Leben Auf Augenhöhe mit den Reben

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Jungwinzer Georg Fogt

Jungwinzer Georg Fogt© Rindchens Weinkontor

Impro­visieren, testen, verstehen. "Wer als Winzer seine Handschrift finden will, muss bereit sein, aus Fehlern zu lernen", sagt Georg Fogt. Durch seine Leidenschaft für Experimente führt der junge Winzer auch verrufene Trauben zu einer Blüte. Ein Hausbesuch in den Weinbergen Rheinhessens.

W­ie kommen wir denn auf einmal in die Lüneburger Heide? Eben noch führte der Weg durch die sattgrünen Weinberge Rheinhessens, jetzt wiegt sich lila Kraut im Wind, und blökend staksen Heidschnucken über karges Geröll. „Das ist charakteristisch für unsere Region, wir haben hier eine große Vielfalt von Böden“, sagt Georg Fogt und hebt einen der Steine auf, die Generationen von Bauern aus der Erde geholt und aufgetürmt haben.

Goldenes Horn heißt diese sonderbare Anhöhe, eine der besten Lagen des Weinguts. Durchatmen, den Vögeln zuhören, den Blick schweifen lassen über all die anderen Flächen da unten, die seine Verantwortung sind,
30 Hektar inzwischen, um die Hälfte gewachsen ist der Betrieb, seit Fogt vor zwölf Jahren nach der Lehre eingestiegen ist. 30 Hektar, die er aus jeder Perspektive kennt: von hier oben. Auf Augenhöhe mit den Reben, wenn er mit der Blattschere durch die Reihen zieht. Und natürlich vom Bock seines Schleppers aus, mit dem er gern mal 16 Stunden am Stück unterwegs ist. Womit man zwei Leidenschaften des Jungwinzers kennt: Selbermachen und Maschinen.

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Improvisation und Experimente

„Ich bin damit aufgewachsen“, sagt der 34-Jährige, der für sein Arbeitspensum fast provozierend gesund aussieht, „unser Betrieb war schon immer modern eingerichtet, es hat immer Spaß gemacht, hier zu arbeiten.“ Also Lehre mit 16, Technikerausbildung und schließlich der letzte Schliff im berühmten Pfälzer Weingut Bassermann-Jordan, wo gerade ein neuer Kellermeister den Traditionsbetrieb komplett umkrempelte. „Da habe ich gelernt, wie man improvisiert“, sagt Fogt, „das hat mir geholfen, nach meinem Einstieg hier schnell eine gute Qualität hinzukriegen, auch ohne gleich die beste Technik zu haben.“

Impro­visieren, experimentieren, verstehen: „Wer als Winzer seine Handschrift finden will“, sagt Fogt, „muss bereit sein, aus Fehlern zu lernen: Manche Dinge macht man erst zu extrem, dann denkst du, das war der Fehler, und irgendwann merkst du, dass du gar nicht weiterkommst und ganz anders ansetzen musst.“ Am liebsten tobt sich Fogt an klassischen deutschen Weißweinsorten aus und führt auch verrufene Trauben zu einer Blüte, die man ihnen nie zugetraut hätte. Die Scheurebe, einst Synonym für süßen Horror, ist bei Fogt ein duftender Star des trockenen Weißweinsortiments, mit dem er vor allem bei jungen Kundenkreisen landet. „Man muss sich nur lange genug damit befassen, das ist hoch interessant.“

Dagegen hat er noch keinen einzigen Sauvignon-Blanc-Rebstock gepflanzt. Die Geschäfte scheinen auch ohne die Boom-Sorte gut zu laufen. Fogt-Weine werden im „Vier Jahreszeiten“ zu Event-Menüs ausgeschenkt, Fernsehköchin Cornelia Poletto kreierte mit dem Jungwinzer eine gemeinsame Marke. Erst seit fünf Jahren vertreibt Fogt seine Weine über den Fachhandel, der schon jetzt 60 Prozent seiner Absätze ausmacht. Weitere 30 Prozent verkauft er direkt ab Hof, nur noch 10 Prozent gehen in den anonymen Fassweinmarkt, der früher seine Premiumgewächse verschluckte. Wer seine Qualitätsweine zu einem vernünftigen Preis selbst vermarken will, sagt Fogt, der muss seine Abläufe draufhaben.

Zwölf Jahre lang hat er experimentiert und optimiert, gerade erst hat er 130.000 Euro in neue Gärtanks investiert, die einst verstreuten Anlagen zusammengeführt in einer neuen Halle, die er komplett selbst entworfen hat – „das 3-D-Programm Google Sketchup zu lernen, hat länger gedauert, als der eigentliche Prozess“, sagt Fogt grinsend und lässt auf seinem Bildschirm die virtuellen Tanks rotieren. „Alles aus Eigenmitteln finanziert“, sagt er. „Der deutsche Wein ist auf dem aufsteigenden Ast, in den nächsten fünf Jahren wird es noch einen richtigen Boom geben, davon bin ich überzeugt.“

In den kommenden Jahren will er weiter wachsen, Flächen dazukaufen, vielleicht auch irgendwann mal einen dritten Angestellten holen in den Familienbetrieb, der wie in der Region üblich neben dem Weinbau auch noch Landwirtschaft betreibt. Das soll auch so bleiben. Fogts Vater sitzt nämlich auch ganz gern auf dem Bock.

 

 

Wein für impulse-Leser

 
Eine Kooperation zwischen zwei Mittelständlern: Rindchen‘s Weinkontor und der Impulse-Verlag. Zusammen haben wir Winzer ausgewählt, die hervorragenden Wein herstellen und zugleich eine spannende Unternehmensgeschichte zu bieten haben. Die Weine, die wir Ihnen vorstellen, können Sie zu Sonderkonditionen bestellen.

 

Das Fogt-Weinpaket
vom Weingut des jungen deutschen Winzers Georg Fogt aus Rheinhessen

 

impulse wein 2 Flaschen 2012 Grauburgunder Spätlese trocken

weiß, trocken, Rheinhessen, Deutschland

Ungewöhnlich frische Nase für einen Grauburgunder: Limone und mineralische Töne umwehen Ihren Weinriecher. Im Mund präsentiert sich dieser Klassetropfen mit einer intensiven Stoffigkeit, die für einen langen, langen Nachhall sorgt. Unvergleichlich und bleibend!

Einzelpreis 8,95 € // Art.-Nr. 710300512

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impulse Wein 2 Flaschen 2012 Riesling Spätlese trocken, Siefersheimer Goldenes Horn

weiß, trocken, Rheinhessen, Deutschland

Ein weit gefächerter Strauß im Duft: von reifer Aprikose bis Zitrone. Am Gaumen erleben Sie einen sehr frischen und ungeheuer belebenden Riesling, der seine mineralische Ader dem rötlichen Vulkangestein verdankt, auf dem er in einer hohen Südwestlage wächst. Etwas Besonderes!

Einzelpreis 9,80 € // Art.-Nr. 710300111

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wein 2 Flaschen 2012 Weißburgunder Spätlese trocken, vom Löss

weiß, trocken, Rheinhessen, Deutschland

So viel Kraft und Ausdruck sind selten: intensiver Duft mit Anklängen von Birnen, Blumen und Pfirsich. Am Gaumen mit einer beeindruckenden Fülle, die den Wein als Solospieler oder Essensbegleiter trägt und trägt und trägt – ein Weißburgunder, der sich vor seinem grauen Bruder nicht verstecken muss.

Einzelpreis 9,80 € // Art.-Nr. 710301112

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