Leben „Grand Budapest Hotel“: Wes Andersons neues Meisterwerk

Auschnitt eines Szene aus dem Film "Grand Budapest Hotel"

Auschnitt eines Szene aus dem Film "Grand Budapest Hotel"© Courtesy of Fox Searchlight

Mit dem Film "Grand Budapest Hotel" eröffnete die Berlinale, nächste Woche kommt der Streifen in die Kinos. Mit einer kunstvollen Ausstattung und einem großen Staraufgebot erzählt er die abenteuerliche Geschichte eines legendären Concierges, es geht um den Diebstahl eines wertvollen Gemäldes - und den Streit um ein großes Familienvermögen.

Perfekter Scheitel, lila Jackett, stets gut parfümiert und ein Händchen für betagte, reiche Damen: Monsieur Gustave alias Ralph Fiennes ist Chef-Concierge im Grand Budapest Hotel, das Wes Andersons neuer Komödie ihren Namen gibt. Noch mehr als in früheren Werken hat der US-Regisseur darin eine völlig eigene Märchenwelt erschaffen, das osteuropäische Fantasieland Zubrowka.

In der Leinwandgeschichte verteidigt Gustave seinen Ruf als Charmeur. Er bezirzt die Gäste und befriedigt auch ihre intimsten Gelüste, besonders die der weiblichen Reisenden, egal, wie verknittert sie sind. Viele von ihnen kommen nur seinetwegen in den alpinen Kurpalast. Ein Anliegen, das Gustave aus der Fassung bringt, gibt es im Leben nicht. Der Wunsch, der das vermag, ist der letzte einer Toten.

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Seine unter mysteriösen Umständen verstorbene Stammkundin Madame D. (Tilda Swinton) verfügt, dass ein wertvolles Gemälde in seinen Besitz übergehen soll. Doch die Familie der Gräfin, allen voran ihr skrupelloser Sohn Dimitri (Adrien Brody), fühlt sich um das Erbstück betrogen und sinnt auf Rache. Dimitris Scherge Jopling (Willem Dafoe) nimmt Gustaves Verfolgung auf. Gustave dagegen bekommt Hilfe von seinem treuen Lehrling (Tony Revolori) und der Gesellschaft der gekreuzten Schlüssel, ein Geheimbund der Hoteldiener in den wichtigsten Häusern der Welt.

Rausch der Sinneseindrücke

Die fiktive Geschichte beginnt im Jahr 1932. Sie stammt aus der Feder eines ebenso imaginären, namenlosen jungen Autors (Jude Law). Der hört von Gustaves irrwitzigen Erlebnissen erst viele Jahre später, als er 1968 selber das inzwischen verfallene Grandhotel besucht. Die Rahmenhandlung macht aus Gustaves Biografie eine Legende in der Legende.

Mit dem „Grand Budapest Hotel“ hat der akribische Leinwandkünstler Wes Anderson ein synästhetisches Spektakel geschaffen, einen Rausch der Sinneseindrücke. Dafür ließ er sich unter anderem von den Schriften des österreichischen Romanciers Stefan Zweig inspirieren. Zur beachtlichen Besetzung gehören neben den genannten Darstellern auch Bill Murray, Harvey Keitel, Edward Norton, Saoirse Ronan und Owen Wilson. Eine Bemerkung verdient die grandiose Musik des Filmkomponisten Alexandre Desplat, für die er unter anderem einen „Sudetenwalzer“ geschaffen hat.

Anderson parodiert historische Entwicklungen

Eine große Rolle für den Look des Films spielen die farbenprächtigen Kostüme. Sie stammen von der dreifachen Oscar-Gewinnerin Milena Canonero, die auch Andersons Filme „The Darjeeling Limited“ und „Die Tiefseetaucher“ mitgestaltet hat; zuvor arbeitete sie bereits mit Altmeistern wie Stanley Kubrick, Francis Ford Coppola und Sydney Pollack. Die Stoffe leuchten knallig wie eine Bonbonkiste: signalrot und brombeerlila, babyblau und softrosa. Anderson inszeniert mit dieser Palette gern spleenige Standbilder. Sie sehen aus wie Filmgemälde, perfekt bis zur Pedanterie, und sind Teil von Andersons Markenzeichen: einer überaus skurrilen Komik.

Der Regisseur parodiert in seinem neuen Film historische Entwicklungen in der ersten Hälfte des zwanzigsten Jahrhunderts, von den Überbleibseln der Belle Époque über den Faschismus bis hin zum Kommunismus. Die Geschichte rafft viele Menschenleben dahin, das Grand Budapest Hotel aber überlebt alle Strömungen. So wird auch Andersons Opus Magnum die Moden der Filmästhetik überdauern.

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