Leben Das iPad 2 im Einsatz

Klein und handlich soll es sein. Aber auch leistungsstark und leicht bedienbar. Die Kriterien für Tablet-PC waren schon immer die gleichen. Doch nur Apple schien mit dem iPad alles richtig gemacht zu haben. Zu einer Zeit, in der die Konkurrenz langsam aufschließt, kommt das iPad 2. Wir haben es getestet.

Es verwundert kaum noch, dass Apple in eine bestehende Produktkategorie eindringt, den Markt von Grund auf umkrempelt, lange Zeit dominiert und die Konkurrenz sich enorm schwer tut, vergleichbares auf den Markt zu bringen. So geschehen mit dem MP3-Player iPod, beim iPhone als Smartphone und nicht zuletzt mit dem iPad im vorher nahezu toten Tablet-PC-Markt.

Fast wie in Schockstarre scheinen die Wettbewerber zu verharren. Da hilft es nicht, dass vor allem die Fachpresse Konkurrenzprodukte als „im Grunde überlegen“ bezeichnen und die Versäumnisse der Apple-Gadgets herausstellt. Schnellere Grafik, hochauflösende Kamera, mehr Anschlüsse, höhere Kompatibilität, all das bringen die anderen mit. Die Liste ließe sich beliebig weiter führen. Doch bei mobilen Endgeräten scheinen die Käufer weniger auf Leistung als vielmehr Optik und einfache Handhabung zu schauen. Und auf diese beiden Punkte haben Steve Jobs und sein Team offensichtlich ein Monopol.

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Ich habe das iPad 2 anhand von Alltagskriterien im Testlauf gehabt. Dabei habe ich es als eigenständiges Gerät betrachtet: Vergleiche mit seinem Vorgänger gibt es nur dort, wo es sich unmittelbar anbietet.

Erster Eindruck

Der erste Gedanke, der mir beim Anblick des iPad 2 durch den Kopf schießt ist: „Echt dünn!“ Zu dünn? Kann es solche Zweifel überhaupt geben, wo doch alle in der IT-Szene auf dünn, dünner am dünnsten stehen? Ich meine ja. Doch im Falle des iPad 2 werden Bedenken nach den ersten Berührungen schnell ausgeräumt. Die verbliebenen 8,8 Millimeter Dicke fühlen sich sehr hochwertig an und das Gerät macht einen extrem stabilen Eindruck.

Beim Blick auf das Display unterscheidet es sich nicht wirklich von seinem Vorläufer. Zumindest auf den ersten, schnellen Blick. Auf den zweiten Blick entdecke ich auf der Vorder- und Rückseite die dezenten Kameras. Darüber hinaus bleibt Apple jedoch seiner Linie und somit dem bestehenden Designkonzept treu: form follows function. An der Optik wird so wenig wie nötig verändert.

Wer das Vergnügen mit dem ersten iPad hatte, dem wird sofort das geringere Gewicht positiv auffallen. Ob es dadurch besser oder schlechter in der Hand liegt, muss jeder für sich entscheiden. Mir fällt der Konsum einer iPad-Ausgabe des Computermagazins „Wired“ jedenfalls buchstäblich leichter. Ein kleiner Faktor hebelt diesen Eindruck allerdings wieder aus – aber dazu später mehr.

Ansonsten ist beim neuen iPad zumindest äußerlich alles beim Alten.

Mobiles Arbeiten

Ich schaue aus dem Fenster und stelle fest: Es ist Frühling und die Sonne verwöhnt den Norden Deutschlands seit langem wieder mit Anwesenheit. Ein guter Zeitpunkt, um mir das Testgerät zu schnappen und die Redaktionsräume gegen ein Plätzchen an der Elbe einzutauschen.

Ab diesem Zeitpunkt schreibe ich diese Zeilen nun auf der virtuellen Tastatur des iPads. Zwar kann auch eine externe Tastatur via Bluetooth verbunden oder über den Connector angeschlossen werden. Für mich bedeutet mobile Freiheit jedoch auch, mich nicht mit solchen Accessoires abschleppen zu müssen.

