Leben Bunga Bunga bei der Biennale

Die Eröffnung der Kunstshow in Venedig steht kurz bevor. Und für die Reise nach Bella Italia sprechen gleich mehrere gute Gründe: Neben herrlich schrägen Beiträgen gibt es auch erotisches Rahmenprogramm - ein Kumpel von Silvio Berlusconi mischt mit.

Herrliches Italien – ein Land in dem Kunst, Chaos, Korruption und Bunga-Bunga-Partys zum täglichen Freizeitvergnügen gehören. Sogar Goethe wusste auf seiner Italienreise nicht nur von inspirierenden Begegnungen mit Malern sondern auch von erotischen Abenteuern zu berichten: Et in Arcadia ego! Schon ab dem 4. Juni können auch Sie in Italien ihre ganz persönliche Samenspende abgeben. Dann öffnet in Venedig die Biennale ihre Pforten – nach der Kasseler Documenta die wichtigste Kunstshow der Welt. Mein Tipp: Nix wie hin!Hier tobt in diesem Jahr der Problembär Vittorio Sgarbi: Er ist nicht nur Kurator des italienischen Pavillons, sondern auch Duzfreund des italienischen Ministerpräsidenten Silvio Berlusconi. Sgarbi hat – ein Hoch auf die Vetternwirtschaft – gute Freunde aus seiner Entourage gebeten, etwa 200 Künstler einzuladen. Der berlusconische Volkssport Nummer eins – Bunga-Bunga-Partys – wird jede Menge Zulauf finden, die Anreise wirklich interessanter Künstler aber nicht unbedingt befruchten. Schon Arno Schmidt verballhornte Goethes Reise „gen Italien“ zu „Genitalien“. Und apropos Bär: Wie heißt es bei Goethe: „Der Bär brummt nach der Höhle, in der er geboren ist“. „L’Arte Non È Cosa Nostra“ hat Sgarbi den italienischen Biennale-Beitrag genannt: Ein Wortspiel das bestimmt nicht ohne Grund auf die Mafia, die Cosa Nostra, zielt. Die eher zurückhaltende Chefin des diesjährigen Leistungsschau, die Schweizerin Bice Curiger, wird es nicht leicht haben: Gott sei Dank kuratierte sie nicht nur Ausstellungen mit Titeln wie „Birth of the Cool“ sondern auch eine unter dem schwungvollen Motto „Saus und Braus“.

Chaostage mit internationalem Irrsinn

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Bedauerlich, dass der offizielle Gestalter des deutschen Pavillons – der sausende und brausende Multi-Provokateur Christoph Schlingensief – diese Veranstaltung nicht mehr erleben darf. Ihn riss der Tod aus den Vorbereitungen. Deshalb wird der deutsche Pavillon mit Schlingensief“schen Artefakten bestückt: die Palette reicht von Bühnenbildern über Filme wie zum Beispiel „Das deutsche Kettensägenmassaker“ bis zu seinen Plänen für den Aufbau eines Operndorfes in Afrika.

Klar – diese museale Aufbereitung kann nie und nimmer mit den gagaesken Auftritten des gebürtigen Oberhausener Performance-Genies konkurrieren: Aktionen wie „Tötet Helmuth Kohl“, „Aus Ossis wird Wurst gemacht“ oder „100 Jahre Adolf Hitler“ verstörten nicht nur seine deutschen Fans. Ein Kritiker bezeichnete Schlingensief als „Lichtgestalt unter den Energiesparlampen der Kulturszene“. Dem ist nichts hinzu zu fügen!Also: Nach Jahren gepflegter Langeweile lockt die Lagunenstadt bei der diesjährigen Biennale wieder mit Chaostagen und einem bunten Beutel internationalen Irrsinns. Provokationen wird es sowieso genug geben. Die italienische Installationskünstlerin Rossella Biscotti zum Beispiel, die gerade mit einem Staatspreis prämiert wurde, hat ihre Kollegen aufgerufen, nicht an Sgarbis „populistischer Operation“ teilzunehmen. Sie sollen beim niederländischen Kulturinstitut auftreten. Info: http://www.labiennale.org/en/Home.html

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