Leben Fluggäste verzweifelt gesucht: Ausfälle machen Calden zu schaffen

Die Hiobsbotschaften für den Regionalflughafen Kassel-Calden reißen nicht ab, die Kritik auch nicht. Wieder wurden Flüge abgesagt. Der im April eröffnete Flughafen hat einen denkbar schlechten Start.

In der Ferne ist ein kleines Flugzeug im Anflug, ein zweites ist gerade gelandet. Doch es biegt nicht in Richtung des neuen Terminals am Flughafen Kassel-Calden ab, sondern fährt zum Privatbereich des Airports. Das ist das Problem: Flugverkehr gibt es auf dem umstrittenen Flughafen reichlich:  In den ersten sieben Monaten des Jahres, also inklusive der Zeit vor der Eröffnung des neuen Airports, gab es nach Flughafen-Angaben knapp 14 000 Flugbewegungen und insgesamt 27 000 Passagiere. Nur: Es kommen eben kaum große Ferienflieger.

„Für die wenigen Ferienflüge hätte man nicht 271 Millionen Euro der Steuerzahler in die Luft blasen müssen“, schimpft Karin Müller, Sprecherin der Grünen für Verkehr im Landtag. Die Partei fordert nun Transparenz über die jährlichen Betriebskosten. Die Antwort der Landesregierung steht noch aus. Dass der Flughafen im Fokus steht, wundert Flughafen-Chefin Maria Muller nicht. „Vergessen Sie bitte nicht, wir haben Wahlkampf in Hessen und da bleibt kein Schwimmbad und kein Flughafen verschont.“

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Die Identifikation der Bewohner der Region ist dennoch immens groß, trotz – oder gerade wegen – der anhaltenden Kritik an der Wirtschaftlichkeit des Flughafens in Nordhessen:  „Immer wird nur geschrieben, hier ist nichts los. Die Berichterstattung ist sehr einseitig. Da kommt es mir hoch“, sagt Brigitte Koban, die am Flughafen im Reisebüro arbeitet. „Die Lage ist grausam, das wissen wir. Aber das Objekt ist da, hier arbeiten Menschen und alle geben sich Mühe“, betont die Kasselerin. Zudem habe sich der Flughafen als Ausflugsziel etabliert. „Sonntags ist es hier richtig voll“, berichtet Koban. Doch Besucher sind eben keine Fluggäste.

Denkbar schlechter Start

Im Terminal-Restaurant sind an diesem Vormittag lediglich vier Tische besetzt – kein Wunder, der nächste Flieger startet erst abends um halb acht nach Mallorca. Es ist der einzige an diesem Tag. Immerhin, denn zuletzt wurden auch noch die Flüge nach Teneriffa gestrichen. Der vorerst letzte Flug zur spanischen Ferieninsel ist für diesen Donnerstag geplant, ursprünglich standen diese bis Ende Oktober im Flugplan. Die Verbindung sei nicht so stark gebucht worden wie erhofft, sagt ein Sprecher der DER Touristik Köln. Koban hat da einen anderen Eindruck. „Die Nachfrage ist da. Aber weil es keine Flüge gibt, muss ich die Kunden schweren Herzens für andere Flughäfen buchen.“

Der im April eröffnete Flughafen erwischte einen denkbar schlechten Start. Erst liefen die Baukosten aus dem Ruder – statt zunächst geplanten 151 Millionen Euro waren es 271 Millionen Euro. Allgemeine Unsicherheit in der Luftfahrtbranche und nicht zuletzt das Chaos am Berliner Flughafen mit den verschobenen Eröffnungsterminen führten dazu, dass auch in Kassel Fluggesellschaften zurückhaltend waren. „Das Jahr 2013 ist ein sehr kritisches Jahr für die gesamte Luftverkehrswirtschaft“, erklärt Flughafen-Chefin Muller.

Flugausfälle und gestrichene Verbindungen

Bereits nach der Eröffnung fielen vereinzelt Flüge aus, dann führte die Pleite einer Airline zu weiteren Flugausfällen. Erst vor kurzem wurde bekannt, dass – außer den letzten, bis Oktober geplanten Verbindungen nach Teneriffa – auch Flüge nach Antalya abgesagt wurden. Aktuell werden nach Flughafen-Angaben noch Palma de Mallorca und das kroatische Split regelmäßig von Calden aus erreicht. Muller gibt sich zuversichtlich: „Dafür, dass einige Kritiker im Vorfeld gesagt haben, dass hier nie ein großes Flugzeug abheben wird, sind wir schon ein paar Schritte weiter.“

Doch für den Winterflugplan sieht es noch schlecht aus. „Der Winter ist kein Ponyhof für einen Regionalflughafen. Der erste Winter wird sehr schwer, viele Airlines fürchten den nächsten Jahreswechsel und legen sogar Flugzeuge still. Mitte September wissen wir mehr“, sagt Muller. Für den Sommerflugplan 2014 gebe es aber bereits erste Abschlüsse.

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