Leben „Lebensgefahr für die Lachmuskeln“

Die närrische Zeit stolpert mit Ausfallschritten ihrem Höhepunkt entgegen. Wer noch schnell über schlechte Witze bei einer Faschings-Veranstaltung lachen will, muss sich beeilen.

„Haben Zitronen eigentlich Beine? Dann habe ich gerade den Kanarienvogel in den Tee gedrückt.“ Fragt der Urologe: „Brennt’s beim Wasserlassen?“ Antwort: „Angezündet hab ich’s noch nicht.“ Dann also: „In Vino Prostata.“ Tätä, Tätä, Tätäää! Na – haben Sie es erraten? Richtig!. Diese immergrünen Scherzimitate sind allesamt Ausschnitte aus deutschen Kappensitzungen. Das heißt, die närrische Zeit stolpert – um auf Kalauerniveau zu bleiben – mit Ausfallschritten ihrem Höhepunkt entgegen.

Entscheiden Sie sich also zügig ob Sie noch eine Faschings-Veranstaltung heimsuchen wollen. Zu den ganz heißen Tipps gehört die Kölner Immi-Sitzung bei der Zugereiste von Düsseldorf bis Kamerun in die Bütt steigen. Ein Berichterstatter des „Kölner Stadtanzeiger“ entdeckte dort sogar „Lebensgefahr für die Lachmuskeln“. Und in einer Studie der Boston Consulting Group, die den Wirtschaftsfaktor Karneval analysieren sollte ( Kölner sind zu allem fähig) erhielt das bunt gemischte Multi-Kulti-Team Spitzenwerte.

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Es soll ja Leute geben, die freuen sich auf Karneval. Dazu gehören definitiv die Rheinländer und jede Menge Bayern. Was macht aber der Rest der Bevölkerung während der tollen Tage? Gut, Hamburger oder Berliner haben es einfach: Die behaupten Fasching sei kompletter Mumpitz – und feiern einfach weiter wie immer. Andere wiederum behaupten, Karneval sei bestenfalls der Ausbruch unterdrückter Neurosen.

Und wieder andere – das sind die schlimmsten – die halten lange Vorträge über die Wurzeln des Karnevals. Eingeleitet wird diese unangenehme Art von Faschings-Sprech-Durchfall gerne mit einem Zitat des römischen Dichters Martial, der schon vor mehr als 2000 Jahren jede Menge Loblieder auf die „feuchten Tage“ sang – was immer das heißen mag. Aber: Wer will wissen, warum exzessives Feiern auch im Altertum beliebt war und die Baseler Fastnacht anders daherkommt als der Karneval in Haiti. Viel interessanter ist ja, warum es immer weniger Leistungsträger bei den Büttenrednern in Deutschland gibt.

Also: Was tun- wenn man die tollen Tage nicht komplett ignorieren will? Klassiker á la „Mainz wie es singt und lacht“ sind über weite Strecken nur nach dem Genuss einer Palette Rheinwein erträglich und auch die als alternativ verschriene Kölner Stunksitzung ist zum Schaukelstuhl angegrauter Öko-Rebellen verkommen. Falls Sie also dem handelsüblichen Humorniveau (Patient fragt Hausarzt: „Kann ich mit Durchfall baden?“ Arzt: „Kein Problem! Wenn Sie die Wanne voll kriegen!“) aus dem Weg gehen wollen, bleibt nur noch die oben erwähnte Immi-Sitzung. Die ist zwar auch nicht stubenrein aber origineller als der Rest der Branche.

Wahrscheinlich geht es dem Humor bei traditionellen Kappensitzungen ähnlich wie dem Mann den der Doktor ins Leichenschauhaus begleitet: „Herr Doktor, wohin bringen Sie mich?“ „Ins Leichenschauhaus.“ „Aber ich bin doch noch gar nicht tot!“ „Wir sind ja auch noch nicht da.“

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