Leben Im Reich der Superreichen: In China wächst die Zahl der Milliardäre

Eine Wasserstraße in Zhouzhuang in der chinesischen Provinz Jiangsu

Eine Wasserstraße in Zhouzhuang in der chinesischen Provinz Jiangsu© Frederic CHAPRON/Fotolia

Nirgendwo ist so viel und so schnell Geld zu machen wie in China. Vor einem Jahrzehnt gab es noch keinen einzigen Milliardär. Heute wächst ihre Zahl rasant. Und die Reichen werden immer schneller reich.

Chinas sozialistische Marktwirtschaft produziert schneller US-Dollar-Milliardäre als irgendein anderes Land. In nur einem Jahr stieg ihre Zahl um 64 auf 315, wie am Mittwoch aus der jährlichen Liste des „Hurun“-Magazins in Shanghai hervorging. Vor einem Jahrzehnt gab es in der kommunistischen Volksrepublik noch keinen einzigen Milliardär. Die neuen Reichen in China werden auch rasend schnell noch reicher. Die 1000 wohlhabendsten Chinesen haben ihr Vermögen in einem Jahr um 21 Prozent vergrößert.

Die neue Liste führt der Immobilienentwickler und Chef der Wanda-Gruppe, Wang Jianlin, mit umgerechnet 22 Milliarden US-Dollar an. Er steigerte sein Vermögen in nur einem Jahr sogar um 114 Prozent. Dem 59-Jährige gehören nicht nur Immobilien, sondern auch Einkaufszentren, Kaufhäuser, Hotels und Kinos. In der bislang größten Übernahme eines amerikanischen Unternehmens durch einen chinesischen Konzern hatte seine Wanda-Gruppe im vergangenen Jahr die US-Kinokette AMC für 2,6 Milliarden US-Dollar erworben.

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Obwohl der bisherige Spitzenreiter Zong Qinghou sein Vermögen um 50 Prozent vergrößerte, rutschte der Chef des Getränkekonzerns Wahaha auf Platz zwei ab. Die ersten fünf auf der Liste haben ihren Besitz insgesamt verdoppeln können. Unter ihnen sind drei neue Gesichter. Auf Platz drei der Spitzenmilliardäre rückte Tony Ma (42), der Chef des Internetriesen Tencent, auf – gefolgt vom Autohersteller Wei Jianjun (49), dem Vorsitzenden von Great Wall Motors. Auf Platz fünf steht der erst 32 Jahre alte Immobilienunternehmer Yang Huiyan.

Reich durch Immobiliengeschäfte

Ein Viertel der 1000 reichsten Chinesen hat ihr Vermögen im Immobiliengeschäft erworben. Aber auch Informationstechnologie scheint ein aussichtsreicher Weg zu Reichtum zu sein, wie aus dem Bericht hervorgeht. Ähnlich Pharmazie, Investment und Autoproduktion. Insgesamt 144 Reiche auf der Top-1000-Liste haben ihr Vermögen in nur einem Jahr um mehr als 50 Prozent steigern können. Nur 252 besitzen heute weniger als vor einem Jahr.

Nach Angaben von Rupert Hoogewerf, der die Liste zusammenstellt, pflegen viele Reiche allerbeste Beziehungen in höchste Kreise der Kommunistischen Partei. So sitzen 153 der 1000 reichsten Chinesen in Chinas Parlament oder der beratenden Politischen Konsultativkonferenz (CPPCC). Während das Vermögen der Reichen in China derart weiter wächst, leben weiterhin mehr als 100 Millionen Chinesen selbst nach offiziellen Angaben in tiefer Armut.

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