Leben Aston Martin V12 Vantage S – Der brutale Sportler

328 km/h und 573 PS: Der neue Vantage S ist das stärkste Serienauto, das Aston Martin derzeit im Angebot hat. Brutal schnell – und brutal teuer.

Man hätte gewarnt sein können. Schon bei der ersten Vorstellung sagte Aston-Martin-Chef Ulrich Bez über den Vantage: „Er ist elegant, aber brutal“. Und er hatte recht: Unbarmherziger geht unter dem Logo der zwei Schwingen nur noch der Über-Sportler One 77 mit seinen Passagieren zur Sache.

Das wird einem spätestens dann klar, wenn der knallgelbe Brite vor einem steht: Sportlich in der Linie, ein schwarz lackiertes Gitter im Carbon-Rohrrahmen vor dem Frontkühler, vier üppige Abluftkiemen aus Carbon auf der langen Motorhaube, riesige gelochte Carbon-Keramik-Bremsscheiben, die durch die zehn Speichen der Alufelgen schimmern, breit geschwungene Rückleuchten, armdicke Endrohre. Und mit gerade mal 1,25 Metern dicht geduckt lauernd über dem Asphalt.

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Wer dann in den Aston einsteigt, sieht den Eindruck von Eleganz und Brutalität weiter bestätigt. Auf der einen Seite kommt der Renner aus Gaydon durchaus luxuriös daher. Gedeckte Farben, fein verarbeitetes Leder mit Ziernähten in der Wagenfarbe, Platz für zwei Passagiere, ein klar geordnetes Armaturenbrett mit aufklappbarem Navi.

Sport- und Leichtbausitze bieten guten Seitenhalt

Der Einstieg selbst ist unüblich. Statt mit körperlichen Verrenkungen, gleitet man in den Vantage S beinahe hinein. Die neuen Sport- und Leichtbausitze passen und bieten guten Seitenhalt, ohne dass sie wie ein Schraubstock einengen. Manko: Wer über 1,85 Meter misst, hat Probleme, sie weit genug nach hinten zu schieben. Der Laderaum im Heck ist sportwagenüblich mit 300 Litern zudem nicht gerade üppig – liegt aber über dem, was Konkurrenten wie Audi R8, Ferrari oder Lamborghini derzeit bieten.

Das Lenkrad ist exakt in Tiefe und Neigung verstellbar und der besseren Griffigkeit wegen mit Alcantara aufgepolstert. Links und rechts am Lenkrad befinden sich die Schaltpaddel. Das halbautomatische Getriebe lässt sich über drei Drucktasten oben an der Mittelkonsole einstellen, den Sportmodus aktiviert eine vierte Taste. Über sie lassen sich unter anderem Gasannahme, Schaltgeschwindigkeit und -timing sowie die Direktheit der Lenkung etwas radikaler trimmen. Der Druck auf eine weitere Taste verändert die Einstellung des neu entwickelten adaptiven Dämpfungssystems in den Stufen „Normal“, „Sport“ oder „Track“.

Zunächst knurrt der Zwölfzylinder unter der Haube kurz auf, schüttelt sich einmal durch und wartet ruhig blubbernd darauf, dass man ihn machen lässt. Die Briten haben den V12 AM28-Motor gründlich überarbeitet, Bosch steuert das Motormanagement bei. Rund 25 Kilogramm weniger Gewicht und eine verstellbare Nockenwelle im Zylinderkopf sind zwei der Ergebnisse. Ein weiteres ist der Power-Push auf 422 kW/573 PS und ein maximales Drehmoment von 620 Nm.

Auf 100 km/h in 3,9 Sekunden

Was das real bedeutet, erlebt man, wenn man das Gaspedal durchdrückt: Der Sechsliter-Motor brüllt auf und prügelt seine Kraft an die Hinterräder. Auf 100 km/h ist der Vantage nach 3,9 Sekunden, danach geht es nicht weniger ungestüm weiter. Schluss ist erst bei 328 km/h. Sagt zumindest Aston Martin.

Kein Schwänzeln, keine Unruhe in der Lenkung – Beschleunigung pur. Das automatisierte Siebengang-Getriebe „Sportshift III AMT“ von Oerlikon Graziano haut die Gänge brachial und stoisch rein. Schnell, unbeirrbar, aber mit merkbaren Unterbrechungen des Kraftflusses.

Wer sich nicht auf die Automatik verlassen will, der legt die Gänge über die Schaltwippen vor. Je sportlicher die Einstellung, desto höher die Drehzahlen, bei denen sich das Getriebe wohlfühlt. Die maximale PS-Leistung liegt ohnehin erst bei 6.750 U/min. an, das maximale Drehmoment 1.000 U/min früher. Bereits 1.000 U/min reichen für bis zu 510 Nm. Die Skala im Armaturenbrett reicht bis 8.000 Umdrehungen.

179.950 Euro Einstandspreis

Die Lenkung ist direkt und präzise, die Gewichtsverteilung liegt bei 51:49. Man muss schon einiges anstellen, damit das Heck des 1,6-Tonners beim Herausbeschleunigen aus der Kurve leicht das Tänzeln anfängt – selbst, wenn man das ESP ausschaltet. Je nach Fahrwerkseinstellung tendiert der Federungskomfort zwischen sportlich bequem („Normal“) oder ruppig („Track“). Die üppigen Carbon-Keramik-Bremsen sorgen zur Not dafür, dass der Aston ähnlich schnell an Tempo verliert, wie er beschleunigt.

Aber der Vantage S kann auch anders: In der Stadt lässt er sich behutsam wie ein ganz normales Familienauto kutschieren. Dennoch: Statt des offiziell angegebenen Durchschnittsverbrauchs von 16,4 Litern, dürfte ein Bereich in den Zwanzigern wohl realistischer sein.

179.950 Euro Einstandspreis verlangt Aston Martin in Deutschland für den Vantage S als Basispreis. Die Österreicher müssen 223.865 Euro und die Schweizer 204.330 CHF zahlen. In der Türkei werden 401.357 Euro fällig. Das Angebot an Assistenzsystemen zumindest hält sich für die Luxusklasse sehr zurück. Wer sich dieses Auto zulegt, der will offensichtlich fahren – nicht fahren lassen.

 

Das Auto wurde dem Redaktionsbüro press-inform kostenfrei vom Hersteller zur Verfügung gestellt.

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