Leben Bremer Stadtmusikanten mischen Regionalwahlen in Mexiko auf

In der mexikanischen Provinz betreten tierische Kandidaten die Wahlkampfbühne. Aktivisten schlagen im Internet einen Esel, einen Hund, einen Kater und eine Henne zur Wahl vor. Für Wissenschaftler ein Hinweis auf den Unmut über die politische Klasse.

Bei den Regionalwahlen in Mexiko bekommen die Politiker Konkurrenz aus dem Tierreich. Der Esel Chon, der Hund Titán, der Kater Morris und die Henne Tina bewerben sich am 7. Juli um ein öffentliches Amt. Wütende Bürger rufen in den sozialen Netzwerken zur Wahl der tierischen „Kandidaten“ auf, die so manchen an die Bremer Stadtmusikanten erinnern dürften.

Kater Morris will Bürgermeister der Stadt Xalapa im Bundesstaat Veracruz im Osten des Landes werden. Die Facebook-Seite des „Nachwuchspolitikers“ gefällt bereits 100 000 Nutzern, über Twitter folgen ihm 4800 Anhänger. „Nach den ganzen Ratten, die diesen Posten besetzt haben, kann nur ein Kater für Ordnung sorgen“, begründet Morris seine „Kandidatur“. Allerdings sollten seine Wähler nicht zu viel erwarten. „Ich verspreche nicht mehr als die anderen Kandidaten“, sagt Morris. „Ich werde mich ausruhen und herumtollen.“

Die Wähler haben das Vertrauen verloren

Die Scherz-Kandidaturen von Morris und seinen tierischen Kollegen sind nach Auffassung des Rektors der Universität Veracruz Ausdruck eines extremen Glaubwürdigkeitsverlustes der politischen Klasse. Die Wähler hätten das Vertrauen verloren, weil viele Politiker vor allem um ihre Posten besorgt seien und sich nicht um die Probleme der Bürger kümmerten, zitiert das Nachrichtenportal „Al calor del Politico“ Raúl Arias Lovillo. „Ich hoffe, dass nicht noch mehr wie Kater Morris auftauchen. Wir alle hoffen auf gute Kandidaten.“

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Gerade in der Lokalpolitik werden in Mexiko immer wieder schwere Korruptionsvorwürfe erhoben. Vor allem Politiker der Regierungspartei PRI sollen in mehreren Fällen ihre Wahlkampagnen mit Steuergeldern bezahlt haben. „Habt Ihr es satt, für die Ratten von der PRI zu stimmen?“, fragt Morris auf Twitter. „Dann wählt einen Kater! Stimmt für Morris!“

Ein Esel als Bürgermeister
In Ciudad Juárez an der Grenze zu den USA wirb der Esel Chon für sich. „Besser einen Esel als Bürgermeister als einen Esel als Präsidenten“, lautet sein Wahlslogan. Als Esel habe er ein Herz für die Unterdrückten des Landes, heißt es auf seiner Facebook-Seite. „Das ist kein Scherz“, versichert Chon. „Das ist die Geschichte des Kampfes gegen den Autoritarismus und gegen den Mangel an echter Demokratie an unserer Grenze, wo der Bürger noch nie etwas gezählt hat.“

Für das Bürgermeisteramt in der Stadt Tepic im Bundesstaat Nayarit schlägt Chon die Henne Tina vor. In Oaxaca im Süden des Landes tritt der Hund Titán symbolisch an. „Wenn sich die Politiker täglich über uns lustig machen und einen Zirkus mit unseren Steuern veranstalten – warum lassen wir sie nicht gegen einen ehrlichen Kandidaten antreten?“, heißt es auf der Wahlkampfseite des Bernhardiners.

Das Internetphänomen „ist eine Form, den Unmut gegenüber der politischen Klasse auszudrücken“, sagt die Direktorin der politikwissenschaftlichen Fakultät der Universität Iberoamericana, Helena Varela. „Die Bürger haben sie so satt, dass sie einen Kater oder einen Esel allen Kandidaten vorziehen, die sich um ein politisches Amt bewerben.“

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