013 10:04

      Sehr geehrte Frau Arndt,

      die Liste ist leider beim Umzug der Webseite verloren gegangen, ist aber jetzt wieder unten im Artikel verlinkt.

      Beste Grüße aus der impulse-Redaktion

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