IT+Technik Berlin geht mit eigener Städte-Domain online

Ab Dienstag gehen Domains mit .berlin-Endung online.

Ab Dienstag gehen Domains mit .berlin-Endung online.© Stefan Düsterhöft/impulse

Nach jahrelanger Lobbyarbeit geht die Domain ".berlin" am Dienstag online. Vertreter der Wirtschaft erhoffen sich einen Image-Gewinn. Auch die Hauptstadt verdient mit.

Das Internet wächst – und damit auch die Anzahl der Menschen und Unternehmen, die mit einer eigenen Seite dort vertreten sein wollen. Das Problem ist, dass viele Adressen schon belegt sind. Die Konsequenz: Unternehmen, die sich online ihren Kunden präsentieren wollen, müssen oft ausweichen.

Für Berliner gibt es dafür ab dem kommenden Dienstag eine neue Chance, in der Namenslotterie des Netzes zu gewinnen: Dann gehen Internetadressen mit der neuen Endung .berlin online. Sie ergänzen die bekannten Adress-Endungen im Web, wie .de oder .com.

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Internet-Adressen heißen dann nicht mehr nur beispielsweise mueller.de sondern können dann auch mueller.berlin heißen. Die .de-Endung fällt in diesem Fall weg. In den kommenden Jahren werden Hunderte weitere dieser neuen sogenannten Top-Level-Domains mit neuen Endungen freigeschaltet werden.

Domains werden „sprechend“

Die Hauptstadt ist die erste Stadt weltweit, die für eine breite Öffentlichkeit eine solche Domain mit Ortsmarke besitzt. In den nächsten Monaten werden Metropolen wie New York oder Paris und 50 weitere Städte entsprechende Kürzel erhalten. Anschließend gehen Marken mit eigenen Domainendungen online.

Den Titel, wirklich die erste Stadt zu sein, die mit einer solchen Domain online geht, kann Berlin allerdings nicht für sich reklamieren. Wien hat es zumindest mit einer Website früher online geschafft. Seit Anfang März ist die Adresse seestadt.wien im Netz erreichbar. Allerdings startet in Wien die offene Registrierung erst Mitte Juli, während die Berliner schon jetzt die Domains bestellen können, die am 18. März live gehen.

„Endungen wie .berlin werden den Umgang mit Domains unserer Ansicht nach grundlegend verändern“, sagt Dirk Krischenowski von Dotberlin, dem Betreiber der Hauptstadt-Domain. „Die Domains sind sprechend, nicht nur kryptische Abkürzungen wie .org oder .com.“ Dotberlin will internationale Firmen mit einem Standort in der deutschen Hauptstadt, touristische Unternehmen sowie Berliner Firmen oder Handwerksbetriebe für eine Webseite mit der neuen Endung gewinnen.

Dotberlin begann bereits 2005, bei der Organisation ICANN für die Berlin-Endung zu werben. Die ICANN ist eine gemeinnützige Organisation mit Sitz in Los Angeles. Sie verwaltet das Adresssystem im Web. Schon im Juni 2011 hatte sie die Erweiterung der Adressen über die klassischen Endungen wie .de, .com oder .org hinaus beschlossen. Seit Anfang Februar gibt es Endungen wie .guru oder .singles, nun folgen auch die ersten Adressen mit Ortsangaben wie .berlin.

Positives Feedback von Wirtschaft und Politik

Wirtschaftsvertreter begrüßen die neuen Stadt-Adressen. „Die Berlin-Adressen können zu einem Markenzeichen für unsere Stadt und damit auch für die hier ansässigen Handelsunternehmen und Kaufleute werden“, sagte der Hauptgeschäftsführer des Handelsverbandes Berlin-Brandenburg, Nils Busch-Petersen, dem Berliner „Tagesspiegel“.

Unterstützung gibt es auch aus der Politik. „Berliner Unternehmen und auch Privatpersonen können mit der neuen Domain-Endung ihre lokale Verbundenheit ausdrücken“, sagte Senatssprecher Richard Meng.

Beim Anbieter United Domains sind bereits 55.000 unverbindliche Anträge auf eine Webseite mit .berlin-Endung eingegangen. Wer tatsächlich die gewünschte Adresse erhält, muss mit Kosten zwischen 30 und 60 Euro im Jahr rechnen.

Einige zehntausend Domain-Namen blockiert

Umsonst darf die Firma Dotberlin die neue Domain nicht betreiben. Seit März 2012 besteht ein Kooperationsvertrag mit dem Land Berlin zum Betrieb von .berlin. Ortsgebundene Adressen müssen durch einen Unterstützerbrief der Stadt oder des Gebiets gestützt werden. Das fordert die ICANN in ihren Regularien.

Der Vertrag sichert der Stadt im ersten Jahr Einnahmen in Höhe von einer halben Million Euro zu, ab dem dritten Jahr sind es 750.000 Euro pro Jahr. Vertraglich wurden auch die Interessen des Landes Berlin festgehalten. So wurden vorab zahlreiche Adressen blockiert. „Das Land Berlin hat einige zehntausend Domain-Namen blockieren lassen“, sagte Senats-Sprecher Meng. „Uns war es wichtig, dass es hier keine Verwechslungsgefahr gibt.“ So soll es keine Webseiten unter dem Namen offizieller Stellen wie dem Senat, der Polizei oder der Feuerwehr geben.

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