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Voice-over-IP Ärger mit IP-Telefonie? Das hilft

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Telefone wie dieses wirken heute antiquiert. Doch wer den neuen Verbindungsstandard Voice-over-IP nutzt, hat oft mit Störungen zu kämpfen.

Telefone wie dieses wirken heute antiquiert. Doch wer den neuen Verbindungsstandard Voice-over-IP nutzt, hat oft mit Störungen zu kämpfen.© bramgino / Fotolia.com

Plötzliche Verbindungsabbrüche, schlechte Sprachqualität: Viele Unternehmen klagen über Probleme mit IP-Telefonie. Wie lassen sich die Störungen bei Voice-over-IP reduzieren?

Die sogenannte IP-Telefonie hat sich für viele Nutzer zum Ärgernis entwickelt. Laut einer Umfrage des Verbraucherportals Verivox berichten 23 Prozent der deutschen IP-Telefonkunden, dass es häufiger Ausfälle gebe als früher. 13 Prozent klagen, dass die Sprachqualität schlechter geworden sei. Ein schlechtes Zeugnis für eine Technik, zu der es praktisch keine Alternative mehr gibt. 2018 werden nahezu alle Netze auf „Voice over IP“, wie es im Fachsprech heißt, umgestellt sein.

Doch was können Unternehmer tun, um die Probleme zu lösen oder wenigstens zu verringern? Fünf Maßnahmen für weniger Störungen beim Telefonieren.

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1. Leitungskapazitäten aufrüsten

Für ein störungsfreies IP-Telefonat ist eine Bandbreite von 200 bis 300 Kilobit pro Sekunde nötig, sagt Dieter Olowson, der mit seiner Firma OFP Unternehmen bei der Umstellung auf IP-Telefonie berät. Das klingt wenig, wenn Geschäftskunden Leitungen mit 10 oder 15 Megabit (Mbit) gebucht haben – dem 50-Fachen.

Nur: Diese Werte gelten meist nur für Daten, die aus dem Netz heruntergeladen werden (der sogenannte Downstream). „Maßgeblich ist aber das Hochladen, der Upstream“, erklärt Thilo Salmon, Geschäftsführer des IP-Telefon-Anbieters Sip-Gate. Und dafür stehen oft nur 3 oder 5 Mbit zur Verfügung.

Telefonieren dann zehn Mitarbeiter gleichzeitig, ist der IP-Anschluss womöglich schon überlastet. Viele PC-Programme tauschen im Hintergrund schließlich ebenfalls permanent Daten mit der Cloud aus. Abhilfe kann ein Aufrüsten der Leitungskapazitäten bringen. Sprechen Sie Ihren Telefon- oder Internetanbieter an.

2. Für redundante Systeme sorgen

Wenn Telefon und Internet über denselben Anschluss laufen, sind sie bei einem Netzausfall gleichzeitig tot. Solche Störungen kommen auch bei den großen Anbietern immer wieder vor. Experten wie IP-Berater Olowson empfehlen deshalb, für Redundanz zu sorgen.

Ein zweiter Internetanschluss nur fürs Telefonieren ist Standard für Geschäftskunden. Noch besser: Unternehmer nutzen hierbei auch unterschiedliche Techniken. Zum Beispiel einmal Internet vom Kabelnetzbetreiber, einmal Internet per DSL. Bei vielen IP-Telefonie-Anbietern lassen sich Anrufe zusätzlich vom Handy aus führen – ein weiterer Schutz, wenn der Anschluss in der Bürowand mal wieder tot ist.

3. Geschäftskunden-Vertrag abschließen

„ISDN hatte eine Verfügbarkeit von 99,9 Prozent“, sagt Stephan Breide, Professor für Kommunikationsnetze an der FH Südwestfalen in Meschede. „Bei IP-Telefonie hängt sie dagegen vom Internetzugangsvertrag ab.“ Normale Privatkundenverträge, sagt der Forscher, garantierten häufig nur 97 Prozent. „Das heißt: Fast elf Tage pro Jahr könnte der Internetzugang und damit das Telefon ausfallen, ohne dass der Anbieter aus rechtlicher Sicht etwas falsch macht.“ Bisweilen sind planmäßige Wartungsarbeiten an den Netzen der Grund.

Geschäftskunden können „Service-Level-Agreements“ (SLAs) mit höheren garantierten Verfügbarkeiten bekommen und werden bei Störungen schneller bedient.

4. Neue Telefone nutzen

Je mehr Übergänge IP-Daten überwinden müssen, bis sie vom Anrufer zum Angerufenen und zurück gelangt sind, desto anfälliger wird das System für Fehler. Ist das Firmennetzwerk mit einer sehr starken Firewall geschützt, kommt es leichter zu Verbindungsausfällen.

Hier hilft es, die Telefonie über einen separaten Server laufen zu lassen. IP-Berater Dieter Olowson empfiehlt kleinen Mittelständlern zudem, sich keine Lösung aufschwatzen zu lassen, bei der die Mitarbeiter ausschließlich über eine Software am PC telefonieren – mit einem Hörer oder Headset am USB-Kabel. „Das ist nur etwas für Unternehmen mit eigenem IT-Experten“, sagt Olowson. Immer wieder gibt es Treiber-Konflikte, Abstürze, Verzögerungen und Ausfälle.

Olowson rät zu separaten IP-Tischtelefonen. Die sind zwar teurer, aber stabiler. ISDN-Telefone sind zwar mit einem entsprechenden Adapter auch für Internetverbindungen nutzbar, allerdings mit deutlich höherer Ausfallrate. Die alten Apparate sollten besser gegen spezielle IP-Telefone ausgetauscht werden.

5. Das Team vorbereiten

„Telefonie ist eine Echtzeitanwendung und für das Internetprotokoll eine große Herausforderung“, sagt Forscher Stephan Breide. Anders als bei ISDN, wo eine physische Leitung von Telefon zu Telefon durchgeschaltet wurde, zerlegen Router und Programme die Sprachdaten bei IP in kleine Datenpakete.

An jedem Übergang – etwa vom DSL-Modem zum Router oder zwischen Netzknotenpunkten – werden Pakete zwischengespeichert und können verloren gehen. Dann kommt es zu den Aussetzern, Hall-Effekten und Verzögerungen, im schlimmsten Fall zum Gesprächsabbruch. „Wie man es vom Mobilfunknetz kennt“, sagt Breide.

Weil IP-Telefone zudem die sogenannte „Blockwahl“ verwenden, dauert es, bis ein Rufzeichen ertönt, nachdem man gewählt hat. „Manche Leute denken dann, irgendwas wäre kaputt“, sagt IP-Berater Olowson. Unternehmer sollten ihren Mitarbeitern also rechtzeitig erklären: Mit IP wird vieles anders.


Ein Artikel aus der impulse-Ausgabe 04/2017

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