Leben Bei Kultmarke A&F ist der Store der Star

Klamotten von Abercrombie & Fitch sind total angesagt, obwohl es sie hierzulande nicht zu kaufen gibt. Doch bald können auch deutsche Fashion-Fans in den Genuss eines Shoppingerlebnisses kommen, das einem Klubbesuch gleicht. Mumpitz oder tolles Zeug?

Es geht zwar um Klamotten statt um Computer, doch wie bei Produkten von Apple wird die Frage auch bei Abercrombie & Fitch schnell ideologisch: Ist das jetzt überteuerter Yuppie-Mumpitz oder tolles Zeug? Die amerikanische Modemarke, die kurz A&F genannt wird, betreibt auf deutschem Boden bislang keinen einzigen Laden. Dennoch hat sie hierzulande viele Fans. Noch dieses Jahr soll in Düsseldorf der erste A&F-Store Deutschlands aufmachen.

Bald müssen Abercrombie-Anhänger nicht mehr im Internet suchen oder gar in die USA oder ins europäische Ausland reisen – London, Mailand, Kopenhagen, Paris -, um Hosen, Hemden oder Hoodies zu kaufen. Jahrelang waren zum Beispiel die Shirts als USA-Souvenir oder Mitbringsel beliebt. Mancher Trendsetter behandelte die Tüten wie Trophäen.

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Auch Promis wie der TV-Entertainer Stefan Raab haben die Kleidung mit dem typischen Elch-Logo schon getragen – auch wenn Raab nicht gerade dem Idealbild des A&F-Mannes entspricht. In Kampagnen oder im Webauftritt sind eher schlanke Typen im College-Alter zu sehen.

Word-of-Mouth statt Massenkommunikation

„Viele kennen Abercrombie & Fitch nur aus dem Amerika-Urlaub, aus dem Internet oder von Freunden“, sagt Franz-Rudolf Esch, Direktor des Instituts für Marken- und Kommunikationsforschung an der EBS Business School in Oestrich-Winkel. „Gerade diese Verknappung erhöhte bislang die Begehrlichkeit für die Marke, weil sie nicht so einfach für jedermann zu erlangen war“, sagt der Experte.

„Abercrombie & Fitch und die Tochtermarke Hollister nutzen das Prinzip des Word-of-Mouth. Diese persönliche Kommunikation wirkt stärker und ist glaubwürdiger als Massenkommunikation“, sagt Esch. Wahrscheinlich deshalb beantwortet A&F noch lange nicht jede Presseanfrage. Man ist sehr darauf erpicht, die Informationskanäle zu kontrollieren. Klassische Werbekampagnen gelten als unnötig.

Beim German Council Kongress in Berlin, einer Art Gipfeltreffen der Shoppingcenter-Branche, bekamen Fachleute im September einige Expansionspläne zu hören. Richard Collyer, als „Senior Director Real Estate“ sozusagen für die Eroberung Europas zuständig, plauderte aus dem Nähkästchen. Demnach sollen, nach Düsseldorf, im Jahr 2012 auch ein A&F-Laden in Hamburg und einer in München folgen. Von der Tochtermarke Hollister, die bereits seit Ende 2009 in Deutschland vertreten ist, soll es bis 2015 mehr als 30 Shops geben.

„Marke könnte ihren Zauber verlieren“

„Durch die Eröffnung immer weiterer Stores könnte die Marke Gefahr laufen, ihren Zauber für deutsche Konsumenten zu verlieren“, sagt Markenexperte Esch. „Deshalb gilt das Knappheitsprinzip auch für die Zahl der Läden, die man eröffnen kann, um nicht durch ein Überangebot an Begehrlichkeit zu verlieren.“

Viele Texte über A&F beginnen mit einer Schilderung des Shop-Ambientes. Es geht um die langen Schlangen vor den Läden, um die mit Punktstrahlern beleuchteten Kleidungsstücke am Ständer und im Regal, um die parfümgeschwängerte Luft und nicht zuletzt auch immer um die gut aussehenden, grinsenden Verkäufer, die wie makellose Models wirken und zu lauter Musik tanzen. Im Eingang steht ein junger Mann mit nacktem Oberkörper und Waschbrettbauch. Das Einkaufen wird zu einem Erlebnis stilisiert, das Shoppen als eine Art Klubbesuch inszeniert. Das kann man attraktiv finden – oder einfach nur albern.

Deutschland ist kein einfacher Modemarkt

Experten wie Jörg Nowicki von der Fachzeitschrift „Textilwirtschaft“ in Frankfurt sprechen in diesem Zusammenhang von der sogenannten Store-Experience, die hier sehr wichtig genommen werde: Der Store ist der Star. Professor Esch sagt, die „sinnliche, multisensuale Ansprache“ im Laden vertiefe die Bindung an die Marke bei einigen Leuten enorm. Fakt ist: Im Internet gibt es Foren wie anfcommunity.de, in denen Teilnehmer ernsthaft darüber diskutieren, wie viele Quadratmeter welcher Laden habe und ob es in dem einen oder anderen Geschäft auf der Welt vielleicht zu hell sei.

Auch wenn die Zielgruppen recht unterschiedlich sind: Noch vor A&F versuchen zurzeit bereits die Einzelhandelsketten Bershka von der spanischen Inditex-Gruppe (Zara, Pull & Bear) sowie der H&M-ähnliche Einzelhändler Cotton On aus Australien ihr Glück. Sie starteten in Berlin. Seit einiger Zeit wollen auch die Bekleidungsdiscounter Primark aus Irland in Deutschland Fuß fassen.

Doch Deutschland ist kein einfacher Modemarkt. Einige Hersteller blieben in den vergangenen Jahren nur in Nischen beliebt, wie American Apparel etwa. Andere Firmen sind dagegen sogar vorerst gescheitert: Marks & Spencer aus Großbritannien zum Beispiel, Gap aus den USA oder Castro aus Israel.

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