Leben Matula macht Schluss

Seit 30 Jahren ermittelt Claus Theo Gärtner als Raubein Matula - nun verkündet er seinen Ausstieg im nächsten Jahr. Mit seiner Frau soll's auf Weltreise gehen. Das ZDF will das Erfolgsformat ohne ihn fortsetzen.

Drei Jahrzehnte spielt Claus Theo Gärtner nun schon den Privatdetektiv Matula. Eine Rolle, die ihm wie auf den Leib geschnitten ist. Doch jetzt will er die Lederjacke des raubeinigen Ermittlers aus der ZDF-Krimiserie „Ein Fall für zwei“ ausziehen und sich den Traum von einer langen Reise erfüllen.

Laut ZDF steigt Gärtner zusammen mit seinem Kompagnon Paul Frielinghaus alias Anwalt Dr. Lessing „auf eigenen Wunsch“ im nächsten Sommer aus. „Dann fahre ich zusammen mit meiner Frau ein Jahr lang mit einem 12,5-Tonner die Panamericana von Alaska nach Feuerland. Ich habe extra gerade einen Lkw-Führerschein gemacht“, sagt Gärtner. Nach der 300. Folge als Matula soll daher Schluss sein.

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„Die Zuschauer trifft dies aber erst in eineinhalb Jahren“, sagt Frielinghaus – schließlich werde bis zum nächsten Sommer noch kräftig weiter produziert. Immerhin zehn Monate im Jahr stehen die biden für „Ein Fall für zwei“ vor der Kamera – ein Drehort der Serie befindet sich übrigens im selben Gebäude wie die Frankfurter Redaktion der impulse-Schwesterzeitung Financial Times Deutschland.

Wie aber begann alles? Also wirklich scharf sei er nie gewesen auf die Rolle des Matula, erzählt der 68-jährige Gärtner mit dem immer noch blonden Haar und der so markanten tiefen Stimme. „Nur um das Drängen zu beenden“, hätte er damals zugesagt. Sechs Folgen, ja, okay. Schließlich hatte der Theatermime gerade ein Engagement in Berlin begonnen.

„Dann waren es irgendwann sechs Folgen Matula, dann zehn – und dann war es irgendwann mit der Theaterspielerei vorbei.“ 19,4 Millionen Zuschauer, eine heute unvorstellbare Einschaltquote von 50 Prozent – das war der Matula-Erfolg in den ersten noch Privatfernsehen-freien Jahren. Auch heute sind die im Schnitt rund fünf Millionen Zuschauer noch eine Top-Ausbeute angesichts der Konkurrenz.

„Das, was Matula hat, hat er von mir“

Was hat sich nach 30 Jahren als Raubein Matula geändert? „Ich habe den Verdacht, dass mich die Autoren langsam schonen, was Actionszenen angeht“, sagt Gärtner und grinst verschmitzt. Er selbst führt zudem mehrmals im Jahr auch Regie bei der Serie.

Langweilig, nein, das sei ihm der Matula nie geworden. „Die Rolle macht den Leuten Spaß, Matula ist mutig, antiautoritär, hat Humor und ist hin und wieder auch ein Schlitzohr“, sagt Gärtner. Frielinghaus, der seit elf Jahren an der Seite Matulas spielt, meint, dass sich der Zuschauer „im Spannungsfeld zwischen dem unkonventionell ermittelnden Privatdetektiv und dem seriösen, kultivierten Gentleman-Anwalt mit seiner Sympathie mal für den einen, mal für den anderen entscheiden kann“.

Frielinghaus hat es bisher am längsten mit dem legeren Detektiv ausgehalten. Vor ihm gaben Günter Strack laut ZDF in 60 Folgen „Ein Fall für Zwei“, Rainer Hunold (90 Folgen) und Mathias Herrmann (33 Folgen) die Anwälte. Weil das Rezept des ungewöhnlichen Ermittlerduos auch nach 30 Jahren noch funktioniert, wollen die Macher offenbar die Serie nicht mit dem Ausstieg von Gärtner und Frielinghaus sterben lassen. „Wir arbeiten an einer Neuentwicklung des Formats“, sagt Produzentin Andrea Jedele von Odeon TV. Denn: „Wir wollen die Marke erhalten.“

Wie viel des gewieften Detektivs steckt aber nun in dem Charakterkopf Gärtner? „Das, was Matula hat, hat er von mir“, sagt der Mime und zieht genussvoll an seiner Zigarette. Um sich fit zu halten, kraxelt Gärtner, bis vor wenigen Jahren passionierter Autorennfahrer, in den Bergen, radelt, schwimmt oder klettert. Und besonders wenn er von seinen Reiseplänen erzählt, funkeln die tiefblauen Augen, eines seiner Markenzeichen.

Der Ausstieg als Matula ist zwar beschlossene Sache, aber einen endgültigen Schlussstrich will Gärtner offenbar noch nicht ziehen. „Wenn die nach meiner Rückkehr von der Reise sagen, bitte mach weiter, dann würde ich es eventuell sogar machen.“ Eines sei aber für ihn klar: „‚Ein Fall für zwei‘ ohne Matula wäre möglich, aber sinnlos, würde Loriot sagen.“

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