Leben Ai Weiwei und die Biennale: 886 Holzstühle und 81 Tage Gefangenschaft

Ai Weiwei ist tausende Kilometer entfernt von seiner Kunst in Venedig. Aber seine Mutter macht sich auf den Weg zu seinen Werken auf der Biennale – mit 886 Holzstühlen und Szenen seiner Gefangenschaft.

 

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Knapp 900 Holzschemel spannen sich quer durch den weißen Raum auf der Kunst-Biennale in Venedig. Das Werk des chinesischen Künstlers Ai Weiwei ist ein Teil des deutschen Beitrags, aber er kann China nicht einfach verlassen. Was er sich nur auf Fotos anschauen kann, präsentierte seine Mutter Gao Ying persönlich in der Lagunenstadt. „Sie ist ein freier Mensch. Sie kann überall hingehen“, sagte der regimekritische Künstler am Donnerstag.

Während er in China festsitzt, unternahm seine Familie eine kleine Reise. In Venedig kann sie sich die Kunst ihres Sohnes anschauen. „Dort sind 886 Holzstühle aus China, die eine Geschichte haben. Zusammen bilden sie eine neue Struktur, die keinen Sinn hat, sich aber unendlich fortsetzen kann.“ Die Kuratorin des deutschen Beitrags, Susanne Gaensheimer, sieht in der Installation eine Metapher für das „Individuum und sein Verhältnis zu einem übergeordneten, überbordenden System“.

Aber Ai Weiwei ist nicht nur mit seiner Kunst für Deutschland vertreten. In einer als Gallery umfunktionierten Kirche hat Ai schwere Eisenboxen aufstellen lassen. Über kleine Öffnungen können Besucher darin Szenen aus Ais Zeit im Gefängnis beobachten: Der Künstler neben Wärtern beim Schlafen, Essen, Duschen und im Verhör. Sie sind aber nicht Teil der offiziellen Ausstellung bei der Biennale. „Es kann ja nur ein Werk von mir im Pavillon sein.“

 55. Kunst-Biennale vom 1. Juni an für Besucher geöffnet

Die schweren Kunstwerke sollen in China entstanden sein. „Darüber werde ich nicht sprechen“, sagt Ai nur knapp. Und wie kamen sie nach Venedig? Wurden sie geschmuggelt? „Das ist keine Frage, die ich diskutieren möchte.“

Zusammen mit seinem vergangene Woche veröffentlichten Musikvideo sind es die ersten Werke, die seine Zeit in Gefangenschaft verarbeiten. Im Jahr 2011 hatte Ai unter internationalen Protesten 81 Tage in Gefangenschaft verbracht. Ihm wurden Steuervergehen vorgeworfen. Seine Familie sah den wahren Hintergrund aber in seiner Kritik am kommunistischen Regime.

„Das sind zwei verschiedene Wege, über eine Sache zu sprechen“, sagt Ai. Aber hängen sie zusammen? Sollen sie sich gegenseitig ergänzen? „Sie sind nicht komplementär. Sie sind nur zwei verschiedene Ausdrucksweisen.“

Von diesem Samstag an bis zum 24. November ist die Hauptausstellung der 55. Kunst-Biennale für Besucher geöffnet.

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