Anfangs war ich immer skeptisch, wenn Kollegen auf Messen mit dem iPad ihre Texte verfasst haben. Jetzt muss ich aber feststellen, dass mit ein wenig Übung sogar richtiger Schreibfluss entstehen kann. Ich würde zwar immer noch keinen Roman oder wissenschaftliche Arbeit auf dem Pad schreiben, doch kleine bis mittellange Texte oder das Überarbeiten oder Korrigieren bestehender Dokumente sind kein Problem.

Manchmal vermisse ich Maus oder Tastatur

Mir fehlt allerdings die Möglichkeit, schnell an bestimmte Textstellen zu springen. Mit einer normalen Tastatur funktioniert das über die Pfeiltasten sehr gut. Hier muss ich kurz auf das Display drücken und der Zeiger erscheint im Text. Apple hat das System zwar überarbeitet und mittlerweile lässt sich auch per Finger der Cursor an jede beliebige Stelle schieben, doch komfortabel ist das noch immer nicht.

Erfreulicher weise gibt es mittlerweile Software, mit der auch klassische Office-Anwender ihre Dokumente mobil auf dem iPad erstellen oder weiter bearbeiten können. Quickoffice oder iWork sind zwei Beispiele, die neben Textverarbeitung Managern auch die Option geben Präsentationen oder Tabellenkalkulationen auf dem Weg zum nächsten Meeting auf den neusten Stand zu bringen. Das macht das Gerät auch im Arbeitsumfeld zu einer Alternative – zumindest zum kleinen Zweitnotebook.

Ich schicke diesen Abschnitt dank integriertem Mobilfunkzugang per Mail in die Redaktion und kehre an meinen Schreibtisch zurück.

iPad goes Big Screen

Eine große Auswahl an externen Anschlüssen bietet Apple auch beim iPad 2 nicht an. Doch zum Launch hat das Unternehmen seinen Kunden zumindest einen optionalen HDMI-Adapter spendiert. Eine Kleinigkeit, die jedoch einen großen Effekt hat.

Mit diesem kleinen Zusatz lässt sich das Bild des Pads auf externen Bildschirmen anzeigen. So wird das Gerät zum Zuspieler für große Bildschirme. Ob Bilder, Filme oder Internet surfen auf dem heimischen TV-Bildschirm oder eine Präsentation im Meeting via Beamer an der Wand.

Im Test klappt das mit meinem Flachbildfernseher ohne Probleme. Ich schaue mir eine TV-Serie an und gehe danach ins Netz. Beides erscheint in guter Qualität auf dem 42-Zoll-Bildschirm. Ich wünschte mir nur ein längeres Kabel, dass ich mit dem iPad vom Sofa aus agieren kann.

Der Adapter funktioniert übrigends auch mit dem ersten iPad und dem iPhone 4.

Mögen die Spiele beginnen

Bereits iPod Touch, iPhone und das erste iPad haben den Markt für mobile Spiele nachhaltig aufgemischt. In Sachen Leistung und Display können diese Geräte der Konkurrenz von Nintendo (DSi) und Sony (Playstation Portable) das Wasser reichen.

Hinzu kommt der Preis: Spiele für Apples mobiles Betriebssystem iOS kosten im iTunes Store häufig ein Bruchteil dessen, was Nutzer ausgewiesener Spielkonsolen berappen müssen. Und das bei nahezu gleicher Qualität. Natürlich bemühen sich gerade die großen Spielefirmen ihren eigenen Titeln auf den unterschiedlichen Plattformen keine eigene Konkurrenz zu machen. Doch immer häufiger veröffentlichen auch Publisher wie Electronic Arts oder Ubisoft dezidiert angepasste Versionen ihrer Spiele.

