Leben Ausstellung zeigt Twitter-Kunstprojekt von Ai Weiwei

In seiner Heimat wird er immer wieder schikaniert – das hindert den chinesischen Künstler Ai Weiwei nicht daran, sich per Twitter der Welt mitzuteilen. Das Erlanger Kunstpalais hat daraus jetzt ein Kunstprojekt gemacht.

 

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Der chinesische Künstler und Regimekritiker Ai Weiwei will mit einem Twitter-Kunstprojekt in Erlangen an seine ständige Überwachung durch die chinesischen Behörden erinnern.
Aktuelle Twitter-Kurznachrichten, in denen der in Peking lebende Künstler seine Lage umfassend kommentiert, würden samt weltweiter Reaktionen darauf direkt in eine Ausstellung im Erlanger Kunstpalais übertragen, erläuterten die Ausstellungsmacher am Donnerstag. Die stark von Videos geprägte Kunstausstellung mit dem Titel „Freiheit“ ist von Freitag an bis zum 30. Juni zu sehen.

Sie zeigt auch ältere Bilder von vier Überwachungskameras, die Ai Weiwei als Reaktion auf die staatliche Video-Überwachung selbst installiert hatte. Zwar zwangen die chinesischen Behörden Ai nach nicht einmal zwei Tagen dazu, die Übertragung im Internet zu stoppen.
Die in dieser Zeit aufgezeichneten Bilder habe der Künstler jedoch abgespeichert. Per Internetlivestream würden die Videos von Ai Weiweis Garten, seinem Arbeits- und seinem Schlafzimmer nun in die Ausstellung übertragen.

Ai wurde 2011 wegen angeblicher Steuerhinterziehung für 81 Tage inhaftiert. Er ist einer der prominentesten Dissidenten. Vielen Chinesen gilt der 55-jährige Künstler als soziales Gewissen, weil er gesellschaftliche Probleme, Korruption und Ungerechtigkeit in China thematisiert.

Wie Kunstpalais-Leiterin Claudia Emmert berichtete, sieht Ai Weiwei den Twitter-Kurznachrichtendienst und das Erlanger Ausstellungsprojekt als Möglichkeit, sich trotz der behördlichen Einschränkungen der Welt mitzuteilen. „Wenn ich schon nicht aus Peking herauskomme, so bin ich doch in der Lage, mit der Welt zu kommunizieren“, zitierte Emmert den chinesischen Künstler. Indem er „sich selbst überwacht und die ganze Welt daran teilhaben lässt“, stelle Ai Weiwei zudem die Überwachungsmethoden der chinesischen Behörden auf ironische Weise in Frage.

In Aufsehen erregender Weise setzt sich auch der in Berlin lebende norwegische Künstler Lars Ramberg mit dem Thema „Freiheit“ auseinander. Ramberg präsentiert in einem Video „Big Prison“ (Großes Gefängnis) mehrere zu einem längeren Interview zusammengeschnittene Gespräche mit dem früheren israelischen Nukleartechniker Mordechai Vanunu. Der gebürtige Marokkaner, der nach Veröffentlichung der israelischen Nuklearpläne zu 18 Jahren Haft verurteilt worden war, unterliegt auch nach Verbüßung seiner Strafe noch immer strengen Behördenrestriktionen. Ramberg präsentierte damit das Porträt eines Mannes, dem nach Einschätzung des Künstlers bis heute ein Leben in Freiheit versagt wird.

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