Christmas Scorecard „Wir haben die Besinnlichkeit um 23 Prozent gesteigert“

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Die Adventszeit ist nicht nur für Unternehmer die stressigste Zeit des Jahres. Ein BWL-Professor erklärt, welche Management-Tricks helfen, und verrät, wie wir die besten Geschenke finden. Ein nicht ganz ernst gemeintes Gespräch.

impulse: Herr Professor, viele impulse-Leser sind vor Weihnachten besonders im Stress. Sie haben eine „Anleitung zur Besinnlichkeits-Maximierung“ geschrieben. Was ist Ihr Trick?

Bernd Stauss: Die konsequente Anwendung betriebswirtschaftlicher Methoden bei der Vorbereitung des Weihnachtsfests und der Auswahl der Geschenke. Ein strategisches Planungsinstrument, das die Erreichung des strategischen Weihnachtsziels Besinnlichkeit sicherstellt, ist die Christmas Scorecard.

Ähm, die was bitte?

Die Christmas Scorecard – kurz CSC – ist die für Weihnachten adaptierte Version der Balanced-Scorecard-Methode, mit deren Hilfe eine umfassende strategische Steuerung des Weihnachtsfests möglich ist. Meine Familie erreichte damit unter Berücksichtigung der Zeit- und Motivationskosten eine Steigerung der Besinnlichkeit um 23 Prozent.

Das ist beeindruckend.

Ein Mangel an Besinnlichkeit entsteht oft durch dysfunktionale Entscheidungen, die sich als besinnlichkeitsverhindernd erweisen. So könnte man vorschnell beschließen, Besinnungszeit durch den Verzicht auf Geschenkebedarfsermittlung und -beschaffung zu gewinnen. Wenn aber dadurch die Weihnachtszufriedenheit der Kinder so stark vermindert wird, dass die quantitativ gewonnene Besinnungszeit nicht mehr qualitativ besinnlich ausfällt, dann ist das Ergebnis suboptimal.

Die Kinder heulen also, weil es keine Geschenke gibt? 

So könnte man es auch ausdrücken. Um dies zu verhindern, bedarf es eben eines strategischen Planungsinstruments, das die Interessen von Eltern, Kindern sowie alle Input-und Output-Faktoren wie Zeit und Geld berücksichtigt.

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Geschenke sind also ein gutes Instrument, um die Besinnlichkeit unterm Weihnachtsbaum zu maximieren. 

Aber nur, wenn es die richtigen Geschenke sind. Tatsächlich liegt eine Ursache für mangelnde Weihnachtszufriedenheit mit der Gefahr erheblicher familiärer Loyalitätseinbußen darin, dass die falschen Geschenke ausgesucht werden. Das passiert immer wieder, eigentlich jedes Jahr. Das liegt vor allem an der mangelnden Kenntnis, wie man die Geschenkpräferenzen exakt ermittelt.

Wie würden Sie vorgehen?

Es empfiehlt sich eine bedürfnisgerechte Geschenkwunschermittlung mit Hilfe des Conjoint-Verfahrens.

Wie meinen???

Dabei wird der individuelle Gesamtnutzen eines Geschenkes errechnet, indem der Teilnutzen bestimmt und addiert wird. Bei einer Krawatte zum Beispiel gibt es Eigenschaften, die unterschiedlich hohen Nutzen für den Beschenkten haben: der Stoff oder das Muster. Wenn Sie einem Hertha-Fan eine Hertha-Krawatte schenken wollen, hat das Hertha-Muster einen höheren Nutzen als der Stoff. Dann können Sie am Stoff sparen, am Muster aber auf keinen Fall. Ein Schalke-Muster würde den Gesamtnutzen auf null senken.

Würde es nicht auch ein Wunschzettel tun?

Früher hat man solche einfachen Geschenkbedarfsermittlungsinstrumente tatsächlich eingesetzt. Doch diese Form führt zu ungenauen Ergebnissen, allein schon wegen orthographischer Mängel. Zudem ist das Instrument meistens den Kindern vorbehalten, sodass es für die Ermittlung des Geschenkbedarfs älterer Familienmitglieder eines eigenen Instruments bedarf.

Sie haben auch analysiert, wie viele Weihnachtslieder gesungen werden sollten, um die Besinnlichkeit zu maximieren. 

Hier müssen zwei Arten von Kosten berücksichtigt werden: die Gesangswiderstandskosten speziell bei männlichen Familienmitgliedern. Diese sinken, je länger man singt. Und die Bescherungsaufschiebungskosten, die bei Kindern besonders hoch sind und mit der Zahl gesungener Weihnachtslieder steigen.

Und wenn Sie diese beiden Kostenkurven übereinander legen?

Dann haben wir die Gesangskostenkurve. Deren Minimum bestimmt die optimale Zahl der Strophenzeilen. Eine mögliche Folge wäre dann, dass man bei „Stille Nacht“ die zweite Strophe zwar noch beginnt, aber bei „Oh wie lacht“ endet.