Leben Lokaltermin: Was darf es sein, Michael Sieber?

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Michael Sieber im Restaurant Tommy Schäfer in Fürth

Michael Sieber im Restaurant Tommy Schäfer in Fürth© Falk Heller

Michael Sieber kauft Marken wie andere Leute Briefmarken. impulse hat den Chef der Spielwarenfirma Simba Dickie Group in seinem Lieblingsrestaurant in Fürth getroffen.

Wenn „Mike“ Hunger hat, gibt es keinen Ruhetag. Dann schließt Restaurantchef Tommy Schäfer auch an einem Montag auf. Was daran liegt, dass er mit dem Spielwarenunternehmer Michael Sieber befreundet ist, dem Chef der Simba Dickie Group und Herrn über ein Spielwarenreich, zu dem Bobby Cars, Puppen und Plüschtiere ebenso gehören wie ferngesteuerte Autos und Holzeisenbahnen.

Anfangs richtete Schäfer, der vier Jahre mit Sternekoch Heinz Winkler zusammengearbeitet hat, private Feiern für Sieber aus. Dann ­kamen Firmenveranstaltungen hinzu. Vor zwei Jahren übertrug Sieber ihm auch noch den ­Betrieb der Mitarbeiterkantine am Stammsitz in Fürth. Damit der Restaurantchef und seine Küchencrew an diesem Montag nicht allein für ihn antreten müssen, hat Sieber kurzerhand seine halbe Führungsmannschaft ins Lokal mitgebracht. Darunter seinen Sohn Florian, 28, seit Kurzem Geschäftsführer der neuesten Akquisition Märklin. Und seine Frau Gisela, 56, die das Menü zusammengestellt hat.

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Die herbstlichen Blattsalate mit gebratenen Steinpilzen lässt Gisela Sieber am Tisch in der Ecke servieren, geplant ist schließlich ein vertrauliches Gespräch. Eine schwierige Frage gilt es gleich zu Anfang zu klären: „Wein?“ Sieber zögert. „Eigentlich trinke ich keinen Alkohol“, sagt er. Na gut, ausnahmsweise einen trockenen Riesling. Der 57-Jährige achtet darauf, Maß zu halten. Er steht früh auf, dreht morgens seine Joggingrunden und hält sich mit ­Yoga fit. Die leichte, geschäumte Kürbissuppe mit gebratenen Riesengarnelen passt da gut ins Konzept.

Diese Dynamik, aber auch seine Disziplin ­ließen auch andere schon früh an Michael ­Sieber glauben. Sein Onkel, ein Textilunternehmer in den USA, half der Familie, als sie 1959 das Erzgebirge verließ und aus der DDR flüchtete. Er gab Siebers Vater 10 000 Dollar Startkapital für den Aufbau eines eigenen Spielzeughandels. Und wollte den Filius später unbedingt nach Amerika holen: „Er sah wohl schon damals das unternehmerische Talent in mir“, sagt Sieber.

Früher Einstieg ins Familienunternehmen

Sieber aber hatte zunächst ganz andere ­Pläne. Er wollte Profi-Fußballer werden. Als Jugendlicher schaffte es der Mittelstürmer bis in die Bezirksliga, doch sein Körper machte nicht mit. Schon mit 18 Jahren hatte er diverse Operationen hinter sich und sah ein, dass sein Platz auf der Tribüne ist. Da sitzt er noch heute, allerdings nicht bei seinem Heimatverein, sondern beim Champions-League-Sieger Bayern München in der eigenen Loge der Allianz ­Arena. „Die ganze Familie ist fußballverrückt“, sagt Sieber.

Confierter Ikarimi Lachs mit scharfen Currypanko

Confierter Ikarimi Lachs mit scharfen Currypanko© Falk Heller

Bereits mit 23 Jahren stieg er in den Vertrieb des familieneigenen Handelsunternehmens ein. Sein Vater hatte damals gerade seinen dritten Herzinfarkt überlebt, er selbst das zweite Semester Betriebswirtschaftslehre in Nürnberg hinter sich gebracht. Michael Sieber schmiss das Studium hin, absolvierte Auslandspraktika in Frankreich und Italien und lernte, auf Englisch, Französisch und Italienisch über Spielzeug zu fachsimpeln und es zu verkaufen.

Schon früh eröffnete das Unternehmen ein ­Büro in Hongkong. Für Sieber eine Gelegenheit, auf Geschäftsreisen allerlei kulinarische Grenzerfahrungen zu sammeln, über die er heute – bei confiertem Ikarimi Lachs mit scharfen Currypanko – lachen kann. Wildkatzen und Schlangen hat er schon gegessen. Affenhirn und Haifischflossen verschmäht er jedoch. Nicht nur aus geschmacklichen Gründen. „Ich wollte früher mal Tierarzt werden.“

Abenteuer Eisenbahn

Asien besucht er bis heute besonders gern. Am liebsten kommt er nach Bangkok, wo sein Unternehmen eine Produktionsstätte hat: „Eine sehr angenehme Kultur, die auf mich beruhigend wirkt.“ Ein wenig Ruhe sei manchmal auch nötig. Seit Sieber mit seinem Vater Fritz 1982 Simba Toys gründete, ist die Spielzeug­firma vom Zwei-Mann-Familienunternehmen zu einem Konzern mit 4200 Mitarbeitern ­herangewachsen. Über die Jahre kaufte die ­Familie etliche bekannte Spielzeugfirmen hinzu: Schuco, Schipper, Heros und Majorette ­sowie die Marke Big mit dem Bobby Car.

Luftgetrockneter Seranoschinken

Luftgetrockneter Seranoschinken© Falk Heller

Alles schön, alles gut. Doch nicht gut genug für Sieber, der seinem Vater unbedingt beweisen wollte, dass er nicht nur ein talentierter Händler ist, sondern auch Spielwaren herstellen kann. 1998 kaufte er den Holzeisenbahnhersteller Eichhorn – und riskierte dafür einen heftigen Streit. „Ich fand das total faszinierend“, sagt Sieber, „vorne schiebt man ein Holzbrett rein, hinten kommt eine Holzeisenbahn raus.“

Sein Vater warnte ihn, wollte ­eigentlich nicht, stieg aber am Ende zähne­knirschend mit 50 Prozent ein. Das Abenteuer Eichhorn wurde ziemlich teuer. Vater und Sohn versenkten viel Kapital bei der Revitalisierung der traditionsreichen Marke. Im Rückblick räumt Michael Sieber ein: „Ich hatte unterschätzt, wie schwierig es ist, eine Fabrik mit Saisonartikeln ganzjährig auszulasten.“

Inzwischen verdient Sieber aber auch mit seinen Holzeisenbahnen gutes Geld und kann sich deshalb selbst ein hübsches Spielzeug leisten. Sein ganz persönlicher Bobby Car parkt drei Schritte neben dem Firmeneingang: ein schwarzer Porsche 911 Turbo. 520 PS stark, 315 Stundenkilometer schnell.

 

cover-dezember-abbinderAus dem impulse-Magazin 12/2013

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