Leben Blacc is Beautiful!

Sie wollen doch nicht behaupten, dass Sie "I Need A Dollar" von Aloe Blacc nicht kennen. Besitzen Sie denn kein Radio oder haben schon lange keine Disco mehr von innen gesehen? Ach was - Sie müssen die letzten sechs Monate in der Einöde verbracht haben. Dieser wunderbare Soulsong wurde hoch und runter gedudelt.

Blacc veröffentlichte mittlerweile ein ganzes Album fantastischer Schmachtfetzen – die zweite Single-Auskopplung „Loving You Is Killing Me“ ist gerade erschienen. Und ab Ende März kommt dieser begnadete Musiker mit seiner Band The Grand Scheme (Der Große Plan – wenn das mal keine Ansage ist!) für eine ausgedehnte Tour nach Deutschland. Im Herbst war er schon einmal hier und hinterließ eine lange Schneise vor Glück weinender Fans. Das dürfen Sie sich dieses Mal keinesfalls entgehen lassen: Blacc is beautiful!

Zu beschreiben, was Blacc fabriziert, ist schwer. Auf jeden Fall handelt es sich um Retro-Soul. Aber irgendwie klingen seine Songs trotzdem nicht nach Sixties oder Seventies, sondern ziemlich zeitlos. Klar, die Ingredienzen sind nicht neu – und der Ex-Rapper aus Kalifornien beherrscht die Kunst des Zitierens: Von Marvin Gaye über Al Green bis Lou Rawles hat er alles drauf, was Musik magisch macht.

Anzeige

Sein Aussehen ist eher gewöhnungsbedürftig. Mit seinen aktuellen Outfits könnte Egbert Nathaniel Dawkins III – so heißt der Mann bürgerlich – auch als schwarzer Jerry Lewis oder Onkel Tom für Arme durchgehen. „I Need a Dollar“ ist übrigens das Intro der TV-Show „How to Make It in America“ und in den USA mittlerweile Kult.

Klar – in einem Land in dem immer noch ganz viele Tellerwäscher Millionäre werden wollen ist so eine Zeile Programm. Doch Blacc ist kein Sozialromantiker: In seinen Texten geht es selten um Herz und Schmerz. Obdachlosigkeit, Arbeitslosigkeit, die Zerstörung der Umwelt und auch eine ziemlich herbe Kapitalismuskritik stehen auf seiner Agenda.

Von Transzendentalisten bis zum französischen Existentialismus

Blacc, der einige Jahre als Unternehmensberater arbeitete, versteht sich als Robin Hood der Rezession – er will arme Schichten an den amerikanischen Wohlstand heran führen. „Für mich hat Musik den Zweck, einen positiven Wandel in unserer Gesellschaft zu hervor zu rufen“, glaubt Blacc.

2001 schloss er sein Studium an der University of Southern California ab. Seine Einflüsse reichen von Transzendentalisten wie Henry David Thoreau und Ralph Waldo Emerson bis zum französischen Existentialismus. Oprah Winfrey, Tavis Smiley und Cornel Wes führten ihn angeblich weg vom „Stream-of-Consciousness“.

Irgendjemand hat die aktuelle Musikindustrie mal mit der Titanic verglichen: Das Ergebnis klingt eher nach einem Bonmot als nach Analyse – falsch scheint es aber nicht zu sein: Als die Titanic unterging hatte sie wenigstens eine gute Band an Bord.

Das ist Quatsch – mit Musikern wie Aloe Blacc muss sich die Musikbranche vor garnichts fürchten.

Hinterlassen Sie einen Kommentar

(Kommentare werden von der Redaktion montags bis freitags von 10 bis 18 Uhr freigeschaltet)

Bitte beantworten Sie die Sicherheitsabfrage (Anti-Spam-Schutz): *Captcha loading...