Mit dem iPad 2 hat Apple noch einmal nachgelegt und die Grafik- und Prozessorleistung so angehoben, dass auch optisch anspruchsvollere Spiele flüssig über den Schirm laufen – und das durchaus beeindruckend.

So macht Spielen Spaß

Zum Anspielen habe ich mir das Rennspiel Real Racing 2 HD vorgenommen, das nach einem Update sogar in der Full-HD-Auflösung von 1080p gespielt werden kann. Hier greift der Entwickler in die Vollen und reizt die Möglichkeiten des neuen Systems aus. Neben der sehr ansehnlichen grafischen Darstellung haben die Macher zusätzliche Funktionen zum Einsatz gebracht. Nicht nur, dass ich die Rennen über meinen Flachbildfernseher erleben kann, auf dem Display des iPad erscheinen separate Information zu Streckenverlauf, Rennstatistiken und so weiter. Das macht Spaß! Damit macht das iPad nicht nur mobilen Spielgeräten Konkurrenz, es rückt auch stationären Konsolen wie Playstation 3 oder Xbox 360 deutlich auf den Pelz. Nintendos Wii lässt es grafisch bereits jetzt deutlich hinter sich.

Ein weiterer Titel ist eine Empfehlung eines Freundes, der ihn bereits auf dem ersten iPad gespielt hat und schon dort sehr angetan von Grafik und Spieltiefe war. Es handelt sich um Infinity Blade einem Rollenspiel, das thematisch im Mittelalter angesiedelt und mit Rittern und Fabelwesen gespickt ist. Solche Spiele arbeiten in der Regel viel mit opulenten Bildern und eignen sich gut, um eine entsprechende Leistung zu testen. In diesem Fall haben wir iPad 1 und 2 nebeneinander gelegt und stellen fest: das Spiel hat grafisch in der Tat noch einmal zugelegt. Bilder werden beim iPad 2 noch einmal glatter und satter dargestellt.

Da ich selber leidenschaftlicher Videospieler bin, hätte ich es offen gestanden nicht für möglich gehalten, aber das iPad 2 überzeugt mich auf ganzer Linie. Wenn jetzt noch mehr Spielekonzepte kommen, die wie Real Racing die Besonderheiten und das Funktionsangebot (3-Achsen-Gyrosensor, Beschleunigungssensor, Umgebungslichtsensor uvm.) dieses Gerätes zu nutzen wissen, dann halte ich sogar eine Wachablösung im Bereich Spielkonsolen für möglich.

Das Beste: ein Extra

Anfangs hatte ich angedeutet, dass sich beim Faktor Gewicht eine Sache negativ auswirkt. Und diese Sache ist ausgerechnet ein optionales Accessoire, das ich als ein Highlight des iPad 2 bezeichnen möchte: das iPad Smart Cover. Dahinter verbirgt sich ein sehr cleverer Display-Schutz. Mittels einer magnetischen Leiste lässt sich das Cover als Deckel an das iPad heften. Das alleine wäre nur ein nettes Gimmick.

Der Deckel hat jedoch mehr als nur den Schutz des Statussymbols im Sinn. Das Gerät reagiert nämlich aktiv auf das Cover und geht automatisch in den Stand-by, sobald das Display verdeckt ist. Im Gegenzug ist das iPad beim Aufklappen ohne Entriegeln sofort einsatzbereit. Ein weiterer Pluspunkt in Sachen Nutzerfreundlichkeit.

Nicht weniger „smart“ ist die Möglichkeit, das faltbare Cover als Ständer für das Gerät zu nutzen.

Doch was hat das alles mit dem Gewicht zu tun? So praktisch das Smart Cover auch ist, es erhöht leider das Gesamtgewicht des iPads nicht unerheblich, so dass zumindest dieser Vorteil zum Vorgänger wegfällt. Allerdingskann ich das Cover aber auch einfach abmachen, wenn ich es beispielsweise beim Lesen länger in den Händen halten möchte.

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