Leben Berlinale mit Putzfimmel

Wie - 40 Filme pro Tag sind Ihnen zu viel? Gibt’s ja gar nicht! Und Sie wollen ein echter Cineast sein? Bei Filmfestivals wie der Berlinale müssen Sie sich soviel Kino reinziehen wie möglich - bis Ihnen das Zelluloid praktisch aus Ohren, Mund und Nase gleichzeitig heraus hängt.

Es gibt sogar Kollegen die zwischen den Vorstellungen immer ein paar Streifen Tesafilm in der Hand kneten – nur um sich in diesen wenigen Minuten nicht zu stark vom Medium Film zu entfernen.

Wichtig ist es natürlich möglichst viele Prominente gesehen zu haben. Dieses Jahr sollen Madonna, Jeff Bridges und Matt Damon über den roten Teppich spazieren. Angesagt hat sich auch der Bundespräsident. Der soll ein so begeisterter Cineast sein, dass er sogar seinen DVD-Player unfallfrei bedienen kann.

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Natürlich guckt sich bei der Berlinale kein Mensch irgendeinen Film bis zum Schluss an. Das wäre ja noch schöner. Dann denken wohlmöglich ihre Sitznachbarn: Der geht hier nur zum Vergnügen hin. Aufmerksamkeit im ganz großen Stil erreichen Sie sowieso erst, wenn Sie einen Kugelschreiber mit eingebauter Lampe haben – also so ein Ding, das leuchtet, wenn sie die Spitze aufs Papier drücken – und während der Vorführungen Notizen machen.

In voll besetzten Kinos kommt dann richtig Stimmung auf: Immer wenn Sie einen Geistesblitz haben, lassen Sie stroboscopartig ihren Kuli aufleuchten. Ihre unmittelbare Nachbarschaft wird sofort schwer begeistert sein. Angeblich wurde beim Filmfest in Cannes ein Kugelschreiber dieser Bauart seinem Besitzer von wütenden Sitznachbarn durchs Ohrläppchen gerammt.

Zum Wettbewerbsprogramm gehören in diesem Jahr Filme mit Demi Moore und Jeremy Irons. Zwei Beiträge kommen aus Deutschland, drei werden in 3-D gezeigt. Es gibt schon Spötter, die behaupten: bei eindimensionalen Handlungen helfe das auch nicht.

Für Journalisten sind auf der Berlinale natürlich Interviews wichtig. Die haben nur einen Nachteil: Mit Stars, die sonst eine Dreiviertelstunde zur Verfügung stehen, können sie dort nur zehn Minuten parlieren. Für Zeitungen mit ganz großen Buchstaben – die deshalb nicht so viel Inhalt brauchen – ist das okay: Bei anderen eher nicht.

Vergnügen wird auf der Berlinale nur nachts groß geschrieben: Dann reiht sich eine Party an die andere. Und wenn sämtlicher Gratisalkohol vernichtet ist, geht es noch zum Kehraus zu Florian oder in die Paris-Bar.

Großes vor hat in diesem Jahr Berlinalechef Dieter Kosslick. Er sagte der Umweltverschmutzung den Kampf an und stellte auf Ökostrom um. Sein wichtigster Beitrag zu weniger Schmutz ist jedoch die Schauspielerin Isabella Rossellini, die er zur Jury-Präsidentin ernannte: Sie gestand: „Ich putze immer selbst.“ Und damit hat der Berlinalechef nicht nur der Umweltverschmutzung ein Schnippchen geschlagen, sondern möglicherweise auch jede Menge Reinigungspersonal gespart.

www.berlinale.de

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