Leben Ein Krippenplatz für 1300 Euro im Monat

Ein Vollzeit-Job heißt in den meisten Firmen immer noch: 9 bis 17 Uhr. Mit den Öffnungszeiten normaler Kitas passt das nicht zusammen. Private Anbieter wie die Münchner Wichtel Akademie bieten Betreuung bis abends. Bezahlbar sind sie aber nur für Spitzenverdiener.

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Der Mangel an Krippenplätzen in den deutschen Großstädten lockt immer mehr private Anbieter auf den Markt. Sie heißen Wichtel Akademie, Bengel & Engel oder Villa Ritz und setzen dort an, wo städtische oder kirchliche Einrichtungen aufhören: Mit XXL-Öffnungszeiten und ganzjähriger Betreuung auch in den Ferien punkten sie vor allem bei Eltern, die beruflich stark eingespannt sind und es sich leisten können, bis zu 1300 Euro pro Monat für die Betreuung ihres Kleinkindes zu zahlen. Besonders in den Großstädten sind viele Eltern auf der Suche nach der passenden Kindertagesstätte zur Karriere.

Der Rechtsanspruch auf einen Betreuungsplatz für ihr Kind ab dem 1. August hilft ihnen kaum: Nicht nur, weil wohl immer noch mehr als 100 000 Plätze fehlen – sondern auch, weil die meisten Kitas die Wünsche der Vollzeit-Berufstätigen nicht erfüllen. „Rechtsanwälte, Ingenieure oder Ärzte sind zeitlich so eingespannt, dass sie nicht mit den 08-15-Öffnungszeiten einer normalen Kita auskommen“, sagt Werner Schipmann vom Bundesverband privater Träger der Kinder-, Jugend- und Sozialhilfe.

Häufig keine andere Wahl

Wenn der örtliche Kindergarten schon um 13 Uhr schließt und die Oma weit entfernt wohnt, bleibe ihnen kaum etwas anderes übrig, als einen privaten Anbieter zu wählen – auch wenn er deutlich teurer ist. „Die mangelhaften Öffnungszeiten betreffen aber auch weniger betuchte Eltern, die als Lastwagenfahrer arbeiten oder bei Lidl an der Kasse sitzen“, sagt Schipmann. Sie hätten noch größere Probleme, da sie sich aus finanziellen Gründen gar keine Alternative leisten können.

Der Bundesverband kämpft deshalb seit Jahren darum, dass die privaten Einrichtungen finanziell genauso unterstützt werden wie die gemeinnützigen – und damit nicht nur für betuchte Eltern infrage kommen. „Sonst zementiert sich die Zwei-Klassen-Gesellschaft.“ In einigen Bundesländern würden die privaten Träger überhaupt nicht gefördert und müssten deshalb Preise verlangen, die nur Spitzenverdiener zahlen könnten.

Private betreuen länger

Die meisten privaten Krippen oder Kindergärten haben bis in die Abendstunden geöffnet, einige wie „Bengel & Engel“ in Hamburg bieten sogar Übernachtungen an, wenn die Eltern auf Dienstreise sind oder Nachtschicht haben. „Bei uns müssen die Eltern keine Angst haben, dass ihr Kind vor die Tür gesetzt wird, wenn sie nicht pünktlich da sind“, sagt der Geschäftsführer der Münchner Wichtel Akademie, Patrick Smague. Wenn ein Flug Verspätung hat oder eine Besprechung in der Firma länger dauere, dann warte man eben. Notfalls reicht auch eine Mail vom Smartphone von unterwegs. „Wir sehen uns als Dienstleister.“

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