Leben Gib mir Feuer!

Es gibt Bands, die spielen genauso wie sie aussehen. Bei den Rolling Stones ist das ein Problem. Deshalb sollten Sie ein Konzert von Jennifer Rostock besuchen.

Gib mir Feuer – dann steck dein Streichholz wieder ein

Gib mir Feuer – dann geh bitte wieder heim

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Die Zigarette danach rauch ich lieber allein

Wie? Diesen Text der jungen Ost-Band Jennifer Rostock finden Sie pubertär? Stimmt – ist er auch! Genau das ist aber das Geniale daran. Und die Musik? Gut geraten: Die ist ebenfalls pubertär: Exakt so, wie gute Rockmusik sein muss. Da donnern die Gitarrenriffs, knallt das Schlagzeug, stottern die Keyboards – und über allem schwebt die Präsenz und rotzige Stimmgewalt der Sängerin Jennifer Weist. Zwischen Casio-Piepsen, schrillen Riffs und herrlich pubertierenden Krawalltexten versucht die Formation, echte Gassenhauer rauszurotzen. Das klappt nicht immer so perfekt wie bei dem mittlerweile legendären Hammerstück „Hast du Feuer?“, funktioniert aber meistens.

Regression – das wissen wir spätestens seit Sigmund Freud – gehört zum täglichen Leben. Da gibt es 50-Jährige die noch Kuscheltiere in ihrem Auto drapieren, 60-Jährige die in knallengen Jeans durch die Gegend wackeln oder 70-Jährige die Kinder in die Welt setzen. Nicht vergessen darf man natürlich den mittlerweile 106-jährigen Johannes Heesters. Egal wo er von seiner Ehefrau abgestellt wird, lautet seine erste Frage: „Darf ich hier rauchen?“

Also – auf was warten Sie noch? An diesem Wochenende sollten auch Sie sich eine Runde Pubertät gönnen. Besuchen Sie ein Konzert von Jennifer Rostock. Dort fallen Sie noch nicht einmal auf: Die Energie der Band lässt das Publikum grundsätzlich alt aussehen! Natürlich sollten Sie Ihre alte Bikerjacke nur dann anziehen, wenn Sie ihnen noch passt. Und bitte keine Pseudo-Tattoos aufmalen. Ins Schwitzen kommen Sie bestimmt. Da wäre es ziemlich peinlich, wenn der Totenkopf auf Ihrem Oberarm plötzlich zerläuft.

Auf jeden Fall macht die Musik dieses Power-Quintetts riesigen Spaß. Stilistisch changiert das Ganze irgendwo zwischen Hardrock, Punk und NDW – manchmal fühlt man sich in das Berlin der späten Siebziger zurückversetzt. Bilder von Nina Hagen, Ideal und PVC tauchen auf. Die Texte wirken zwar – vorsichtig ausgedrückt – seeeeeeehr juvenil, sind aber immer absolut direkt und richtig klasse. Hier gibt es keine Musik-Text-Schere. Jennifer Rostock sind in erster Linie eine Liveband. Bei ihren schweißtreibenden Auftritten bleibt selten ein Auge trocken – auch der Rest wird meistens feucht.

Falls sie spätpubertäre Kinder haben – die können Sie natürlich mitbringen. Ihre Eltern jedoch sollten sie besser zu Hause lassen. Das ist genau die Art von Musik, vor der ihr Vater Sie immer gewarnt hat.

Infos:
www.jennifer-rostock.de

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