Leben Die etwas andere Klassikvorstellung

Herbert Feuerstein. Genau – das ist dieser TV-Clown, der für einen Kalauer sogar seine Großmutter umbringen würde. Richtig: diese unermüdliche Witzspritze, die bei "Schmidteinander" immer den Watschenmann für den großen Harald geben musste. Dieser Westentaschen-Giftzwerg macht jetzt in Klassik!

Wie? Das glauben Sie nicht. Dann sollten Sie am nächsten Freitag, 15.April, im Berliner Kulturzentrum Radialsystem vorbei schauen: Dort präsentiert das journalistische Universaltalent die Veranstaltung „Feuerstein führt Klassik ein“.

Und so etwas macht der Ex-Salzburger – der schon nach knapp zwei Jahren vom dortigen Mozarteum geschmissen wurde – nicht zum ersten Mal. Mit seinem bärbeißigen Humor versucht er auch Musikbanausen an das unter Geriatrieverdacht stehende Klassikgenre heran zu führen.
Dabei kommt es zu so bizarren Themenideen wie „Liebe und Sex für Komponisten“. Eigentlich wollte Feuerstein diese Veranstaltung mit dem eher nach Dieter-Bohlen-Deutsch klingenden Titel „Die schönsten Werke der geilsten Komponisten“ versehen. Dann nannte er den Abend doch lieber „Herz-Rhythmus-Störungen“. Auch sein Josef-Haydn-Programm ist vielen Besuchern in bester Erinnerung. Der gagverliebte Moderator erinnert sich natürlich in erster Linie an die Kalauer. „Das war ein Haydn-Spaß“, grinst er.

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Klar – dieser Mann, der einst Klavier, Cembalo und Komposition studierte um dann Chefredakteur des Satiremagazins „MAD“ zu werden – reagiert wie ein Zirkuspferd. Hat er auch nur zwei Menschen vor sich, wittert er sofort Publikum. Deshalb führt das Stichwort Mozart direktemang zur „Fummel-Theorie“. „Man fragt sich doch, warum in Mozarts vierhändigen Sonaten der zweite Part oft so lange Pausen hat“, sagt er und nickt verschwörerisch. „Dieser Kerl versuchte bestimmt seinen Schülerinnen an die Wäsche zu gehen.“

Feuerstein’s Interpretation der klassischen Musik

Wichtigstes Anliegen des selbst ernannten Klassikexperten ist es „den so genannten feierlichen Ernst zu brechen, der im Konzertsaal gar nicht angemessen ist und auch so nie existiert“ habe. Früher ging es seiner Meinung nach in den Konzertsälen „ganz fürchterlich zu“. In der „höfischen Gesellschaft konnte man kein Konzert genießen,“, glaubt er, „weil alle Lärm machten und Witze erzählten, während sich die Sänger einen abgerissen haben.“
In seiner alten Heimat Österreich tritt der Ex-Journalist nur noch selten in Erscheinung. Nicht ohne Grund. Pfarrer und Pastoren versetzte er dort als „Orgelschänder“ in Angst und Schrecken: „Ich hatte immer einen Schraubenzieher dabei um Orgeln kurzzuschließen und zu spielen“, erzählt er. Und dass obwohl er am liebsten „vierfüßig“ spielt.

Mit dem gutbürgerlichen Ausklang seiner eher grobhumorigen Berufskarriere scheint der meist als Profinörgler agierende Feuerstein nicht unzufrieden zu sein. Sogar eine Grabinschrift hat er schon ausgewählt: Da er ganz besonders stolz auf seine Comic-Ideen als MAD-Chefredakteur ist, soll dort stehen: „Lechz, hechel, ächz, würg“!

Infos: www.radialsystem.de

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